Samstag, 22. Juni 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1773

Soweit es die "Prosa" betrifft, wurden hier ja schon die unterschiedlichsten Texte vorgestellt. Da gab es Romanmanuskripte und Erzählungen unterschiedlicher Länge - meist als Fortsetzungshappen - und natürlich Buchvorstellungen, sprich Rezensionen. Bisher schwach vertreten waren bisher eher essayistisch gehaltene "Abhandlungen". Aber möglich sind sie natürlich auch - und da sich einiges um Science Fiktion dreht, ist natürlich auf deren Grundfrage einzugehen (vgl. "Außerirdisches")

Gibt es außerirdisches intelligentes Leben? (1)

Auf den ersten Blick scheint diese Frage wenig praktische Bedeutung für das Leben auf der Erde zu haben - wenn man einmal von den Autoren der SF-Literatur und ihren Lesern absieht. Auf den zweiten allerdings schon. Dann geht es nämlich darum, WIE man zu einer Antwort kommt.
 Man kann z.B. einfach sagen, ja, ich glaube, außerirdisches Leben gibt es und da wird dann wohl auch intelligentes darunter sein. Dann ist das sozusagen pseudowissenschaftliche Spekulation. Man kann die dann noch untermauern durch in den letzten Jahren entdeckte erste Planeten. Es bleibt Spekulation.
Man kann das sogar mathematisch untermauern: Geht man davon aus, dass das All unendlich ist, gibt es darin auch unendlich viele Formen - warum ausgerechnet auf der Erde welche, die es allein dort geben sollte?
Ich versuche es anders. Ich versuche es mit zwei philosophischen Grundaussagen:
Die Welt ist unendlich in Zeit und Raum und die Entwicklung in der Welt ist bestimmten Gesetzen unterworfen, die überall unter gleichen Voraussetzungen auch gleich wirken. Man kann also unter Nutzung des Inhalts und der Methodik des „dialektischen und historischen Materialismus“ (vereinfachend „Marxismus“ genannt) Science Fiktion machen.
Diese weltanschaulichen Grundaussagen führen notwendig in logischer Konsequenz zu einem klaren Ja auf die Ausgangsfrage. Sie lassen sogar Annahmen zu, wie es um die Aliens bestellt ist bzw. wie es sehr wahrscheinlich nicht um sie bestellt ist.
Alles ist natürlich ein Problem unseres Denkhorizonts. Der Eifer der Wissenschaft lag und noch stark auf den Prozessen, die mit dem Big Bang zusammenhängen, jenem für uns einzigartigen Urknall. Man muss aber schon sehr versponnen sein, ihn wirklich als so einzigartig aufzufassen. Wer keinen Gott erfindet, dem eben eine Eingebung kommt, eine Laune, „Es werde ...“ und es wurde …, der kommt nicht an der Überlegung vorbei, dass auch vor dem Urknall „etwas“ da gewesen sein muss – selbst wenn das „ein Nichts“ gewesen wäre." Ein Nichts" in diesem Sinne, billigen uns auch Physiker zu, ist etwas Anderes als „nichts“. Da dieses Nichts nicht eng begrenzt sein kann, muss es unendlich gewesen und immer noch sein. Es gibt keinen Grund, dass es innerhalb einer Unendlichkeit nur eine Stelle gibt, an der aus diesem „Nichts“ ein materiell fassbares Etwas geworden ist, wird und werden wird. In dieser Rechnung sind Millionen Jahre eine zeitlich „kleine“ Einheit. Akzeptiert man die „Unendlichkeit“, muss man auch akzeptieren, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es in ihr irgendetwas nur genau einmal gibt, extrem (!) gering ist.
Was macht denn überhaupt erst Wissenschaft möglich? Man hat noch nicht erlebt, dass wenn ein Mensch in einem Moment einen Stein losgelassen hätte, er zu Boden gefallen, beim nächsten Mal in der Luft geblieben wäre. Inzwischen weiß man schon viel über die Gravitation, die daran „Schuld“ hat (wenn auch noch längst nicht alles). Inzwischen ist man insgesamt schon viel in die Geheimnisse der Natur eingedrungen. So ist man inzwischen relativ sicher, dass es nicht DAS kleinste Teilchen gibt, sondern dass man im Mikrobereich auf dialektische Beziehungen stößt, also auf Teilchen, Energie und Erscheinungen, die nur in / durch  gegenseitige(n) Wechselbeziehungen existieren. Worauf man nicht gestoßen ist: Dass unter gleichen Bedingungen etwas Anderes passiert ist. Fälle, bei denen man dies annahm, lösten sich nachher auf: Die Rahmenbedingungen erwiesen sich doch als unterschiedlich.
Nun mögen die gesetzmäßigen Zusammenhänge unter neuen Bedingungen andere sein, nun mögen diese auch noch nicht erkannt sein – bisher ist niemandem der Beweis gelungen, dass es keine gibt....

