Donnerstag, 31. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1896

.Noch ein weiteres Stück aus dem neuen Band mit Geschichten und Gedichten "Querfeldein ist nicht immer geradeaus"


Thomas Staufenbiel

Zeter und Mordio
(1)
Es regnet. Das ist nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Wir stehen schon eine Weile in einem Hauseingang, die Tropfen platschen gegen die Tür, jeder Tropfen ein Gedanke. Hans in seinem schicken Anzug, Lisa mit den roten Absatzschuhen. Oliver, der unentwegt auf seine Rolex schaut, und ich, der ich sie alle anschaue, die sich längst verändert haben.
Reif und erwachsen sind sie geworden. Selten treffen wir uns noch. Die Gespräche drehen sich hauptsächlich um die Karriere. Etwas wehmütig betrachte ich sie und weiß doch, auch ich bin nicht mehr der Alte. Die Regentropfen bilden eine kleine Pfütze, die sich langsam zu uns herüberschiebt. Wie eine Zunge sieht sie aus. Sie erreicht den Hauseingang, der ebenerdig zu uns führt, und überschreitet die Grenze, die uns von der Außenwelt trennt. Jetzt, in diesem Moment leckt sie an unseren Schuhen, als wolle sie uns an etwas erinnern. Wir fühlen uns komisch, haben das Gefühl, kleiner zu werden. Immer kleiner, und plötzlich stehen wir in unserem alten Haus.

Draußen scheint die herrlichste Sonne. Wir schauen uns an und lauschen. Erst wollen wir es nicht glauben, so etwas gibt es nicht, lässt sich nicht erklären. Letztlich müssen wir uns aber der Gewissheit geschlagen geben. Ja, wir sind wieder zu Hause. Und was passiert nun, fragen wir uns.
Lärm quält sich durch die Flure unseres Hauses und wir möchten fliehen, denn unsere Ohren – ungewaschen und groß – glühen schon von diesem Geschrei. Die Buschkühl, wie immer, denken wir. Ist es wegen uns? Haben wir ihr etwa wieder einen Streich gespielt? Hat Hans Sturm geklingelt oder Lisa den rechten Strumpf von der Leine stibitzt? Nein, heute hat die Buschkühl ein anderes Opfer gefunden. Wir stehen unten im Hausflur und können nicht sehen, wen sie mit endlosen Wortkolonnen eindeckt.
Unser Haus hat drei Etagen. Oben wohnen meine Eltern mit meinem Bruder und mir. Daneben, gleich Tür an Tür, wohnt die Buschkühl. Für uns ist sie alt. Zugegeben, nicht so alt wie das Haus mit seinen Rissen und Furchen im Putz, doch Falten hat auch sie schon genug. So um die vierzig wird sie sein. Unsere Eltern, wir erschrecken bei dem Gedanken, etwas jünger sind sie ja noch, aber bald .... Werden sie dann auch so viel meckern, über alles und jeden?
Wir haben vorgesorgt. Unten im Keller, im hintersten dunklen Winkel, weit hinter den Wäscheleinen mit ihren Hemdsgespenstern, da wo die Dinge stehen, die keiner mehr braucht, dort ist unser Geheimnis. In den letzten einhundert Jahren hat sich niemand mehr so weit in den Keller gewagt. Na gut, denken wir, wir wissen es zumindest von den letzten zwei Jahren, denn so lange schleichen wir selbst schon dort unten herum. Hans war der Erste. Er ist auch der Älteste von uns, hat den meisten Mut. Er geht in die zweite Klasse und gibt mächtig damit an, dass er alles lesen kann, was dort unten an staubigen Wänden und zerbeulten Rohren geschrieben steht. Wir müssen es ihm glauben, wissen aber, er liest weit mehr vor, als dort Worte stehen. ...

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Aber auch die Lyrik verweist mit einem Beitrag auf eine Buchneuerscheinung:

Ja, ich weiß: Es gibt schon jenen Spruch, dass zahme Vögel von Freiheit singen und wilde fliegen, aber von "Zimmerpflanzen" gibt es noch nichts ...
Eines meiner "besonderen" Gedichte, in denen Vögel vorkommen, aber unsichtbare, ist "Daunenweich". Wir sollten bedenken, wie verletzlich unsere Nächsten doch auch sind ... so wie wir... manchmal: http://2.bp.blogspot.com/-T8FbZ3u1sow/UmuyZR8yILI/AAAAAAAAAdA/B1Y692SdsjU/s320/cover+mbh-Liebe+kleiner.jpg





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Mittwoch, 30. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1895

In ihrem gemeinsamen Buch lösen sich die beiden Autoren wie Staffelläufer ab ... allerdings unauffälliger und mit besonderen "Übergängen", die hier alle weggelassen werden:




.Thomas Staufenbiel

L5

Das Haus ist wunderschön, ganz mein Geschmack. Es wird für den Eigentümer sicher nicht leicht werden, es zu verlassen.
Als Erstes fällt jedoch der frisch gestrichene hellbraune Zaun ins Auge. Er umringt das Grundstück Lindenweg 5, den Garten und nebenbei auch gleich das ganze Haus. Lächelnd sehen wir uns an. Die Pforte öffnet einladend nach innen und schon stehen wir in einem bunten Vorgarten mit Zwergen und Rosen. Beides erinnert mich an meine Kindheit. Verstohlen streiche ich über dunkelrot-samtige Blüten, versenke ganz kurz meine Nase darin und genieße den spätsommerlichen, reifen Duft. Rabatten ohne Unkraut säumen den akkuraten Weg. Der Rasen, kurz geschnitten, nicht eine Butterblume weit und breit. Dafür Astern, Dahlien, Begonien, Schleierkraut, sogar Laven-del. Zauberhaft, möchten wir rufen und in Träumen schwelgen.

Ein Kirschbaum links, der Apfelbaum rechts. Der Weg führt um das Haus herum, mündet in einen sauberen Gemüsegarten. Dort ein Fleckchen mit Kräutern - Petersilie, Dill, Majoran entdecken wir mit geübtem Blick und erkennen den meister-haften Gärtner, ohne ihn irgendwo zu erblicken. Weiter unten geht der Garten in eine Wiese über, die bis zum Zaun hinunterführt. Dort steht eine alte Weide. Wo ist das Wasser, fragen wir uns und gehen näher heran. Direkt hinter dem Zaun fließt ein stilles Bächlein. Wir fühlen uns geborgen und wünschten uns, nicht wieder gehen zu müssen, werfen nun einen Blick zurück auf das Haus mit seinem weißen Putz, den grünen Fensterrahmen und – wir staunen – sogar Fensterläden in der gleichen Farbe. Das Dach glänzt im hellen Sonnenlicht wie die Wellen eines Sees. Es wird Zeit, sich von der Herrlichkeit dieses Gesamtkunstwerkes loszureißen, und so gehen wir zur Haustür. ‚Rehbein‘ steht auf dem Namensschild aus Messing. Wir schauen uns an und nicken einander zu.
Dann drücke ich entschlossen den Klingelknopf.
Ja, bitte?“ Ein unscheinbarer Mann öffnet uns die Tür und schaut fragend zu mir und der Frau an meiner Seite.
Herr Rehbein?“ Der Mann nickt.
Ich zücke meine Dienstmarke, rattere meinen Spruch herunter, „Kriminalinspektor Krawitter von der Mordkommission, das ist meine Kollegin Schmitt, guten Morgen“, und bin mir sicher, die farblose Gestalt wird diesen Morgen nicht für einen guten halten. „Wir bitten Sie mitzukommen. Sie sind verhaftet wegen des Verdachts auf Raubmord und schwere Körperverletzung. Sie haben das Recht zu schweigen, ich mache Sie aber darauf aufmerksam, dass alles, was Sie sagen, gegen Sie ...“

Ein wirklich schönes Haus, denken wir und blicken uns beim Gehen noch einmal um, wenn da nicht immer die Keller wären.
...

