Donnerstag, 7. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1673


Eigentlich wünschte ich mir einen "Frauentag" der feiernden Art ... so in der Art "Ist doch schön, dass es Frauen gibt - und heute freuen wir uns mal drüber ..." Doch sobald man nicht mit Scheuklappen herumläuft, stellt man fest, dass die Zeit dafür noch nicht reif ist. Sogenannte Gleichstellungsbeauftragte versuchen Verhältnisse zu simulieren, die eben nicht gegeben sind. Es ist eigentlich nur albern, wenn es als feministischer Fortschritt gilt, DichterInnen schreiben zu müssen, um politisch korrekt zu sein. Ich habe mir erlaubt, die Beiträge zum vorjährigen Kampftag für die Rechte der Frauen herauszusuchen - sozusagen als Symbol, es gibt nichts Neues. (Zwischenzeitlich kam aber noch ein "Kommentar" von Hanna Fleiss dazu "Zwei unterhalten sich") Und wir müssen dabei nicht nach Indien schauen, wo eine Gruppenvergewaltigung - hoffentlich nicht nur verübergehend - die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Gewalt gegen Frauen gerichtet hat. Letztlich wird der Kampf um tatsächliche Gleichberechtigung weitergehen, bis es keine Macht im weiten und engen Sinn mehr gibt. (schmunzel:) Trotzdem kann Mann ja der Natur Dankbarkeit zeigen, dass es eben auch Frauen und nicht nur Männer gibt ...

Diesmal kommen die lyrischen Beiträge zum internationalen Frauentag sehr konventionell daher. Erinnern wir uns daran, dass vor fünf Jahren Brigitta Weiss mit " An mein Kind" am ersten Friedenslesungswettbewerb teilnahm. Nicht nur, dass weltweit und im eigenen Land die "Gleichberechtigung" der Frauen offen oder über indirekte Mechanismen verhindert wird (wo bekommen Frauen "gleichen Lohn für gleiche Arbeit") wird die einmalige Bedeutung des Leben-Gebens missachtet.
Andererseits möchte ich allzu gern wissen, wie viele Leser noch wissen, auf welche konkrete zwei "Frauen" sich das folgende Gedicht bezieht:
Wir Autoren wenigstens wollen uns nicht vorwerfen lassen, geschwiegen zu haben. Insofern folgt ein kleines buntes Programm:
Brunhild Hauschild 100 Jahre Frauentag...
Sebastian Deya:



Im Prosateil beginnt eine neue Kurzgeschichte ... ohne Frauentagsbezug ...


Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (1)

Christian Aufmüpfer war Schriftsteller. Genauer: Aufmüpfer hielt sich für einen Schriftsteller, einen ganz großen heutigen, nur die anderen hatten es noch nicht erkannt.
An 24 Großverlage hatte er seine Kunst verschickt - und 24 Absagen hatte er erhalten, die letzte nach sechs Monaten: Man habe nicht die Zeit, unverlangt zugesandte Manuskripte zu lesen.
Glücklicherweise gab es noch „Privatverlage“, bei denen man seine Veröffentlichungen kaufen konnte. So hatte er nach vier Tagen ein Vertragsangebot und nach weiteren vier Tagen den Druckkostenzuschuss von seiner Frau für seinen ersten Erfolg. Da musste ihr nächster Kleinwagen eben noch ein paar Jahre warten.
Sehr bald konnte er seinen Namen im „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ lesen.
Damit aber war er noch nicht bekannt. Welcher normale Mensch nahm schon dieses Börsenblatt in die Hand – und dass er sein Werk in irgendeinem Laden richtig als Buch sehen, dass es je ein Mensch kaufen würde, das hatte ihm ja niemand zugesichert.
Er brauchte also eine Idee, um dem Verkaufserfolg etwas nachzuhelfen. Diese Idee brachte seine Frau unbeabsichtigt mit nach Hause. Sie hatte ein Faible für Frauenzeitschriften, die dann durchgeblättert irgendwo in der Wohnung herumlagen, um von Aufmüpfer als Toilettenlektüre nachgenutzt zu werden.
In einer davon fand er eine Beilage: „100 Singles zum Verlieben“, das Ganze gleich mit Bild und Kurzinterview. Erreichbare Adressen in ganz Deutschland … Interessiert blätterte er die wenigen Seiten durch. Dass es so etwas überhaupt noch gab im Zeitalter von facebook und Singlebörsen im Internet...
Aufmüpfer dachte erst daran, sich mit ein paar der hübschen Mädels darin bekannt zu machen. Dann jedoch schoss ihm ein genialer Gedanke durchs Hirn und er schrie vor Vergnügen in seinem Büro auf.
Schon saß er am Computer.