So. Schweiß abgewischt als Pausensport und Wechsel zur Lyrik:

Eines hat Sebastian Deya mit seinem Gedicht "Wir gewinnt" bereits erreicht: Er lässt mich wegen der Werbe-Deppen der SPD grinsen. Aber er wollte uns doch wohl eher in eine Spielhölle namens Leben führen. Egal ... Suchen wir einfach seine versteckten poetischen Brillianten ...
Bei meinem "Ein Rätselgedicht:Welche Reime stimmen nicht?" ist dagegen zumindest eines sicher: Man sollte es nicht zu genau nehmen ...

Freitag, 21. Juni 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1772

.Irgendwer hat - glaube ich - einmal gesagt, dass ein Journalist derjenige sei, der aus einem Text genau den einen Satz herausfände, auf den es dem Autor ankäme - und zur Veröffentlichung streicht er den. Das kann ich dem "Neuen Deutschland" nicht vorwerfen. Die "Leseprobe", mit der die "Gemeinschaft der Glückssüchtigen" in der Zeitung vorgestellt wurde, ist gut gekürzt. Zwar ist sie zu kurz, aber nicht sinnentstellend:

Hier schreibe ich – ich kann nicht anders. … Ich möchte einladen zum Be-Denken von Alternativen im Zusammenleben der Menschen. Schluss mit dem Glauben, es gäbe keine. Ihr müsst mir ja nicht folgen. … aber lest! Gerade ihr, die ihr meint, einer, der in der DDR aufgewachsen ist, der muss entweder den „Kommunismus“ restlos satt haben oder ein unbelehrbarer Sturkopf sein. … Ich wünsche mir die freieste, individuellste, menschlichste Gemeinschaft, die sich Menschen zum Zusammenleben gestalten können. Es graust mich davor, was passieren wird, wenn wir nicht rechtzeitig anfangen, sie zu schaffen: Wahrscheinlich vernichten wir unsere Existenz. Da muss man doch etwas tun …
Nein, Herr Bundespräsident, ich kann mir „glückssüchtig“ nicht als Schimpfwort vorstellen. So wenig, wie ich mir wünsche, von meinen Kinder erfahren zu müssen, sie sind bei XY „im Kampf“ für … gefallen oder sie haben keinen „Job“ und damit kein Auskommen, ihr Leben zu fristen, überhaupt, sie seien „unglücklich“, so wenig wünsche ich das irgendeinem anderen Erdenbürger. Ich finde es richtig danach zu suchen, wie am besten gesichert werden kann, dass jeder sich als nützlich empfinden, das Gefühl haben kann, gebraucht zu werden, dass er rundum zufrieden ist, glücklich eben. ...

Fangen wir an! Suchen wir die Stelle, von der aus wir nicht nur die vorhandene Welt in Frage stellen, sondern über ihren Tellerrand hinaus denken. Wer sich beschwert, meine „Philosophie“ reiche nur für einen Stammtisch, … dem sage ich, setz´ dich doch dazu! Philosophiert mit mir gemeinsam. Nur weil ich Wasser trinke, braucht ihr euch ja das Bier nicht zu verkneifen. Also Prost! Denken wir uns die Welt neu! Und dann machen wir sie uns so … ...