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Auch die "Gedichte des Tages" sind ein Gemisch aus Neuem und einem Hinweis auf die aktuelle Neuerscheinung auf dem Buchmarkt:

Zu den altbekannten Gästen, die sich in letzter Zeit rar gemacht haben, gehört Roger Suffo, der diesmal ein gereimtes Gedicht anbietet: " Aus Schaden klug?"
Aus Schaden zumindest etwas klüger geworden, nenne ich "Nach der Drangzeit" nicht "Sonett" sondern einen Vierzehnzeiler, denn daran kann man nicht zweifeln. "Nach der Drangzeit" besitzt "Anteile" an der "Liebe m.b.H.": http://2.bp.blogspot.com/-T8FbZ3u1sow/UmuyZR8yILI/AAAAAAAAAdA/B1Y692SdsjU/s320/cover+mbh-Liebe+kleiner.jpg


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Dienstag, 29. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1894

.Fahren wir fort mit der Vorstellung der bereits begonnenen Fortsetzungsgeschichte aus der gerade erschienenen Anthologie


Gunda Jaron

Ambivalent
(3)
Pierre wickelte eine Strähne meiner langen dunklen Haare um seine Hand und bog meinen Kopf ein wenig nach hinten, um mich besser küssen zu können. Und küssen, oh ja, küssen konnte er wie kein Zweiter, mein Pierre, Franzose eben. Er tat es mit viel Raffinesse und Leidenschaft. Aber leider auch mit viel Spucke. Er wusste, dass ich es gar nicht gern hatte, auf diese Weise geküsst zu werden. Sie verstehen schon, so, dass man angeekelt die Luft anhält und sich hinterher nach einer ausgiebigen Dusche sehnt. So küsste Pierre. Obwohl er sich darüber im Klaren war, dass ich das absolut nicht leiden konnte. Aber – ich glaube, ich sagte es bereits – es war ja unser letzter gemeinsamer Abend, und so blieb ich stumm. Wie hätte ich auch reden können, wenn er mir seine Zunge tief in den Rachen stopfte und gleichzeitig schätzungsweise ein halber Liter Verdauungssäfte den Besitzer wechselte? Eben. Ich hasse es, auf diese Art geküsst zu werden. Ich hasse es abgrundtief. AB – GRUND – TIEF! Besonders, wenn mir vorher so ein muskelbepackter, grenzdebil grinsender O-I-Student namens Pierre „Chérie“ ins Ohr geflüstert und mein Haar zerzaust hat. Aber wenn man verliebt ist …

Inzwischen war die Sonne untergegangen, nicht ohne vorher die Kuppel unseres Rathauses in ein zauberhaftes, rot-goldenes Licht getaucht zu haben. Die Tauben hatten sich hinter einem Schornstein zur Ruhe begeben, und auch unser letzter Abend zu zweit war zu Ende.

Ja, so war das, Frau Kommissarin. Ach, ich wünschte, Sie hätten Pierre gekannt, als er noch lebte. Er hätte Ihnen gefallen. Ehrlich, ein Prachtexemplar von Mann. Wenn er nur nicht solche seltsamen Eigenarten gehabt hätte. Sie müssen zugeben, dass die einen triftigen Grund dafür lieferten, dass dieser bewusste Abend unser letzter gemeinsamer sein würde, nicht wahr? Wie sind Sie eigentlich auf mich gekommen? Ach, ein langes dunkles Haar in seiner rechten Hand? Tss, ich sagte ja, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn mir jemand das Haar zerzaust. Auf den Tod kann ich es nicht ausstehen. Auf den Tod nicht ...

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Die "Gedichte des Tages" sehen morgen folgendermaßen aus:

Als ein Zirkelleiter (wohl zu Recht) befürchtete, seine beabsichtigte vernichtende Kritik würde nicht verstanden werden, erzählte er die Geschichte, der große Walter Victor habe ihn einst als jugendlicher Schreibeleve zum Gespräch eingeladen. Den ihm zugeschickten Text habe er mit den Worten zurückgegeben, man müsse nicht zu allem etwas schreiben wollen.
Ich hoffe, sowohl das Testgedicht "Bedenkliches Fundament" verdient diese "Zusammenfassung" nicht ... und das fertige Buch mit Liebesgedichten erst recht nicht. Aber Selbstzufriedenheit ist trotzdem nicht angebracht - alles kann "man" besser ...
Manchmal ist ein Gedicht nur ein Gedankensplitter, ein Augenblicksgefühl auf wenige Worte verdichtet, und es kann doch gleichzeitig der "Beginn eines Romans" sein. Aus: http://2.bp.blogspot.com/-T8FbZ3u1sow/UmuyZR8yILI/AAAAAAAAAdA/B1Y692SdsjU/s320/cover+mbh-Liebe+kleiner.jpg




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Montag, 28. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1893


Heute muss die Lyrik an den Anfang, denn es geht um das Erscheinen eines neuen Buches:

Nun ist es da: Das Gemeinschaftswerk von Gunda Jaron und Thomas Staufenbiel, das Gedichte und Geschichten der beiden Autoren enthält, u.a. auch Thomas Staufenbiels ""Legga":
http://3.bp.blogspot.com/-Eg3ahXXHm_Y/UmPjBKBZrAI/AAAAAAAAAcw/tixkBb2ikA4/s320/Cover+Querfeldein.JPG
















Ob die beiden Autoren bereits eine zweite Auflage im Hinterkopf haben, in der dann alles superererer wird, wird nicht verraten. Begnügen wir uns mit dem Vorhandenen - so, wie "Im Schwarzenvon Slov ant Gali aus
http://2.bp.blogspot.com/-T8FbZ3u1sow/UmuyZR8yILI/AAAAAAAAAdA/B1Y692SdsjU/s320/cover+mbh-Liebe+kleiner.jpg


















Ja. die Geschichte, deren Fortsetzung nun folgt, ist im selben Buch erschienen:

Gunda Jaron

Ambivalent
(2)
Für zwei Auslandssemester hatte sich Pierre an der Universität unseres hübschen kleinen Städtchens einge-schrieben und gleich in der ersten Woche seines Aufenthaltes waren wir uns sozusagen in die Arme gelaufen. Beim Joggen. Seitdem waren wir unzertrennlich. Und nun standen wir oben auf dem Dach dieses Geschäftshochhauses, in dem er für ein halbes Jahr einen Job als Nachtwächter gefunden hatte, mein Pierre. Praktisch, wenn man bedenkt, dass er ja tagsüber studieren musste. Natürlich ist es verboten, dort oben zu stehen, aber an dem Abend war uns nach Verbotenem. Pierre hatte mich an der Hand genommen, mit seinem riesigen Schlüsselbund geklimpert und sein unwiderstehliches Grinsen aufgesetzt. Oh, wie ich diesen lausbübischen Gesichtsaus-druck liebte. Mag sein, dass es etwas lächerlich wirkte, wenn er seine schiefstehenden Zähne entblößte und die Oberlippe so weit in die Höhe zog, dass sein graurosa Zahnfleisch gut sichtbar wurde, aber irgendwie war es auch wieder charmant.