Liebe …

sicher schreiben dir von den schüchternen, aber liebenswerten Menschen nur wenige auf Deine Anzeige, und wenn, dann schmeißt Du ihren Brief sowieso weg, weil du sie unter Deiner Verehrerpost nicht herausfindest. Die fallen nämlich kaum auf. Einzig darum lege ich Dir einen „Werbezettel“ für mein erstes Buch bei. Damit rage ich hoffentlich aus der Menge der Zuschriften heraus, und ich brauche nicht verlegen zu werden beim Anpreisen, was ich für ein toller Kerl wäre. Ein Foto von mir findest Du auf dem Einband … und vieles andere kannst du dort entdecken, womit Du mich gleich richtig kennen lernst und worüber wir uns später brieflich unterhalten können. Dass ich Dich super finde, so richtig für mich gemacht, steht außer Frage, hätte ich dir sonst geschrieben?
Es freut sich auf die nächste Runde
Chris

„Hach!“ Mit einer Siegerpose reckte er seine rechte Faust in die Luft.
„Für Geld kann man das schon mal machen. Denn Geld und Ruhm werden rauskommen dabei.“

Mittwoch, 6. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1672

Der Mecklenburger sagt "Wat dem eeen sin Uhl ist dem annern sin Nachtigall". So ist das natürlich auch mit dem gestern dichtend gefeierten Frühling. Es gibt so Dinge, die können einem - wie das Gunda Jaron erfahren durfte - die schönsten "Frühlingsgefühle ..." verderben, ja es kann einem ein richtiges "Frühlingsgrauen ..." ankommen. Sollte uns das am freudigen Vergnügen hindern? Doch wohl nicht. Freuen wir uns am Gang der Dinge. Tun wirs nicht, kommt der Frühling trotzdem ... also "Voran zur Natur" ...


Und nach dem Schmunzeln kommt die Prosa:


Keine Leiche (3 + Schluss)


Du kommst doch mit?“
Kriana betrachtete ihn offenbar sehr skeptisch.
„Also zu den Dinos will ich nicht. Du wolltest ja auch nicht hinter deinem Vater her.“
„Wenn du dann bei mir bleibst, kannst du auch die Zeit bestimmen. Aber nicht, wo es so viele Menschen gibt! ... Mir fällt übrigens was ein: Wir wissen ja nicht, wie viele parallele Welten es jetzt schon gibt. Das ist ja eine Dimension, die hoffentlich auch unendlich ist. Mir ist die Vorstellung unheimlich. Auf den Erden laufen also alle Ereignisse in verschiedenen Versionen ab. Vielleicht sind wir selbst nur eine der vielen Versionen und die sich ursprünglich entwickelnde Erde gibt es schon gar nicht mehr – so ähnlich wie wir Sterne sehen, die es längst nicht mehr gibt. Am liebsten würde ich das ganze Institut vernichten. Also nach uns.“
„Wir erzählen Pit, in die Energiezone passen höchstens zwei Menschen. Wenn er uns abgeschickt hat, kann er uns bei identischer Einstellung folgen. Er muss sich nur beeilen.“

***

… Für die beiden habe ich den Startknopf gedrückt. Dann wäre ich selbst dran gewesen, ihnen zu folgen. Ich habe mich nicht getraut. Bitte sprengen Sie das Institut! Dann verschwinden keine Menschen mehr. Also keine Menschen, von denen es keine Leichen gibt. Ich will jetzt nach Hause. Meine Mutter hat mir erlaubt, zwei Stunden am Computer Worldbuilding zu spielen. Pro Tag und nach den Hausaufgaben und vor 20 Uhr. Und ich habe noch nicht angefangen. Das ist die Wahrheit. Mehr weiß ich nicht. Kriana und Betto … Sie können ja die Einstellung am Verschicker ansehen. Ich verrate Ihnen auch, wie Betto das Sicherheitssystem überlistet hat.
(Wenn ihr das nachprüft, löst ihr den Countdown zur Selbstzerstörung aus. Strafe muss sein. Man verhaftet schließlich keine Kinder, nur weil sie ihren Freunden zuliebe an verbotenen Orten sind. Ätsch. Betto hatte es drauf. Hätte ihm doch folgen sollen ...