Lassen wir einen entspannten Blick auf die "Gedichte des Tages" Nummer 2001 folgen. Die sind nämlich so kurz ... kürzer geht es kaum:

Diesmal wird es einfach etwas verrückt, utopisch ... wie immer man das nennen will:
Slov ant Gali: "Reise 1"
                              "Reise 2".:



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Donnerstag, 20. Juni 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1771


Anna Roth: Die Stunde vor dem Suizid (9 = Schluss):

"Das in deinem Kopf hat IHM zu viel Stress gemacht. Weißt du, vielleicht ist noch kein neue Kunde für mich da. Setzt du dich dann zu mir?" ...
Maja hatte sich zugeslipt, den Blusenknopf geschlossen, den Rock um die Hüften geschlagen und mit einem kurzen Blick in den Spiegel ihre Frisur akzeptiert. Dabei hatte sie den Mann im Hintergrund begutachtet, wie er abwartend nackt auf der Bettkante saß, als käme noch etwas.
"Und wenn ich morgen noch einmal auftauche? Vielleicht findet das von heuteein gutes Ende."
Maja machte einen Schritt rückwärts aus der geöffneten Tür. "Das würde mich freuen. Ich bin da."
Wie um den beiden einen Moment gemeinsamer Ruhe zu gönnen, ging Daisy mit ihrem Kunden aufs Zimmer.
Ben spielte mit seinem Daumen.Maja stellte ihm Cola auf den Tisch. Er murmelte abwartend: "Und du machst solche Massagen oft?"
Maja sah ihn offen an: "Solche??? Nein. Ich lass mir von keinem Kerl in den Schritt fassen. Eigentlich mal an den Hinter, wenn er nicht gefragt hat."
Ben lächelte.Maja hatte wirklich "in den Schritt fassen" gesagt.
"Du bist was Anderes. Dieter zum Beispiel ist zwar ein Stammkunde, er bringt mir jedes Mal Geschenke mit,  ... aber ich treib doch keine Mumienschändung."
Sie unterhielten sich lange, bis eine der Massageraumzimmertüren aufging.
"Komm, ich bring dich raus."
In der Tür hauchte Maja Ben einen kurzen Schmatz unters Ohr, wie er ihn vor Jahren von seiner Tochter bekommen hatte und eine Geliebte ihm etwas anders gegeben hätte. Draußen war es noch immer drückend heiß. Für einen Moment blieb Benjamin wie schockgefroren in der Sonne stehen. Was hatte er eigentlich hier gewollt?

.***

Bei den "Gedichten des Tages" gibt es morgen etwas zu feiern:

Wäre diese Ausgabe der "Gedichte des Tages" heute eine normale, sähe sie so aus, dass ich mein Testgedicht "Reise 3" mit Meas Wolfstatzes "Was ist Freundschaft?" in einen "Topf" gesteckt hätte. Mal was Verrücktes, mal was Einfaches. Ausloten, was alles möglich ist.
Es ist aber die Nummer 2000.
Dies sollte Anlass zum Blätter sein. So ein Blog versammelt die unterschiedlichsten poetischen Schätze. Einige heauszugreifen als Beispiele für alle wäre eine Abwertung für den Rest. Dabei ist von allem etwas dabei. Die besondere Perfektion in manchen Werken von Hanna Fleiss, das vulkanische Gären in den Versen eines Sebastian Deya, die Individualität einer Ursula Gressmann, Humorfarben a la Gunda Jaron oder Wolfgang Reuter, Inspiratives von Petra Namyslo oder sorgsam Erarbeitetes von Brunhild Hauschild ... schon habe ich doch angefangen, ungerecht zu sein - zu den damit nicht Erwähnten sowieso, aber auch im Versuch, bei den Erwähnten ein Schild draufzukleben.
Vielleicht ist sogar wichtig, wenn ein Leser ausruft, DAS hat mir nicht gefallen. Nicht deshalb, weil es wirklich schlecht gemacht wäre, sondern weil Lyrik eben als Erstes tief individuell und persönlich ist - sogar dann, wenn das Gedicht "Der Mensch ist ..." sagt, sagt es ja "nur", dass "ich Dichter" finde, dass ...
Nicht zuletzt aber sind Gedichte in die Welt gesetzte Kinder, die ein eigenes Leben führen - wir sollten uns den Spaß nicht nehmen lassen, welche zu "machen" und uns daran erfreuen, was aus ihnen wird mit der Zeit ...

...



...