Cherie ...“, flüsterte er mir dort oben zärtlich ins Ohr. Zusammen waren wir in dem dämmerigen Treppenhaus gefühlte dreihundertvierundfünfzig Stufen hochgestiegen und hatten schließlich durch eine Stahltür das Flachdach betreten. Dort standen wir nun und schauten in den Sonnenuntergang. Die Kirchturmspitze zeichnete sich eindrucksvoll gegen den rot-glühenden Himmel ab, zwei Tauben gurrten ohrenbetäubend und uns wurde richtig romantisch zumute.
Chérie ...“, hauchte er also. Kennen Sie das? Dieses sinnlich aus leicht geöffneten Lippen fließende, nach Kirschen in Zartbitter schmeckende Kosewort? Hmmm ... Ich lauschte seiner Stimme und weiß noch, dass ich dachte: Chérie? Irgendwie billig. Dutzendware in rosa Glanzpapier sozusagen. Aber es war unser letzter gemeinsamer Abend, und so lächelte ich nur.

Chérie, du ...“ Ach, was er sagte, ist im Grunde genommen gar nicht von Belang, dieses übliche Zeug eben, das man so redet, wenn man zu zweit auf dem Dach eines Hochhauses steht und einen sagenhaft kitschigen Sonnenuntergang beobachtet. Er flüsterte mir einen Haufen entzückenden Blödsinn ins Ohr und zerzauste liebevoll mein Haar. Eigentlich mag ich das nicht sonderlich und ebenso eigentlich wusste Pierre das, aber ich schwieg, zumal es unser letzter Abend war – sagte ich das schon? Wissen Sie, es ist ja nicht so, dass ich eine komplizierte Frisur mein Eigen nenne, im Gegenteil, ich habe einen ausgesprochen pflegeleichten Haarschnitt: waschen, schütteln – sitzt! Dennoch schätze ich es einfach nicht, wenn mir jemand das Haar zerzaust, besonders nicht auf dem Dach eines Hochhauses. Das muss ich doch nicht begründen, oder? Gut. Es ist mir eben ausgesprochen unangenehm, speziell bei Sonnenuntergang.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1892

.Beginnen wir mit der Lyrik:

Manchmal passiert es mir: Ich habe kaum die Zeitung hochgeholt, blättere sie durch, bleibe an einem Artikel hängen und sage mir, darüber müsste ich schreiben. Ein seltener Fall, bei dem sich auch die Idee schnell einstellte, WIE ich den Stoff angehen könnte, war "Vom so netten König Abdutrullalah". Vorsorglicher Hinweis: An tri-tra-trallala habe ich dabei nicht gedacht ...
Und nun das zweite Beispiel für eine nachträgliche Änderung und Aufgabe für lyrische Wortdetektive, WAS denn verändert worden sein könnte bei "Auf-gelebt" im Vergleich zu http://2.bp.blogspot.com/-T8FbZ3u1sow/UmuyZR8yILI/AAAAAAAAAdA/B1Y692SdsjU/s320/cover+mbh-Liebe+kleiner.jpg


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Die Prosa ist nichts als der Anfang einer weiteren bekannten Geschichte aus der "gemischten Anthologie von Gunda Jaron und Thomas Staufenbiel:




Gunda Jaron

Ambivalent
(1)
Es waren wundervolle Tage, die Tage mit Pierre. Ich habe sie genossen, jeden einzelnen, und ich werde sie nie vergessen, die Tage nicht und Pierre nicht. Wie könnte ich auch? Wann hat mir je zuvor jemand so viel Aufmerksamkeit geschenkt, mich so mit Liebe überschüttet und auf Händen getragen wie dieser Mann?

Für einen Franzosen war er übrigens ziemlich groß, knapp einen Meter fünfundachtzig auf Hornhaut, und ich liebte jeden Zentimeter an ihm. Jeden. Einen kräftigen Rücken hatte er und Schultern wie ein Footballspieler, wissen Sie, so einen sportgestählten Body, wie frau ihn sonst nur aus der Werbung für die Lightversion eines Colagetränkes kennt. Sixpack. Und Oberarme, die mal Beine hatten werden sollen. Geradezu umwerfend. Genaugenommen stehe ich ja nicht so sehr auf muckibudengezüchtete Muskeln, zumindest dann nicht, wenn man dem Typen trotzdem ansehen kann, dass sich irgendwann rund um die Taille ein Speckgürtel ansetzen wird, spätestens, wenn sich ab Mitte Vierzig seine sportlichen Aktivitäten in der Handhabung der Fernbedienung seines Multimediacenters erschöpfen. Aber noch sah Pierre wirklich klasse aus, das muss ich zugeben. Wissen Sie was: Stellen Sie sich einfach Ihren Traumtypen vor, überziehen ihn in Gedanken mit Vollmilchschokolade oder von mir aus auch Himbeermarmelade – et voilà – so einer war Pierre.

Pierre ... Ein Name, der auf der Zunge zergeht wie Sahneeis. Gut, vielleicht vermischt mit einigen harten Krokantbrocken, denn „Pierre“ ist in Frankreich ungefähr so gebräuchlich wie hier Peter oder Paul – und bei Licht besehen rangiert „Pierre“ für mich auf der Beliebtheitsskala männlicher Vornamen ungefähr auf dem gleichen Level wie „Gerd-Herbert“ oder „Maltekevinalexander“. Aber was sind schon Namen?

Biologie studierte er. Oder war es Philosophie? Philologie? Sinologie? Egal, irgendetwas mit mehreren Os und Is eben. Ich glaube, wenn man verliebt ist, ist so etwas ziemlich wurscht, oder sehen Sie das anders? Und verliebt waren wir. Oh ja, und wie. ...
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Samstag, 26. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1891

Hoffentlich verständlicherweise stehen sowohl Lyrik als auch Prosa im Moment im Zeichen der aktuellen Buchveröffentlichungen:

Kann man die eigene Kreativität übertreiben? Ist es schlimm, wenn man, kaum dass die erste Auflage erschienen ist, schon die Kleinigkeiten zu sammeln beginnt, die in der erhofften nächsten Auflage verändert werden sollen - für Freaks ein Puzzle? 
Slov ant Gali "Ehe" enthält solch eine solche Änderung zu



Thomas Staufenbiels "Eselsmilch" muss noch ein paar Stunden warten, bis das Buch, dem das Gedicht entnommen ist, erschienen ist ... aber Verbesserungen dürfen natürlich schon jetzt gesucht werden:






Gunda Jaron

S.a.B.r.I.n.A.
(3)
Woher ich das alles wusste, obwohl ich die Frau gar nicht kannte? Nun, es gehört zu meinen ehernen Grundsätzen, akribisch zu recherchieren, bevor ich einen Auftrag endgültig annehme. Nichts wäre geschäftsschädigender, als einen Unbescholtenen dauerhaft zu beseitigen, nur weil die lustige Witwe in spe dessen Geld auf den Bahamas verjubeln will.
Mag sein, dass solche Geschäfte lukrativer wären als meine Art des Geldverdienens, die paar Mäuse, die ich als Aufwandsentschädigung zu kassieren pflege, ermöglichen mir lediglich ein Leben in bescheidenem Luxus, aber frau hat eben ihre Prinzipien. Und eine dankbare Auftraggeberin, der ich ihr Lächeln zurückgeben konnte, ist mir allemal lieber als eine, die sich nur zähneknirschend von einem Teil ihres Erbes trennt, um mich zu entlohnen.