Dienstag, 5. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1671

Also wenn das da draußen kein (zumindest gut simuliertes) Frühlingswetter ist ... Das sollte uns doch Grund genug sein, mit Hanna Fleiss das "Frühlingserwachen" zu feiern und was Erfrischendes über den "Frühling" zu dichten ...


Na, und weil jeder Frühling etwas Utopisches an sich hat, das dann in Erfüllung geht, folgt gleich die Kurzgeschichte:


Keine Leiche (2)


... „Betto, aber vielleicht sind alle einfach tot?“
„Das ist ja gerade das Gute: Das wird niemals jemand erfahren. Wer sich entschieden hat, ist weg und es kommt keine Nachricht in unsere Zeit zurück.“
„Betto, ich hab dich lieb!“
„Ich dich auch, Kriana!“
Einen Moment lang standen sie da wie ein frühreifes Liebespaar, wobei Betto die Zuwendung der Freundin genoss, Plötzlich hellte sich das Gedicht des Mädchens auf.
„Betto, ... ich habe eine bessere Idee.“
„Ich weiß, Kriana, du hast ja immer bessere Ideen.“
„Betto, warum machen wir beide das nicht umgekehrt? Also wir lassen uns in eine neue Parallelwelt für uns schicken? Wir müssen nur jemanden finden, der die Energiezone aktiviert.“
„Wenn der uns aber folgen will?“
„Dein Vater hat doch aber gesagt, dass das gefährlich ist. Er hat zwar die identische Einstellung, aber es ist zwischendurch etwas Zeit vergangen. Je weiter es in die Vergangenheit zurück geht, umso mehr wirkt sich das aus. Mathematisch werden doch auf 1000 Jahre mehr als Tage aus der Minute. Und bis der Nächste den Neueinstieg in die Energiezone schafft, ist mehr als eine Minute vergangen …“
„So genau habe ich das doch auch nicht verstanden. Ich weiß nur, dass in dieser Energiezone die Matrix der Teilchen in eine so überschnelle Bewegung versetzt wird, dass das, was vorher in der Zone war, in die Vergangenheit zurück fliegt. Je nach eingestellter Intensität unterschiedlich weit. Das muss ganz seltsam sein, weil man ja an einer Stelle wieder materialisiert wird, von der man vorher nichts weiß. Also es kann auch Unfälle geben, dass man mitten in einer Wand auftauchte. Dann ist man natürlich tot. Mein Vater wollte ja nur 20 Jahre zurück. Er meinte, das hätte klappen können. Mit jeder solchen Reise in die Vergangenheit entsteht eine neue parallele Wirklichkeit. Also wir übernehmen dabei unsere Existenz in diese reale Welt. Alles ist genauso, wie es in der Welt, deren Geschichte wir kennen, damals war. Nur eben ab dann mit uns. Wir werden also zu dem Zeitpunkt, an dem wir geboren wurden, nicht geboren, weil wir in der anderen Parallelwelt, in der wir geboren worden sind, schon geboren worden sind. Wir sind ja eben da. Vielleicht werden wir aber doch geboren, weil wir ja nicht wir selbst sondern andere sind. Ich möchte mir auch gar nicht begegnen. Ich möchte lieber in einer Zeit ankommen, in der ich die ganze Entwicklung der Menschen verändern kann. Da gibt es ja genug zu verbessern. Wir nehmen mit, was uns das Leben erleichtern kann, Waffen und so. So wie dieser berühmte Robinson. Das deponieren wir schon vorher in der Energiezone. Du kommst doch mit?“
Kriana betrachtete ihn offenbar sehr skeptisch.
„Also zu den Dinos will ich nicht. Du wolltest ja auch nicht hinter deinem Vater her.“
...



