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Mittwoch, 6. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1672

Der Mecklenburger sagt "Wat dem eeen sin Uhl ist dem annern sin Nachtigall". So ist das natürlich auch mit dem gestern dichtend gefeierten Frühling. Es gibt so Dinge, die können einem - wie das Gunda Jaron erfahren durfte - die schönsten "Frühlingsgefühle ..." verderben, ja es kann einem ein richtiges "Frühlingsgrauen ..." ankommen. Sollte uns das am freudigen Vergnügen hindern? Doch wohl nicht. Freuen wir uns am Gang der Dinge. Tun wirs nicht, kommt der Frühling trotzdem ... also "Voran zur Natur" ...


Und nach dem Schmunzeln kommt die Prosa:


Keine Leiche (3 + Schluss)


Du kommst doch mit?“
Kriana betrachtete ihn offenbar sehr skeptisch.
„Also zu den Dinos will ich nicht. Du wolltest ja auch nicht hinter deinem Vater her.“
„Wenn du dann bei mir bleibst, kannst du auch die Zeit bestimmen. Aber nicht, wo es so viele Menschen gibt! ... Mir fällt übrigens was ein: Wir wissen ja nicht, wie viele parallele Welten es jetzt schon gibt. Das ist ja eine Dimension, die hoffentlich auch unendlich ist. Mir ist die Vorstellung unheimlich. Auf den Erden laufen also alle Ereignisse in verschiedenen Versionen ab. Vielleicht sind wir selbst nur eine der vielen Versionen und die sich ursprünglich entwickelnde Erde gibt es schon gar nicht mehr – so ähnlich wie wir Sterne sehen, die es längst nicht mehr gibt. Am liebsten würde ich das ganze Institut vernichten. Also nach uns.“
„Wir erzählen Pit, in die Energiezone passen höchstens zwei Menschen. Wenn er uns abgeschickt hat, kann er uns bei identischer Einstellung folgen. Er muss sich nur beeilen.“

***

… Für die beiden habe ich den Startknopf gedrückt. Dann wäre ich selbst dran gewesen, ihnen zu folgen. Ich habe mich nicht getraut. Bitte sprengen Sie das Institut! Dann verschwinden keine Menschen mehr. Also keine Menschen, von denen es keine Leichen gibt. Ich will jetzt nach Hause. Meine Mutter hat mir erlaubt, zwei Stunden am Computer Worldbuilding zu spielen. Pro Tag und nach den Hausaufgaben und vor 20 Uhr. Und ich habe noch nicht angefangen. Das ist die Wahrheit. Mehr weiß ich nicht. Kriana und Betto … Sie können ja die Einstellung am Verschicker ansehen. Ich verrate Ihnen auch, wie Betto das Sicherheitssystem überlistet hat.
(Wenn ihr das nachprüft, löst ihr den Countdown zur Selbstzerstörung aus. Strafe muss sein. Man verhaftet schließlich keine Kinder, nur weil sie ihren Freunden zuliebe an verbotenen Orten sind. Ätsch. Betto hatte es drauf. Hätte ihm doch folgen sollen ...


Dienstag, 5. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1671

Also wenn das da draußen kein (zumindest gut simuliertes) Frühlingswetter ist ... Das sollte uns doch Grund genug sein, mit Hanna Fleiss das "Frühlingserwachen" zu feiern und was Erfrischendes über den "Frühling" zu dichten ...