Nun möchten Sie noch wissen, wie die Frau mich kontaktieren konnte? Über S.a.B.r.I.n.A. natürlich. „Situation ausweglos? Beseitige rigoros Individuen negativer Art!“ Ein Netzwerk von Frauen für Frauen. Vergessen Sie's, Sie brauchen nicht im Internet zu recherchieren. Ich betreibe keine Homepage. Mein Büro hat ja nicht mal ein Firmenschild, jedenfalls kein aussagekräftiges, aber irgendwer kennt immer irgendwen ... Probieren Sie es aus, wenn sie Bedarf haben.



Wie ich es angestellt habe, dass die Kugel aus dem Gewehr des Bruders ... ? Sozusagen unter dessen Augen ... ? Aber ich bitte Sie. Sie erwarten nicht ernsthaft, dass ich Sie in meine Arbeitsmethoden einweihe? Berufsgeheimnis, das werden Sie verstehen. Diskretion ist alles in diesem Geschäft, weshalb ich bei Veranstaltungen wie der heutigen zumeist in der letzten Reihe stehe. Das ist die einzige Macke, die ich mir leiste: Nach erledigtem Job das Ergebnis meiner Arbeit aus der Nähe zu betrachten, immer in etwas abgewandelter Gestalt, aber stets mit einem tiefen Gefühl der Befriedigung. Und – ich gebe es zu – in diesem Fall sogar mit einer gehörigen Portion Stolz, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.

Freitag, 25. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1890

Heute wird gleich zweimal auf ein Buch zurückgegriffen - einmal dabei im Lyrikbereich, einmal als Fortsetzung das Prosatextes. Der Leser ahnt also, dass er viel Ungeahntes zu erwarten hat ... meist allerdings im eher weniger ernsten Bereich:

Nun bin ich etwas in Not: Wäre ich ein höflicher Mensch, stellte ich das Gastgedicht zuerst vor. Da ich es nicht bin, behaupte ich einfach, die heutigen Gedichte sind beide "tierisch". Slov ant Galis Testgedicht "Lieblingstier?!" und Thomas Staufenbiels geschmunzelter Beitrag aus "Querfeldein ist nicht immer geradeaus" "Rammlers große Not".






Gunda Jaron

S.a.B.r.I.n.A.
(2)
Das zweite Foto, das an meiner Pinnwand hing, zeigte eine etwas jüngere Kopie des Verstorbenen. Ebenfalls Typ Nadelstreifen-, Brilli- und Nobelmarken-Träger, aber alles eine Nuance zu übertrieben, als dass man ihm die gleiche Klasse wie seinem älteren Bruder hätte attestieren können.

Nur dem Auge eines geübten Beobachters konnten die leichten Ausbuchtungen unter den Armen der ebenfalls in dezentes Schwarz gekleideten beiden Herren auffallen, die in diesem Moment den Jüngeren für einen letzten Abschied nehmenden Blick an das Grab des Bruders geleiteten. Wirklich nett, dass sie ihm für diesen Anlass die Handschellen abgenommen hatten, aber schließlich war ja auch noch nichts endgültig erwiesen. Dass die Kugel, die den Graumelierten bei der diesjährigen Treibjagd genau ins Herz getroffen hatte, aus dem Gewehr seines eigenen Bruders stammte, war allerdings ein schwerwiegendes Indiz, zumal ausschließlich dessen Fingerabdrücke auf Kolben und Abzug zu finden gewesen waren. Dennoch leugnete der Jüngere standhaft, etwas mit dem Tod seines Bruders zu tun zu haben. Gut, das Motiv war noch unklar, aber es war wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis das Ermittlerteam der Staatsanwaltschaft auf den angeblich gestohlenen Laptop des Verdächtigen stoßen würde. Die Dateien darauf zu manipulieren, war eine technische Kleinigkeit gewesen, den Laptop zu „stehlen“ und ihn so in der Wohnung des Besitzers zu verstecken, dass dieser nicht darüber stolpern, die Polizei ihn aber irgendwann finden würde, das war schon eine logistische Meisterleistung, auf die ich wohl zu Recht stolz sein durfte. Eigentlich dürften die Indizien ausreichen, um diesen Mann zumindest für ein paar Jahre aus dem Verkehr zu ziehen. Dann noch ein paar Kopien der Dateien der Pressemeute zum Fraß vorgeworfen, und der üble Leumund würde ein Übriges tun.
Die Frau vorne schüttelte inzwischen die Hände einer schier endlosen Reihe Kondolierender und quetschte noch immer die eine oder andere Träne hervor. Auch hier erkannte wohl nur mein geschultes Auge, dass diese weniger Ausdruck einer tiefen Trauer als vielmehr einer ebenso tief empfundenen Erleichterung waren. Die ältere Tochter wagte schon wieder ein vorsichtiges Lächeln, das Baby war nirgends zu sehen. Ein Windstoß hob das Schultertuch an, mit dem die zierliche Frau den Nacken verhüllt hatte, und ich konnte sehen, dass die blauen Flecke mittlerweile eine grüngelbe Schattierung angenommen hatten. Ich vermutete, dass auch die Brandwunden auf der Brust und die Schnitte an den Oberarmen langsam verheilten.
Oh ja, er war vorsichtig gewesen. Nie ins Gesicht schlagen – und immer nur Verletzungen, die sie sich auch selbst hätte zugefügt haben können ... Und nie so stark, dass ein Arztbesuch notwendig gewesen wäre ... Und die gleiche Maxime hatte für seinen jüngeren Bruder gegolten.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1889

.Gunda Jaron bietet ihre kriminalistischen Dienstleistungen ... oder heißt das kriminellen? ... auch in anderen Geschichten an:


Gunda Jaron

S.a.B.r.I.n.A.
(1)
Gerne hätte ich der Frau vorn in der ersten Reihe die Hand auf die Schulter gelegt und ihr ein paar freundliche Worte zugeflüstert, aber eigentlich kannte ich sie ja kaum und so wäre sie über meine vertrauliche Geste wohl sehr erstaunt gewesen. Vermutlich hätte sie sogar befremdet reagiert, denn genaugenommen kannte sie mich überhaupt nicht. Also unterließ ich es lieber. War auch besser so. Wäre ohnehin zu gewagt gewesen. Ich schüttelte den Kopf über mich selbst. Irgendwann würde es mich noch erwischen.

Nein, die junge Frau und ich, wir waren uns nie begegnet. Gekannt hingegen hatte ich ihren Mann, wenn auch nicht persönlich. Ein faszinierender Mensch. Groß und mit Schultern, die die richtige Breite hatten, um die grauseidenen Boss-Anzüge aufs Eleganteste auszufüllen. Maßgeschnei-derte Hemden, deren Ärmel auf den halben Zentimeter genau an der Stelle des Handgelenks endeten, die es einem Gesprächspartner ermöglichte, einen flüchtigen Blick auf die goldene Rolex zu erhaschen. Dezenter Brilli auf dem Platinreif am rechten Ringfinger ebenso wie auf der geschmackvollen Krawattennadel. Handgenähte Lederschuhe, die ihre ita-lienische Herkunft erst auf den zweiten Blick verrieten, sowie ein perfekter Schnitt des graumelierten Haares, vermutlich das Ergebnis wöchentlicher Besuche bei einem dieser Friseure, der irgendwann prominenter sind als die meisten ihrer Kunden, rundeten das Bild des erfolgreichen, seriösen Geschäftsmannes ab.
Ein strahlendes Lächeln, das zwei Reihen blendend weißer Jacketkronen enthüllte, sprang den Betrachter des Familien-fotos geradezu an, jenes Fotos, das ich in meinem Büro an der Pinnwand hängen hatte und das während des letzten Sommerurlaubs aufgenommen worden war. Gleichsam beschützend wie besitzanzeigend hatte der Mann darauf die rechte Hand auf die Schulter seiner Frau gelegt, die in irgendeiner Badebucht im Sand saß und das Baby auf dem Schoß hielt. Die Linke des Mannes ruhte auf dem Hinterkopf des älteren Kindes, einem etwa acht- oder neunjährigen Mädchen, das etwas ängstlich in die Kamera blickte. Die Frau auf dem Bild hatte leicht die Mundwinkel nach oben gezogen, aber das Lächeln schien ihre Augen nicht zu erreichen. Mag sein, dass dieser Eindruck hauptsächlich dadurch entstand, dass sie eine dieser überdimensionalen Sonnenbrillen trug, die jede Frau wie eine mutierte Stubenfliege aussehen lassen, dennoch war ich mir sicher zu erkennen, dass ihr Lächeln nur Maske war und nicht Ausdruck einer freudigen Empfindung. Ich täusche mich selten in solchen Dingen, wissen Sie. Ein gewisses Feeling dafür gehört einfach zu meinem Job.