Mittwoch, 19. Juni 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1770


Anna Roth: Die Stunde vor dem Suizid (8):


... Für einen Augenblick erstarrte der Traumfilm. Ja. am Außenpfad, den linken Hügel hinauf, prankte wirklich eine taubeneigroße fast zugenarbte Wunde.
Ben schwieg mit Mund und Fingerspitzen, doch Maja überbrückte den Misston mit dem Griff zur Babyölflasche. Sie spritzte ein paar Tropfen auf Bens nicht mehr umhäuteten Mannspunkt.
"Du bekommst das in den Griff mit Max. Ich drück dir die Daumen. Obwohl ... Du bist viel zu schade für ihn ..."
...und für mich solltest du dir nicht zu schade sein. Nein. Das sagte er nicht, aber er hoffte, dass sein wortloses Signal vom Kopf duch die Lenden über ihre Finger zu ihrem Gehirn dringen möge. Doch wieder war seine Stimme aus seinen Lenden nur noch ein kaum merkliches Flüstern.
Zögernd wanderte Majas fragender Blick von der halb welken Pflanze in ihrer Hand über Bens Gesicht zur Tür und wieder zurück. Erneut klang ein Weckeralarmton durch die Massagewohnung.
"Meint das uns?" fragte Ben.
Maja senkte den Kopf. "Du, wir sind schon über der Zeit. Die werden unruhig draußen. Zeit heißt Geld."
Als sie ihre Hand zurückzog, löste sich der letzte Blutstaurest auf. Resignierend folgten Bens Augen dieser Veränderung an seinem Körper.
"Das in deinem Kopf hat IHM zu viel Stress gemacht. Weißt du, vielleicht ist noch kein neue Kunde für mich da. Setzt du dich dann zu mir?" ...


***

Wie war das? Sei tierisch, bevor es zu spät ist?!
Kann auch anders gewesen sein. Auf jeden Fall probiere ich mal wieder was kleines Unernstes: "Nacktschneckliche Weisheit".
Ja, wir haben wieder oder immer noch etwas von Meas Wolfstatze. Diesmal heißt das Gedicht "Splitter" und ich bin sicher, dass wir nichts voneinander wussten, als mir seinerzeit die Idee zu ".Slov ant gali: das spiegellied ." gekommen war ... Die Ähnlichkeit der Bilder ist doch beeindruckend, oder?!

Montag, 17. Juni 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1769

Die Prosa ist mit einer gewissen Logik den Ereignissen der Tage ferner als die Gedichte:

Anna Roth: Die Stunde vor dem Suizid (7):


Nein. Pause vor dem letzten Akt.

"Warum siehst du mich so traurig an? Immer noch ...?"
Ben tauchte seine Finger in den feuchtesten Ton, prüfend, ob er ganz darin würde untertauchen können.



"Wenn ich so weit bin, sag ich´s. Ich nehm´s mir. So schnell hatte ich es nicht erwartet."
Ben ließ sich los. Er bestand nur noch aus Fingern auf Wellen einer harmonischen Melodie.
Als der Konzertsaal längst verschwunden war, kamen Bens Gedanken langsam zurück, sich über das Pfeifchen in Majas Händen wundernd. Dieses prustende Pfeifchen.  Welch kunstvolles Spiel hatte diese Frau offenbar erreicht. So viele Übungsstunden hatten geholfen. Doch auch ein Orgelbass erkennt sich mitunter in einr Schilfrohrflöte wieder. Weiches Rohr. So sehr Maja sich mühte, der eine der allerletzte Schlussakkord war nicht möglich.
Sie hockte sich auf die Kante der Pritsche, konzentrierte sich ganz auf die Spannung in Bens Instrument. Die musste der Entspannung durch ihre Massage vorausgehen.. Dabei hatte Ben ihre beiden unterschiedlich kleinen, unwahrscheinlich reizenden Brüste genau in Blick und Griff. Unbeholfen, doch behutsam strichen Bens Finger den rechten Hügel hinauf. Das Nippelchen hatte sich in eine braune Leuchtkirsche verwandelt. Ob wohl ein Kern drin war? In allen Kirschen war doch einer. Doch Majas halb verdrehte Sitzhaltung ließ Bens Mund nicht an die Frucht.
Ben registrierte, dass die rechte Brust wesentlich größer als die linke zu sein schien. Auch Majas rechtes Auge schien größer als das linke. Ben begeisterte sich für Mädchen mit großen braunen Augen. Ob das linke Äuglein wohl größer würde, wenn das Kernchen zwischen den Lippen ein- uns ausglitt. Hauptsache, das Mädchen empfand das nicht als unangenehm. Wie leicht waren Brüste überreizt. Noch dazu kannte er das von Babetts, die doch für Maurerpranken gemacht waren, während Maja mit welchen für musikalische Hobbygärtner ausgestattet war.
"Da sind sie empfindlicher. Wegen der Wunde, weißt du? Max ist wieder mal da. Er hat sich nicht geändert."
Für einen Augenblick erstarrte der Traumfilm. Ja. am Außenpfad, den linken Hügel hinauf, prankte wirklich eine taubeneigroße fast zugenarbte Wunde.