Na, und weil jeder Frühling etwas Utopisches an sich hat, das dann in Erfüllung geht, folgt gleich die Kurzgeschichte:


Keine Leiche (2)


... „Betto, aber vielleicht sind alle einfach tot?“
„Das ist ja gerade das Gute: Das wird niemals jemand erfahren. Wer sich entschieden hat, ist weg und es kommt keine Nachricht in unsere Zeit zurück.“
„Betto, ich hab dich lieb!“
„Ich dich auch, Kriana!“
Einen Moment lang standen sie da wie ein frühreifes Liebespaar, wobei Betto die Zuwendung der Freundin genoss, Plötzlich hellte sich das Gedicht des Mädchens auf.
„Betto, ... ich habe eine bessere Idee.“
„Ich weiß, Kriana, du hast ja immer bessere Ideen.“
„Betto, warum machen wir beide das nicht umgekehrt? Also wir lassen uns in eine neue Parallelwelt für uns schicken? Wir müssen nur jemanden finden, der die Energiezone aktiviert.“
„Wenn der uns aber folgen will?“
„Dein Vater hat doch aber gesagt, dass das gefährlich ist. Er hat zwar die identische Einstellung, aber es ist zwischendurch etwas Zeit vergangen. Je weiter es in die Vergangenheit zurück geht, umso mehr wirkt sich das aus. Mathematisch werden doch auf 1000 Jahre mehr als Tage aus der Minute. Und bis der Nächste den Neueinstieg in die Energiezone schafft, ist mehr als eine Minute vergangen …“
„So genau habe ich das doch auch nicht verstanden. Ich weiß nur, dass in dieser Energiezone die Matrix der Teilchen in eine so überschnelle Bewegung versetzt wird, dass das, was vorher in der Zone war, in die Vergangenheit zurück fliegt. Je nach eingestellter Intensität unterschiedlich weit. Das muss ganz seltsam sein, weil man ja an einer Stelle wieder materialisiert wird, von der man vorher nichts weiß. Also es kann auch Unfälle geben, dass man mitten in einer Wand auftauchte. Dann ist man natürlich tot. Mein Vater wollte ja nur 20 Jahre zurück. Er meinte, das hätte klappen können. Mit jeder solchen Reise in die Vergangenheit entsteht eine neue parallele Wirklichkeit. Also wir übernehmen dabei unsere Existenz in diese reale Welt. Alles ist genauso, wie es in der Welt, deren Geschichte wir kennen, damals war. Nur eben ab dann mit uns. Wir werden also zu dem Zeitpunkt, an dem wir geboren wurden, nicht geboren, weil wir in der anderen Parallelwelt, in der wir geboren worden sind, schon geboren worden sind. Wir sind ja eben da. Vielleicht werden wir aber doch geboren, weil wir ja nicht wir selbst sondern andere sind. Ich möchte mir auch gar nicht begegnen. Ich möchte lieber in einer Zeit ankommen, in der ich die ganze Entwicklung der Menschen verändern kann. Da gibt es ja genug zu verbessern. Wir nehmen mit, was uns das Leben erleichtern kann, Waffen und so. So wie dieser berühmte Robinson. Das deponieren wir schon vorher in der Energiezone. Du kommst doch mit?“
Kriana betrachtete ihn offenbar sehr skeptisch.
„Also zu den Dinos will ich nicht. Du wolltest ja auch nicht hinter deinem Vater her.“
...



Montag, 4. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1670

Heute geht alles den am häufigsten benutzten Weg. Begonnen wird mit den morgigen "Gedichten des Tages" - wenn auch mit der Überraschung, dass es nach langer Pause wieder ein Hanna-Fleiss-Gedicht gibt - dann folgt Prosa, allerdings nicht die begonnene Romanidee, sondern eine Idee, die für die Sammlung von SF-Kurzgeschichten "kandidiert":


Normalerweise ist die einfachste Form der Einreichung von Tagesgedicht-Kandidaten, sie als "Kommentar" irgendwo anzuhängen. Allerdings hat Over-blog den Service eingestellt, extra über neue Kommis zu informieren. Man muss also das spezielle Moderatorenfach extra aufrufen. So habe ich etwas verspätet entdeckt, dass sie Hanna Fleiss wieder gemeldet hat. Und wie!!! Ob sie dem durch den Titel "Lieber Herr Shakespeare" selbst gewählten Anspruch gerecht wird, kann jeder selbst entscheiden. Ich sehe schon das Schmunzeln im Gesicht des Herrn Brecht, der seine Freude nicht nur an der dialektischen Logik des Sonetts gehabt hätte ...
Wäre ich Hutträger könnte ich selbigen einfach vor Hannas Beitrag ziehen, so erlaube ich mir einfach einen "lyrischen" Vorgriff auf den Frauentag. Was hier "aquarianerlatein" heißt, geht auf ein tatsächliches Brutverhalten einiger Fischarten zurück ...