Dieselbe Sonnenbrille trug die Frau übrigens auch jetzt, obwohl der Himmel eher trüb war. Die Luft war abgestanden und zugleich schwer und süß gewesen vom Duft Hunderter Rosen und Lilien. Die Glocken hatten geläutet und die Träger gemessener Miene links und rechts des Sarges Platz genommen. Begleitet von einer etwas altersschwach ächzenden Orgel hatte die Gemeinde gebeten „So nimm denn meine Hände“, der eine oder andere Schluchzer war bereits laut geworden, noch bevor der Chor feierlich das Ave verum intoniert hatte, und Tränen waren mit spitzenbesetzten Tüchlein von den Wagen getupft worden. Der Graumelierte musste eine Seele von Mensch gewesen sein, wenn man dem Pastor Glauben schenken wollte, der den Lebensweg des lieben Verblichenen mit salbungsvollen Worten nachge-zeichnet hatte. Wie überaus traurig und welch ein Verlust für die Menschheit, dass dieser wunderbare Mann und liebevolle Familienvater so früh hatte sterben müssen. Und dann auch noch so plötzlich und auf so tragische Weise.
Ergreifend. ...

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Auch die "Gedichte des Tages" greifen teilweise auf das selbe Buch zurück:

Wenn wir auf lyrischen großen Fahrten sind, kommt erfreulicherweise nicht nur, aber eben auch Sebastian Deyas "Flaschenpost" an. AuchGunda Jaron erinnert daran, dass "Heiße Liebe" nicht in "Liebe m.b.H." gesucht werden sollte, sondern in ""Querfeldein ist nicht immer geradeaus" ... zumindest was den Titel betrifft:
http://3.bp.blogspot.com/-Eg3ahXXHm_Y/UmPjBKBZrAI/AAAAAAAAAcw/tixkBb2ikA4/s320/Cover+Querfeldein.JPG.
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Lyrik-Prosa-Wortkultur 1888

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Gunda Jaron: Picknick im Grünen

(3)
Iris blickte zu Jan hinüber. Das Gesicht ihres Mannes strahlte inzwischen eine ungesunde Blässe aus. Fahrig strich er sich mit der Hand über die Stirn.
Ist dir nicht gut, Liebling?“, fragte Iris und warf nebenbei einen interessierten Blick auf Violetta, die sich in diesem Moment stöhnend aufrichtete und ihre Linke auf den Magen presste.
Oh Gott, ist mir schlecht“, japste ihre Freundin, bevor sie sich würgend in ihre Kühltasche übergab. Nur gut, dass Iris vorher die Flasche Sekt dort herausgenommen hatte. Wäre schade drum gewesen.
Mir ist so kalt“, hauchte Jan. „Und schlecht. Ich glaube, die Pilze ...“
Die Pilze? Ach wo“, beruhigte Iris ihn und fühlte seinen unregelmäßigen und immer langsamer werdenden Puls. „Das waren ganz normale Champignons, die haben Hendrik und ich auch gegessen. - Du bist doch okay?“, fragte sie mit einem besorgten Seitenblick auf Violettas Mann.
Natürlich“, antwortete dieser lächelnd. „Darling, du siehst gar nicht gut aus“, fügte er schließlich an seine Gattin gewandt hinzu.
Krankenwagen rufen ...“, röchelte Violetta.
Mach schon, Iris“, drängte Jan seine Frau mit schleppender Stimme.
Krankenwagen rufen?“, fragte Iris amüsiert und sah zu ihrer einstmals besten Freundin hinüber. „Womit denn? Wer wollte denn, dass wir keine Handys mitnehmen?“
Violetta starrte sie an. „Wie hast du das gemacht, Iris?“, fragte sie und ihre Stimme brach. „Wie?“
Wie hat sie WAS gemacht, Vio?“ Jan mobilisierte seine letzten Kräfte.
Ich?“ Iris guckte erstaunt. „Ich habe gar nichts gemacht!"
Spöttisch blickte sie auf ihren Mann und dessen Geliebte hinunter.
Überstunden, ja? Nun, jetzt habt ihr alle Zeit der Welt für euch, ihr Süßen.“

Sorgfältig sammelte sie alles ein, was Hendrik und sie berührt hatten. Nicht das kleinste Fitzelchen Alufolie blieb zurück, keine noch so winzige Fischgräte. Den Grill und die in-zwischen leergefutterten Oleanderspieße hingegen ließ sie dort, wo sie waren. ... 


.An dieser Stelle brechen wir den Blick auf diese Kriminalgeschichte der schwarzen Art ab. Man könnte es ein Quiz nennen, auf welche Pointe die Geschichte zusteuert. Aufgelöst wird es jedenfalls in Gunda Jarons und Thomas Staufenbiels in den nächsten Tagen erscheinenden Buch "Querfeldein ist nicht immer geradeaus".



Die Lyrik ist auf das zweiwöchentliche Autorentreffen ausgerichtet:

Wird das ein Spaß: Der Leiter des Friedrichshainer Autorenkreises hielt mehrfach kleine Predigten darüber, dass man bestimmte große Gedichte der Vergangenheit wegen des Standes der Naturwissenschaften heute so nicht mehr schreiben könne, nach dem ersten Ausflug von Menschen auf die Mondoberfläche "An den Mond" eben nicht mehr ginge. Zur Strafe wird er sich nun fragen lassen dürfen, ob denn dann (nur noch) "Himmlisches" geht ...
In die engere Wahl für eine Vorstellung vor anderen Dichtern kam anfangs auch "märchenhaftes". Letztlich überzeugte mich aber die Umsetzung aber immer noch nicht ...




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Dienstag, 22. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1887

.Man müsste gewisse biologische Kenntnisse besitzen, dann ahnte man in diesem Abschnitt, warum es sich um eine schwarze Krimistory handelt ...

Gunda Jaron: Picknick im Grünen
(2)
Wohlig räkelte sich Iris auf ihrer Decke, verschränkte die Arme unter dem Kopf und betrachtete unter halbgeschlossenen Lidern heraus ihren Mann Jan, der scheinbar gedankenverloren an einem Grashalm kaute, dessen Blicke aber wie gebannt an Violetta klebten. Ausnahmsweise hielt diese mal ihr Plappermaul. Ihr ohnehin gebräuntes Näschen hatte sie gen Himmel gereckt und sich ihr T-Shirt kurzerhand über den Kopf gezogen, damit ihr tadellos modellierter Busen in dem winzigen BH auch noch ein paar spätsommerliche Sonnenstrahlen abbekam. Hendrik lehnte entspannt an einem Baumstamm und döste vor sich hin.