Wie geht man mit Verbrechen um, die man nicht direkt ändern kann?
Wer sich einbildet, Künstler zu sein, zumindest erst einmal dadurch, dass er sie als die Verbrechen bezeichnet, die sie sind, dass er den Unangepassten eine Stimme gibt. Einfach gesagt: Krieg ist ein Verbrechen. Was bei "unserem" NATO-Verbündeten Türkei passiert, ist Krieg, wobei die Demonstranten erst einmal immer durch besonders heitere Friedlichkeit auffielen. Allerdings singt es sich schlecht unter einem Hagel von Tränengasgeschossen und im Strahl der Wasserwerfer. Da sollten diejenigen, die sich mit unterschiedlichem Geschick sich "ihren" "17. Juni" erfinden, besonders aufmerksam beobachtet werden, wenn sie bei Ihresgleichen Krokodilstränen absondern.
Die Frage ist, wie wir unsere eigene Rolle dabei sehen. Sammeln wir zur Offensive oder erst einmal zum Lecken der eigenen Wunden in eine gallischen "Die Wagenburg". Wobei Meas Wolfstatzes Umsetzung im Gedicht gefällt mir dabei sehr ...

Sonntag, 16. Juni 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1768

Fortsetzung der Prosa:

Anna Roth: Die Stunde vor dem Suizid (6):

 "Das hat dir wirklich gut getan, oder?"
"Ach, ihr Männer seid doch alle gleich. Das solltest du ja wohl gemerkt haben, dass das kein Spiel gewesen ist. Ich bin schließlich kein trockenes Holz, oder? ... Rutsch!"
Nun lag Maja neben Ben auf der Liege wie eine zierliche Venus. ...
Nun lag Maja auf der  Liege als zierliche Venus. Während ihre Finger beschwörend an Ben entlangstrichen, suchte der nach dem Bergbach, der aus ihrer Gletscherspalte geschossen war. Endlich fand er das Nass wieder. Es sprudelte immer noch und Bens Finger ertasteten Ufer und Untiefen, ließen sich zum Baden einladen. Bens Stämmigeres war aber auch nur noch 30 bis 40 Zentimeter vom Eintauschen entfernt. Die Wellen leckten am Ufer, riefen nach Schwimmern, wo doch nur ein müder Wanderer seine Fingerkuppen in ihnen erfrischte.
Nur noch 25 Zentimeter. Benjamin keuchte: Sag, dass du es auch willst! Gib es zu! Bitte! Jetzt!"
Maja wehrte nicht ab, krampfte nur für einen Moment zusammen, schüttelte fast unmerklich den Kopf. "Das war nicht ... Das kommt dann doch zu schnell."
Der ganze Benny lag wieder auf dem Laken. Die "Fünf" im Klassenbuch enttäuschte als peinliche Fleck.
Majas Stimmbänder vibrierten. "Bist du mir jetzt böse?"
"Böse nicht. Nein, böse nicht."
Der Klang von Bens Fingerspielmelodie wurde geschluckt von dem kleinen Raum. "Hab ich dich unterbrochen?"
"Wenn ich einmal fließe, dann komme ich schnell wieder rein."
Das hatte Ben hören wollen. Es Maja gönnen. Es sich gönnen.
Er fand die richtigen Tasten. Es war keine Kleine Wassermusik, es war eine Meeressonate in L-Dur, die Mozart, Händel und Schönberg noch nicht entdeckt hatten. Im Widerhall seines immer mutigeren Speils begann die Konzerthalle zu beben. Durch die Erschütterungen löste sich erster Putz, fielen erste Mauern. Gleich würden sich die Töne auflösen im weiten Universum.
Nein. Pause vor dem letzten Akt.
"Warum siehst du mich so traurig an? Immer noch ...?"
Ben tauchte seine Finger in den feuchtesten Ton, prüfend, ob er ganz darin würde untertauchen können. ...