Montag, 4. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1670

Heute geht alles den am häufigsten benutzten Weg. Begonnen wird mit den morgigen "Gedichten des Tages" - wenn auch mit der Überraschung, dass es nach langer Pause wieder ein Hanna-Fleiss-Gedicht gibt - dann folgt Prosa, allerdings nicht die begonnene Romanidee, sondern eine Idee, die für die Sammlung von SF-Kurzgeschichten "kandidiert":


Normalerweise ist die einfachste Form der Einreichung von Tagesgedicht-Kandidaten, sie als "Kommentar" irgendwo anzuhängen. Allerdings hat Over-blog den Service eingestellt, extra über neue Kommis zu informieren. Man muss also das spezielle Moderatorenfach extra aufrufen. So habe ich etwas verspätet entdeckt, dass sie Hanna Fleiss wieder gemeldet hat. Und wie!!! Ob sie dem durch den Titel "Lieber Herr Shakespeare" selbst gewählten Anspruch gerecht wird, kann jeder selbst entscheiden. Ich sehe schon das Schmunzeln im Gesicht des Herrn Brecht, der seine Freude nicht nur an der dialektischen Logik des Sonetts gehabt hätte ...
Wäre ich Hutträger könnte ich selbigen einfach vor Hannas Beitrag ziehen, so erlaube ich mir einfach einen "lyrischen" Vorgriff auf den Frauentag. Was hier "aquarianerlatein" heißt, geht auf ein tatsächliches Brutverhalten einiger Fischarten zurück ...


Keine Leiche (1)

„Was hätte ich denn tun sollen? Er war doch mein Vater! Und nun ist er weg und ich müsste bei ihm sein und bin hier.“
Der zwölfjährige Betto hatte endlich einen Blick von der Bildwand gelöst. Eine lange Rede hatte sich über Kriana, seine gleichaltrige Klassenkameradin und Freundin ergossen.
„Du hättest ihn hindern müssen. Er war doch dein Vater.“
Damit bestärkte sie entweder ungewollt seine Zweifel oder sie wollte nur seinen Widerspruch gegen eben diesen Zweifel herausfordern.
„Warum verstehst du mich denn nicht. Er wollte mich mitnehmen und ich wollte eigentlich mit. Aber dann … In 50 Jahren ist er gestorben und ich bin allein. Bis ich auch sterbe.“
„Warum …“
„Hätte ich dich mitnehmen können, dann ja. Stell dir vor: Wir suchen uns eine Höhle, auf der wir den Meteoriteneinschlag überstehen. Wir bringen ein paar Dinobabys in Sicherheit, die halten wir uns als Haustiere. Wir haben Kinder zusammen, die genau so sind, wie wir sie wollen, weil sie kein anderer ärgern kann. Wir machen die Evolution neu. Eine ganz andere Erde. Das wär doch was gewesen, oder?“
„Betto, wollen wir nicht besser unter Menschen …“
„Kriana, nein! Unter Menschen will ich nicht. Nicht heute und die Barbaren von früher schon gar nicht. Du bist eine Ausnahme.“
Die beiden hatten längst die Wohnung verlassen und näherten sich inzwischen dem Eingang der nächsten Polizeistation.
„Betto, meinst du wirklich, das ist eine gute Idee? Die werden dich auslachen.“
Doch der Junge war schon durch die Tür. Er versuchte, sich groß zu machen und sagte mit einer Stimme, die er für besonders männlich hielt: „Zur Mordkommission. Ich muss eine Aussage in der Angelegenheit der verschwundenen Studenten der physikalischen Fakultät machen.“
Nach einer halben Stunde stand die beiden Kinder wieder draußen.
„Siehste! Ich hatte dich gewarnt. Keiner glaubt dir.“
„Kriana, Menschen sind doof. Wenn ich sage, gehen wir zum Fernsehen, sagst du dasselbe wie eben. Und du wirst Recht haben. Nein, ich bin auch doof. Ich hätte auf dich hören sollen. Aber ich habe längst einen besseren Einfall. An dem kann mich niemand hindern: Ich veröffentliche den Fall im Internet. Früher oder später stößt dann jemand drauf, der mir glaubt oder wenigstens ausprobieren will, was dran ist. Und er wird alles bestätigt finden. Und verschwinden. Und immer mehr werden forschen, warum wer verschwunden ist. Und auch verschwinden. Wer will nicht in irgendeine Vergangenheit reisen? Mal sehen, wie es damals wirklich ausgesehen hat? Und dann wird das Institut von Galvavico das große Geschäft wittern. Und allen, die wir nicht mögen, werden wir den Tipp geben und sie werden verschwinden. Auf dieser Erde werden bald immer weniger Menschen leben. Vielleicht leben wir bald fast alleine hier. Dann können wir uns küssen, wann und wo wir wollen.“
„Betto, aber vielleicht sind alle einfach tot?“
„Das ist ja gerade das Gute: Das wird niemals jemand erfahren. Wer sich entschieden hat, ist weg und es kommt keine Nachricht in unsere Zeit zurück.“
„Betto, ich hab dich lieb!“ ...