Keine Leiche (1)

„Was hätte ich denn tun sollen? Er war doch mein Vater! Und nun ist er weg und ich müsste bei ihm sein und bin hier.“
Der zwölfjährige Betto hatte endlich einen Blick von der Bildwand gelöst. Eine lange Rede hatte sich über Kriana, seine gleichaltrige Klassenkameradin und Freundin ergossen.
„Du hättest ihn hindern müssen. Er war doch dein Vater.“
Damit bestärkte sie entweder ungewollt seine Zweifel oder sie wollte nur seinen Widerspruch gegen eben diesen Zweifel herausfordern.
„Warum verstehst du mich denn nicht. Er wollte mich mitnehmen und ich wollte eigentlich mit. Aber dann … In 50 Jahren ist er gestorben und ich bin allein. Bis ich auch sterbe.“
„Warum …“
„Hätte ich dich mitnehmen können, dann ja. Stell dir vor: Wir suchen uns eine Höhle, auf der wir den Meteoriteneinschlag überstehen. Wir bringen ein paar Dinobabys in Sicherheit, die halten wir uns als Haustiere. Wir haben Kinder zusammen, die genau so sind, wie wir sie wollen, weil sie kein anderer ärgern kann. Wir machen die Evolution neu. Eine ganz andere Erde. Das wär doch was gewesen, oder?“
„Betto, wollen wir nicht besser unter Menschen …“
„Kriana, nein! Unter Menschen will ich nicht. Nicht heute und die Barbaren von früher schon gar nicht. Du bist eine Ausnahme.“
Die beiden hatten längst die Wohnung verlassen und näherten sich inzwischen dem Eingang der nächsten Polizeistation.
„Betto, meinst du wirklich, das ist eine gute Idee? Die werden dich auslachen.“
Doch der Junge war schon durch die Tür. Er versuchte, sich groß zu machen und sagte mit einer Stimme, die er für besonders männlich hielt: „Zur Mordkommission. Ich muss eine Aussage in der Angelegenheit der verschwundenen Studenten der physikalischen Fakultät machen.“
Nach einer halben Stunde stand die beiden Kinder wieder draußen.
„Siehste! Ich hatte dich gewarnt. Keiner glaubt dir.“
„Kriana, Menschen sind doof. Wenn ich sage, gehen wir zum Fernsehen, sagst du dasselbe wie eben. Und du wirst Recht haben. Nein, ich bin auch doof. Ich hätte auf dich hören sollen. Aber ich habe längst einen besseren Einfall. An dem kann mich niemand hindern: Ich veröffentliche den Fall im Internet. Früher oder später stößt dann jemand drauf, der mir glaubt oder wenigstens ausprobieren will, was dran ist. Und er wird alles bestätigt finden. Und verschwinden. Und immer mehr werden forschen, warum wer verschwunden ist. Und auch verschwinden. Wer will nicht in irgendeine Vergangenheit reisen? Mal sehen, wie es damals wirklich ausgesehen hat? Und dann wird das Institut von Galvavico das große Geschäft wittern. Und allen, die wir nicht mögen, werden wir den Tipp geben und sie werden verschwinden. Auf dieser Erde werden bald immer weniger Menschen leben. Vielleicht leben wir bald fast alleine hier. Dann können wir uns küssen, wann und wo wir wollen.“
„Betto, aber vielleicht sind alle einfach tot?“
„Das ist ja gerade das Gute: Das wird niemals jemand erfahren. Wer sich entschieden hat, ist weg und es kommt keine Nachricht in unsere Zeit zurück.“
„Betto, ich hab dich lieb!“ ...




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