***
Die Gedichte des Tages:
.
Mir fiel nur Sarkastisches ein. Aber still sein wollte ich auch nicht. Also galt es, "nur ganz kurz" einen kleinen Reim auf die Ereignisse in unserem NATO-Bruderland im Kampf für die Werte der westlichen Welt zu machen.Meas Wolfstatze wird es mir hoffentlich verzeihen, wenn ich dies mit seinem Liebesgedicht "An deiner Seit" verbinde .... 

Samstag, 15. Juni 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1767

Im Scheinwerferlicht heute die Fortsetzung der angestaubten Prosageschichte ...

Anna Roth: Die Stunde vor dem Suizid (5):

... Mindestens acht Schamlippen schien dieses Mädchen zu haben, welch ungewöhnliches Geschenk der Natur, das einfühlsame Zärtlichkeiten sofort mit einem Bad aus Tau belohnte. Majas Massagegriffe nahm Ben dagegen kaum noch wahr. ...
"Ich kann es mir denken: Die weißen sind für die fröhlichen Lieder und die schwarzen für die traurigen."
Die Klavierlehrerin hatte mitleidig gelächelt über das, was sie für einen Scherz gehalten hatte. Dabei hatte es Benny ganz ernst gemeint.
Der große Junge hielt in Erinnerung an diesen Moment die Augen geschlossen. Angeblich könnten Blinde am besten blind Klavier spielen. Sie sähen mit den Fingerspitzen. Benjamins Kuppen besahen alle Tasten. Ganz unmerklich und für eine leise Melodie. Ben erkannte sich im Forellenquintett. Er sah den Bach plätschern. Frisches, glitzerndes Wasser, das zum Trinken einlud. Er sah silberschuppige Fische springen. Er griff nach ihnen. Sie ließen sich fangen, entglitten aber seinen Fingern wieder, weil Ben nicht zu fest zupacken wollte.
Die Töne klangen erhaben, als ob sie durch ein gewaltiges Kirchenschiff vibrierten. Und aus dem kleinen Sprudeln, als der Junge die Quelle im Fels gefunden hatte, wurde ein Fluss, breit und tief genug, um große Boote auf seinem Wasser gleiten zu lassen,
Bens Träume wurden durch vergeblich unterdrückte Zuckungen des an seine Wangen gepressten Körpers unterbrochen. Er hörte noch den Kirchenengel singen: "Komm, ich leg mich zu dir, da brauchst du deine Arme nicht so zu verkrampfen."
Ben entließ Majas Tastatur aus seiner Umarmung. Er konnte sich nicht zurückhalten: "Das hat dir wirklich gut getan, oder?"
"Ach, ihr Männer seid doch alle gleich. Das solltest du ja wohl gemerkt haben, dass das kein Spiel gewesen ist. Ich bin schließlich kein trockenes Holz, oder? ... Rutsch!"
Nun lag Maja neben Ben auf der Liege wie eine zierliche Venus. ...

***
... und die "Gedichte des Tages" vom Sonntag:

Automaten denken nicht mit. Drückt der Finger die Taste, dann läuft der Vorgang los. Das ist so bei den Leuten, die Drohnen nutzen, das ist so, wenn ein Sebastian Deya ein Gedicht veröffentlicht. Es kommt der Text in der Augenblicksfassung an. Ich wollte ihn gerade darauf hinweisen, dass "Wie besessen (1)" einen Fehler enthielte, da fiel mir noch rechtzeitig ein, mir das Gedicht auf seinem eigentlichen Blog anzusehen ... und siehe, es war an der strittigen Stelle dort längst korrigiert. Bei Gedichten geht das eben. Bei Morddrohnen nicht. Ein Mechanismus, irrtümlich Getötete sozusagen aus der Luft wieder zu reanimieren, ist ins Milliarden schwere Programm samt Programm nicht eingearbeitet ...

Slov ant Gali dagegen verbeißt sich in einen Trend "In jüngster Geschichte". Wer hätte 1973 gedacht, dass die Pariser Vereinbarungen, die offiziell den Abzug der US-Amerikaner aus Vietnam zum Gegenstand hatten zusammen mit dem Sturz der Regierung Allende einen Rückbau des Geschichtsfortschritts einläuten könnten?

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