Sonntag, 3. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1669

Wir fangen ganz klassisch an mit den nächsten "Gedichten des Tages". Die werden die folgenden sein:

Wenn man Gedichte für einen Sammelband nach einem "thematischen Konzept" geordnet zusammenstellt, hat auch das Nachteile. Im konkreten Fall der Tiergedichte innerhalb des "Voran zur Natur"-Reihe war es den, dass auf der einen Seite bestimmt niedlich ist, verschiedene Tiere alphabetisch anzuordnen, auf der anderen kann dabei herauskommen, dass zwei wie "Der Bär" und "Der Elefant" zwei ähnliche Gedicht nebeneinander stehen lässt ... Sind ja auch zwei "ähnliche" Tiere ....

.Fortgesetzt wird aber diesmal mit einer, nein, einer dreifachen Literaturempfehlung:


Kiek an – DER IDEALIST ist da - und auch MEIN HIMMEL BRENNT wieder (3. Auflage)

Ihr Lieben,
nun nähert sich die Feier. Und ich möchte dich zu einem Sekt herzlich einladen, nämlich:

zur Berliner Premierenlesung DER IDEALIST
Di, 12März 20:00 |Schwartzsche Villa Großer Salon, Erdgeschoss. Grunewaldstr. 55, 12165 Berlin
Lesung und Gesprächmit Sektempfang. Moderation Susanne Kliem, Autorenforum.Begleitung durch Boxhagener Stadtmusikanten: Hippiemusik - love peace und jazz-Improvisationen
Eintritt 5/3 €. Einlass 19:30 Uhr. Plakat

oder
zur Lesung im Forum Eichkamp - Die, 9April 20 Uhr
Anschließend Gespräch und Sektempfang. Begleitung am Flügel: Leon W. Schönau.
Gemeindehaus Zikadenweg 42A, 14055 B-Charlottenburg   S-Bahn Messe Süd (Eichkamp)    Einlass ab 19.30 Uhr - Eintritt frei

oder
zur Lesung im Stadtbibliothek am Kottbusser Tor - Fr., 12April 19 Uhr
10999 Berlin, Adalbertstr. 2. In Kooperation mit dem Bezirksmuseum
Mit musikalischer Begleitung Christian Pugatschow (Akkordeon) und Sektempfang. Eintritt frei

Über dein Erscheinen und über die Weitergabe der Flyer würde ich mich freuen.
Liebe Grüße
Heinrich von der Haar


Und wenn wir schon einmal beim "Empfehlen" sind, schließt die heutige Ausgabe mit einer Rezension von Roger Suffo zu einem Beitrag der DDR-Science Fiktion. Karl-Heinz Tuschel: "Der purpurne Planet":


Rezension vom 02.03.2013 (1)

Samstag, 2. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1668

Die "Gedichte des Tages" sind morgen italienisch, politisch und aktuell - im Namen des Vaters, des Sohnes und der heiligen Ratte:

Kein Zweifel: Der lyrische Blick dieser "Gedichte des Tages" ist auf Italien gerichtet. Roger Suffo blickt zurück auf das hinter uns liegende Meisterstück des italienischen Wahlvolks und nennt das Wahltheater, das die Italiener vielleicht schon mehr durchschauen als "wir Deutschen" "Klamauk, alternativlos". Kann man denken drüber, was man will. Bei uns ist im Septembe nur die Piratentruppe dabei. Und dass wer den Titel "Konklave der Tiere" hört, sich so ratzi-fatzi seine Gedanken macht, wird sich nicht vermeiden lassen. Dabei ist das Gedicht nicht neu sondern ein Kandidat für "Voran zur Natur" ...