Das Essen war ausgesprochen köstlich gewesen. Jan hatte den Grill aus der Verpackung befreit, ihn befeuert und den Rosé geöffnet, Violetta die Blätter von den frisch in ihrem Garten geschnittenen Gerten gestreift und die Blüten zum Garnieren beiseitegelegt. Zu dumm, dass Iris die Spieße vergessen hatte, aber die Oleanderzweige würden sicherlich halten, was sie versprachen. Mit einem spitzen Messer hatte Violetta kleine Schlitze in die Rindfleischstücke geschnitten, so dass sie sich gut aufspießen ließen. Die Fleischstücke wechselten sich dabei ab mit je einem der noch in ihrer jungfräulichen Umhüllung steckenden kleinen weißen Pilze, die Iris zuvor auf einer Wiese gefunden hatte. Gut, dass sie sich damit so gut auskannte. Schade nur, dass der Fisch zu dünn geschnitten war. Iris hatte gar nicht erst versucht, ihn aufzuspießen, sondern ihn gleich zusammen mit kleinen Zwiebelstücken, den Pilzen und einem Klacks Kräuterbutter in die mitgebrachte Alufolie gepackt, diese zu kleinen Päckchen zusammengefaltet und dann auf den Rost gelegt.
Und dann hatten sie geschlemmt. Violetta und Jan, Iris' Mann, waren ganz hingerissen gewesen von den mit den Oleanderblüten verzierten Rindfleischspießen. Iris und Hendrik hatten sich an dem verführerisch duftenden Fisch delektiert. Violettas Kartoffelsalat hatte wunderbar mit den restlichen Speisen harmoniert, der Rosé das Mahl aufs Köstlichste abgerundet. Jetzt hielten alle gemeinsam eine ausgedehnte Siesta. ...


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Und die bevorstehenden "Gedichte des Tages"?

Sebastian Deya und Slov ant Gali versuchen Gleiches: Aus einem bekannten Gegenstand bzw. einer Floskel entsteht etwas (hoffentlich) verwirrend Neues, das zum neu Bedenken anregen soll:




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Montag, 21. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1886

.Ein weiterer Blick voraus. Das Buch "Querfeldein ist nicht immer geradeaus ist ja ein Gemeinschaftswerk von Thomas Staufenbiel und Gunda Jaron und von ihr allein gab es hier kaum Prosaproben. Das sei hiermit geändert:


Gunda Jaron: Picknick im Grünen

(1)
Ach, wie lange war das her, dass sie in solch trauter Eintracht beisammengesessen hatten? Zu viert. Nur sie, ihr Mann und ihre besten Freunde. Und dann dieses Wetter! Altweiber-sommer nannte man das wohl: Strahlendblauer, wolkenloser Himmel, obwohl der kalendarische Herbst schon ein paar Tage alt war, so richtig wie von einer Kitschpostkarte. Die Sonne bescherte ihnen Temperaturen um die 25 Grad. Ein herrlicher Tag, zum Sterben schön und wie geschaffen für einen Ausflug in die Natur, und so war ihr Vorschlag am Abend zuvor auch sofort auf fruchtbaren Boden gefallen. Ob sie Lust hätten auf eine ausgedehnte Radtour, hatte Iris ihre Freunde gefragt, mit Picknick im Grünen, Seele baumeln lassen ...
Au ja!“ Violetta war sofort begeistert gewesen. „So ganz ohne Stress, ohne Armbanduhr, ohne Handys ... Tolle Idee, Iris“, hatte sie gesagt und hinzugefügt: „Wir haben uns ja schon so lange nicht mehr gesehen, meine Liebe. Und die Männer können auch mal wieder etwas Frischluft vertragen, bei den vielen Überstunden, die sie ständig schieben müssen.“
Iris hatte säuerlich die Mundwinkel verzogen.

Prallvoll waren die Satteltaschen gepackt gewesen, als Iris und Jan ihre Freunde am nächsten Morgen von ihrem kleinen, einsam außerhalb des Ortes gelegenen Bauernhof abgeholt hatten. Picknickdecken und Kühltaschen mit allerlei Getränken hatten darin Platz gefunden, Sonnencreme und sogar ein Einmalgrill. Iris grinste bei der Erinnerung an Violettas erstaun-tes Gesicht.
Grill?“, hatte sie mit großen Augen gefragt. „Ach, deshalb sollte ich nur einen Kartoffelsalat mitbringen? Fleisch hast du besorgt, ja? Hast du daran gedacht, dass ich nur Rind esse? Und mein Gatte nur Fisch? Und diese leckere Sauce, ist die ...“ Violetta hatte munter losgeplappert.
Aber ja, Rind und Fisch, weiß ich doch. Und dann suchen wir uns noch ein paar Pilze und machen uns Grillspieße.“
Oh ja, mein Gatte und ich lieben Pilze und ...“
Himmel nochmal, hatte Iris innerlich gestöhnt. Du und dein „Gatte“...
Ja, ich erinnere mich“, hatte sie schnell eingeworfen und dann erschrocken hinzugefügt: „Ach du meine Güte, ich habe die Schaschlikspieße vergessen, hast du welche im Haus, Vio?“ Fröhlich lächelnd hatte Violetta verneint, aber eine praktisch denkende Frau wie sie war um eine Lösung natürlich nicht verlegen. Mit einem scharfen Messer hatte sie rasch ein paar biegsame und dennoch stabile Zweige von dem rosa blühenden Busch in ihrem Garten abgeschnitten und in ihrem Körbchen verstaut. Und dann waren sie losgeradelt, Jan, Hendrik, Violetta und Iris. Kilometerweit, ohne eine Menschen-seele zu treffen, bis sie diese zauberhafte Lichtung mitten im Wald und fernab aller Zivilisation entdeckt hatten. ...



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Bei den "Gedichten des Tages" gibt es nicht so viel wirklich Neues:

Frage an die Leser: Hätten Sie erwartet, diese "Flaschenpost" vonSebastian Deya zu erhalten? Gut. Dann erkennen sie auch sofortSlov ant Galis "Beetspuren" ...





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Sonntag, 20. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1885

Der kleine Schabernack von over-blog hat zugeschlagen und das Titelbild des angekündigten "Querfeldein ist nicht immer geradeaus" offenbar so lange angezeigt, bis sicher schien, es ist alles in Ordnung, um dann (???) OVER-BLOG dorthin zu schreiben. Beim Ausblick auf die morgigen "Gedichte des Tages" umgehen wir das Problem:

Nein, Sebastian Deya, eigentlich braucht kein Dichter-Ich sich rechtfertigen, dass es ist, wie es ist. Wer in eine falsche Welt gerät, schaut aber logischerweise häufiger in Spiegel, um sich weiter zu wundern, was er sieht.
Wir "sehen" einen Sebastian-Deya-Tag durchs Facebook-Fenster:



... Und die geschilderte prosaische Episode am Rande entzieht sich auch aller technischen Raffinessen, obwohl es eine Vorankündigung für "Der lebende See" sein soll:

Wer noch nie aufm Klo des BAIZ gewesen ist, der hat noch eine echte Bildungslücke. Das BAIZ Ecke Christinen- / Torstraße ist zumindest für moderne Linksalternative Pflicht – und umstritten … versteht sich … aber das gehört dazu.
Gestern nahm nun das Schicksal seinen Lauf, war weiblich und hat bis heute keinen Namen.
„Zeit der Kirschen“ ist eine Truppe, die sich eigentlich vorgenommen hat, monatlich eine besondere Veranstaltung auf die Bühne, also ins Hinterzimmer zu bringen (da ist die Bühne). Die Veranstaltung sollte Kirschen-Leute und Gäste vereinen und Literatur, Theater, Performance- und andere Künste als Ensemble. Im Idealfall alles unter das Dach eines Mottos passend. Gestern hieß das Motto „Identitäten“ und der im Wirrwarr basisdemokratischer Unverantwortlichkeiten mit der Organisation „Betraute“ (einfach: Einer muss es ja machen und wer sich nicht wegduckt, ist selber schuld) stand plötzlich vor dem Problem von grassierenden Krankheiten und Unpässlichkeiten der im BAIZ-Plan Aufgenommenen. Keine Sorge: Ein Programm kam trotzdem zustande und wenn es auch nicht gewohnt überfüllt war, so gab es doch Zuschauer und -hörer.
Irgendein Teufel hatte mich geritten, vom trainierten eigenen Gedichtprogramm abzuweichen, weil um die Mittagszeit der Probedruck von „Der lebende See“ eingetroffen war, und dieses Teufelchen hatte dann geflüstert, die Erzählung „Und welcher nun bin ich?“ passt doch zum Thema wie das Bier in die Kehle von Thekenstehern. Da noch Künstler zum Veranstaltungsbeginn fehlten, sollte ich a) meinen Auftritt teilen und b) den längeren zuerst anbieten. Teufel eben: So kam da Prosastück in die Polposition ohne die Zeitvorgabe einzuhalten. Außer dem Zeitproblem, dachte ich, wäre das Stück angekommen (fehlende Trainingsrunden waren … zu merken, aber nicht schlimm). Zehn Minuten noch für nach der Pause und einen Beitrag noch und Flucht wegen Gesunderhaltungsnotwendigkeit. (Lichtinstallation und so eine Art Scherenschnittheater waren nicht total mein Ding, brachten aber im Gesamtbild Wertungspluspunkte – ich saß gerade an ungünstiger Stelle für das Licht).
Das Schicksal packte mich noch vor den Klotüren, an denen man vorbei muss, also zwischen Weiblein und Männlein, mehr bei Weiblein, weil ich noch die Jacke überziehen musste.
Erster Eindruck, typisch sexistisch: Sympathische junge Dame. Wollte mich sprechen. Und dann folgte der Verriss der Zeitreisegeschichte. Sexistische Klischees bedienend, dass es ihr weh getan habe. Das Schlimme: Im Prinzip musste ich ihr ja Recht geben: Der handelnde „Held“ ein Mann. Die zwei Frauengestalten Opfer bzw. Erduldende, noch dazu zum Klotz am Bein des Helden mutierend. Musste denn unbedingt … Also in einer linksalternativen … müsse man Anderes erwarten können. Mein Argument, dass die missbrauchende Gewalt ja „Nebeneffekt“ eines geplanten Normverstoßes sei, zog nicht. Das hätte ich als Autor ja auch anders bauen können. Ein gleichgeschlechtliches Paar von Frauen, die eine eben künstlich befruchtet, hätte es doch auch getan. Also so unmittelbar vorm Eingang des Damenklos und Leute kamen vorbei und ich hätte schon längst kurz vor Hellersdorf sein sollen, kam mir das auch richtig vor. Ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen, den Vormarsch der Emanzipation künstlerisch behindert zu haben und vielleicht war das mit der Druckfreigabe noch rückgängig zu machen … Dann fiel mir noch die Geschichte mit den Liebesflöhen ein, die den Sexualtrieb der Frauen so sehr potenzierte, dass die Menschheit daran zugrunde geht … also wenn die Kritikerin das hören würde. Gut aber da wurde ja wenigstens mit Geschlechterrollen gespielt und ich böser Autor hatte in meiner Zeitreise gar nicht daran gedacht …
Irgendwann kam ich dann doch davon. Verdammt, ich hatte alles versäumt, um mir meine emanzipative Kritikerin für künftige Lesungen dabei zu haben. Und in den Stunden vor dem Einschlafen bis jetzt wurde mir bewusst: Die Frau, das Mädchen, die Angenehme (Sexistisch positiv Gedachtes könnte folgen) hat; indem sie Recht hat, Recht: Vielleicht hatte ich zu wenig Schmunzeln in den Vortrag gelegt. Erst die Benutzung der Typisierungen macht gerade die Pointe der Geschichte aus. Und dafür, dass die Zuhörerin die Geschichte nicht weiterdenken will und sich eine passende emanzipierte Antwort gibt auf das Ansinnen der drei Herren, die eigentlich ein, also ihr „Mann“ sind, gemeinsam mit ihr zusammen zu leben, dafür kann ich ja nix. Also wenn der Handlung nicht logisch eine nicht zu erzählende Geschichte folgt, in der eine junge Lydia Chefin für drei Herren wird, … dann bin ich wirklich nur Macho. (Was ich ja nun wirklich nicht bin.)

PS: Meine Kritikerin hatte sich als Einzige an der Rollenzuschreibung gestört. Als sie es den Anderen erklärte, stellten die fest: „Ja, stimmt. Du hast Recht.“ Das sollte uns zu denken geben.






Samstag, 19. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1884

.Weiter mit dem Vorabdruck von Leseproben aus


Thomas Staufenbiel:  Affront

(4)
Der Wagen, der Wagen ...“ Mehr brachte sie nicht heraus. Ich versuchte sie zu beruhigen, schaute, ob ihr selbst etwas zugestoßen war, doch glücklicherweise war alles in Ordnung. Als sie wieder etwas zu sich gekommen war, schleppten wir den Wagen zu einer Werkstatt in der Kreisstadt. Ich wollte sie nach Hause bringen, fragte nach ihrem Wohnort und es ergab sich, dass jener derselbe war, den ich für meine freien Tage auserkoren hatte. So fuhren wir also gemeinsam, doch als ich sie an ihrem Haus absetzen wollte, bat sie mich um einen Gefallen. Sie wolle nicht so verheult ihrem Mann gegenübertreten, sondern sich vorher etwas frisch machen. Ob es in Ordnung ginge, wenn sie dies in meinem Hotelbadezimmer täte. Ich bin kein Unmensch und gestattete ihr den Zutritt.

Leider ahnte ich nicht, dass sie sich darin verbarrikadieren würde.

Mein Mann verzeiht mir nie, dass ich sein Auto zu Schrott gefahren habe. Er liebt es so abgöttisch. Was soll er denn nun samstags putzen? Oh Gott, oh Gott!“, tönte es eines ums andere Mal schluchzend hinter der Tür. Es dauerte bestimmt eine halbe Stunde, bis sich Regina wieder aus dem Badezimmer hervorwagte. Ohne die vom Weinen verschmierte Wimperntusche um die Augen sah sie noch viel reizvoller aus. Allerdings war sie immer noch sehr blass und schluchzte hin und wieder herzerweichend. Schutzsuchend blickte sie mich aus großen Augen an. ...

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Besonders wenig Dauerhaftes bieten diesmal wohl die "Gedichte des Tages" als Test:

Zwischendurch Experimente mit Gedanken ... etwas, was manche zur "modernen Lyrik" rechnen:





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Freitag, 18. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1883

.Eine Warnung zum Wiedererkennen:
.Verlage haben Vorteile: Sie kennen Texte, bevor sie die normale Leserschaft kennt, und sie besitzen die Macht zu entscheiden, ob diese Leserschaft die Texte jemals wird kennen lernen können. Ein wenig können die Leser dieses Journals an jenem Vorzug teilhaben. In den folgenden Tagen gibt es Appetithappen zum bald erscheinenden Gemeinschaftswerk von Gunda Jaron und Thomas Staufenbiel "Querfeldein ist nicht immer geradeaus". Es vereint Texte unterschiedlicher Art. Wir konzentrieren uns hier auf Kurzprosa. Und wir sind gemein: Die meisten Texte haben eine unerwartete Wendung am Ende - eine Pointe. Und es muss doch nicht Verpflichtung eines "Appetithäppchens" sein, die zu verraten, oder?! Na, eventuell ausnahmsweise ,,,?



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Thomas Staufenbiel:  Affront

(3)
Ein wenig belustigt mich die Szene, es ist wie in alten Zeiten. Auch ich habe einmal auf dem Dorf gelebt und weiß, wie schnell sich Gerüchte verbreiten und wie geschickt der eine oder andere Alteingesessene seine Meinungen in Umlauf zu bringen versteht.
Hm, denke ich, kratze mich am Kinn und merke plötzlich wieder, dass ich mich heute Morgen noch nicht rasiert habe. Auch meine Haare stehen strubblig zu Berge. Es gibt Wichtigeres. Ich lege einige Dinge in den Einkaufswagen, mehr als ich allein benötige, und gehe zur Kasse. Dabei streife ich im Vorübergehen die Schar der aufgebrachten Hennen. Ihre Gespräche verstummen abrupt. Ich habe ihre intime Runde durch meine Anwesenheit gestört. Misstrauische, gar feindliche Blicke treffen mich und für einen Moment versetze ich mich hinter die Stirn der alten Makkusch. Ich bin fest davon überzeugt, sie denkt, ich habe etwas mit der ganzen Sache zu tun. Noch im Hinausgehen vernehme ich erneut ihr Gezeter, verstehe allerdings nur noch einzelne Brocken. Es ist mir, als würde das Wort „Fremder“ fallen. Ich werfe den Blick zurück zum Schaufenster des kleinen Ladens und bemerke, wie mich die selbsternannten Kriminologinnen mit ihren Blicken zu durchbohren suchen. Es wird Zeit, mir etwas einfallen zu lassen.

Ach ja, das könnte Sie vielleicht auch noch interessieren. Ich vergaß zu berichten, was geschah, als ich gestern hier ankam:
Es begann bereits zu dunkeln, nur wenige Kilometer trennten mich noch von meinem Bestimmungsort. Die letzte Kreisstadt vor dem Ziel hatte ich gerade hinter mir gelassen, da sah ich seitlich vor mir ein Auto. Es musste von der Straße abgekommen und in den Straßengraben gerutscht sein. Ich hielt an und stieg aus, um nachzusehen. Die Fahrertür stand offen, das Fahrzeug allerdings war leer. In einiger Entfernung nahm ich eine junge Frau wahr. Sie war völlig aufgelöst und weinte bitterlich. Trotzdem konnte ich erkennen, dass sie bildhübsch war. 


***

.   Habt ihr gedacht, die Staat gewordene Unmenschlichkeit lässt sich ganz unbemerkt aus den Schlagzeilen wieder tilgen? Vielleicht habt ihr Recht: Frontex sagt "Jeder ist sich selbst der nächste" und "die Jacke ist uns näher als die Hose". Ja und es sind ja auch NUR ein paar nicht konformistische Jugendliche und Künstler eben, die nicht Ruhe geben wollen. Aber zum Glück gibt es die noch, die, wie Thomas Reich, "Das Flüchtlingsboot Ophelia" das dumme Mahnen nicht lassen können.
Ich bin da nicht so aktuell und erinnere daran, dass man manchmal mitgemacht haben sollte, worüber man ein Urteil spricht:


Slov ant Gali: Absurd erscheinender Vergleich – nur für DDR-Bürger verständlich ...

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1882

Weiter mit dem Vorabdruck von Leseproben aus




Thomas Staufenbiel:  Affront

(2)

... „Ja“, zetert jetzt Makkusch, „sie sitzt da oben, ihr hört es doch. Es würde mich nicht wundern, wenn sie sich die Augen ausheult, was sie für ein Pech hatte. Also, ich hätte den Krause ja auch nicht geschenkt nehmen mögen, trotz seiner siebzig Kühe und des riesigen Anwesens. Alleine schon der Gedanke, mit seiner Mutter unter einem Dach leben zu müssen, die Alte gibt den Löffel doch aus reiner Bosheit nicht ab, und dann so ein junges Mädel wie die Regina. Eine aus der Stadt, das konnte ja nicht gut gehen. Bestimmt hat sie ihn betrogen und jetzt hat er sie ...“
Draußen fängt es an zu regnen.
Nun hör doch aber auf“, fordert Hannelore. „Du kannst nichts beweisen.“
Ihr wollt es einfach nicht sehen, seid schon zu wirr im Kopf“, erklärt die Makkusch „Elvira, gib mir doch mal ein Pfund Butter rüber, dann brauch ich nicht aufzustehen.“ Elvira tut, wie ihr befohlen, heute lohnt es nicht, sich mit der Makkusch anzulegen.
Man muss der Sache erst einmal auf den Grund gehen“, philosophiert die lila Betonfrisur wieder. „Du hast doch nur gesehen, wie sie losgefahren ist.“
Aber“, donnert Makkusch glasklar und unmissverständlich, nicht ohne den Zeigefinger in Anschlag zu bringen, „sie - ist - nicht - wiedergekommen.“
Das kann so vieles bedeuten“, erwidert Hannelore kleinlaut.
Was glaubst denn du? Meinst du, sie hat den alten Zausel stehenlassen und er lässt sich das einfach gefallen?“ Mak-kusch denkt einen Moment nach. „Möglich wäre es, sie sah immer so mager aus.“
Mager? Also ich finde, sie hatte eine tolle Figur“, wirft die Betonfrisur jetzt ein und streicht sich über die eigenen ein wenig fülligen, aber - ihrer Meinung nach - keineswegs zu fett geratenen Hüften. „Bist wohl neidisch, Makkusch?“
Pahhh!“ Mit einer abwertenden Handbewegung wischt die Makkusch diesen Einwand vom Tisch.
Was hat das denn mit Reginas Verschwinden zu tun?“, will Hannelore wissen.
Alles und nichts.“ Die Makkusch mag es gar nicht, wenn man an ihr zweifelt, und so kommt sie noch einmal auf ihre These zurück. „Wer weiß, vielleicht ist sie unterwegs verhungert oder er hat ihr Gift ins Essen gepanscht.“ Bedeutungsschwanger tupft sie sich den Schweiß von der Stirn. „Ich sage es euch ja: Mord!“
Ich sehe wieder Margret Rutherford vor mir in einer der Szenen, bei denen ich immer dachte, gleicht kippt sie aus den Latschen, nein Glück gehabt, sie hat nur Luft geholt. ..




***

und die nächste Ausgabe der "Gedichte des Tages" stellt folgende Gedichte vor:


Und wieder eine Veröffentlichung eines hier erschienenen Textes:

Gunda Jaron:  Orakel


ist in "Querfeldein ist nicht immer geradeaus" enthalten.



Dagegen ist mein Gedicht noch in der ersten Testphase:

Slov ant Gali: Die Lösung vieler Jugendprobleme

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