Dafür erlaubt die Prosa einen Blick auf moderne Technik:

aus Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln


... Dabei waren noch nicht einmal die größeren Meteoriten berücksichtigt, nur die vielen winzigen, die sonst schon hoch in der Atmosphähre verglüht sind. So viel Physik werdet ihr ja wohl gehabt haben.
Ein System ist etwas in sich Funktionierendes. Zwar machte es die Anschaffung und den Aufbau der Kollektorsystem aufwändiger, aber seit Sperrfelder aufgebaut waren, lief der Betrieb fast störungsfrei. Nun, als endlich richtig gewaltige Anlagen technisch umsetzbar waren, wurden unsere Verhältnisse am Boden zum Problem. Aus der Besitzerphase war ja die Organisation der Mari in sogenannten Staaten beibehalten worden. Dort, wo diese Staaten mit Inselgrenzen übereinstimmten, ging es ja noch, nur war das nicht überall so. Alle waren sich einig, dass über einen Zeitraum von wenigen Jahrzehnten alle Verbrennungskraftwerke und alle Kraftwerke auf Basis von Kernspaltung abgebaut werden würden. Das Problem der neuen Technologie war der Aufwand bis zur Inbetriebnahme der Kollektorstationen. Ihre optimale Größe bedurfte Investitionen in bis dahin unvorstellbaren Einzelbeträgen. Andererseits war die Angst vor Unfällen groß. Die Vorstellung, es könnte ein Beamerstrahl alles Leben auf seinem Weg röstend auf der Erde entlang wandern, geisterte in der Bevölkerung herum. So wurde lange ergebnislos gestritten. Jeder Staat wollte an dem vorausgesagten billigen Strom beteiligt sein, aber zugleich die eigenen Beteiligungskosten minimieren und absichern, dass die Empfänger auf dem Territorium eines anderen Staates gebaut würden. Am kleinlichsten diskutierten die Staaten, die sich eine Insel teilten. Dort war wahrscheinlich, dass sie höchstens je einen Empfänger bekämen … aber eben höchstens einen für alle zusammen. Andererseits wurden Rohstoffe verbraucht, die zum Reichtum nur weniger Inseln gehörten. Die sträubten sich nun, weil nach den Gesetzen der Preiszeit die Preise umso höher waren, umso seltener die Ware war. Es wurden also Verrechnungen gefordert, die eine voraussehbare Verknappung mit einbezog. Obwohl also niemand mehr persönlich sich hätte bereichern können, handelten alle, als ob das so wäre. Schließlich fand die bis dahin größte und insgesamt eine der wenigen wirklich allumfassenden Netz-Abstimmungen statt. Ihr Ergebnis war eine umfangreiche Abschaffung von Preisen, also im Prinzip gab es von da an nur noch einzeln zu begründende. Damit verbunden war die Auflösung der Einheiten, die zu ihrem Vergleich Preise brauchten, also der Staaten. Ihre Verwaltungsfunktionen wurden durch sehr unterschiedliche Konstruktionen ersetzt. Es dauerte noch eine ganze Generation, bis die Mari begriffen, dass das nicht ein vorübergehender Schritt war, sondern dass das so bleiben würde. Dann erst akzeptierten sie, dass es keine reicheren und ärmeren Regionen mehr gab, sondern nur noch solche, in denen mehr oder weniger Mari lebten und dass sich die Formen, in denen sie traditionell zusammen lebten, weiter unterschiedlich entwickelten. Zumindest konnte es nun keinen Streit mehr darum geben, wer welche Kosten übernahm, sondern nur darum, wo was gebaut wurde. ...  


Freitag, 1. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1667


Thomas Reich bereichert meinen Wort- und Gedankenschatz um den Begriff "Virtuelle Impotenz". Immerhin - im Zeitalter des Internets "musste das ja mal so kommen" ,,,
Heute sah es schon sehr frühlingshaft aus. Bald lässt sich kein Zusammenhang mit Umweltschmutz und Klimaerwärmung mehr hestellen, wenn in vorübergehende Vergessenheit gerät, wie es "Am Wintermorgen" aussieht. Diese scheinbare, unsichere Idylle "kandidiert" auch für "Voran zur Natur" ...

.
Die Gedichte des Tages stellen keine besonderen Anforderungen - selbst, wenn in Zeiten des Sommersonnenbrandes Wintergedichte veröffentlicht würden, könnte man das begründen. Bei einem Roman muss allerdings sozusagen der Mord vor seiner Aufklärung folgen. Was hier angeboten wird, sind aber erst einmal Fragmente von etwas, was erst zu einem Roman werden soll. Da können auch Sprünge vorkommen. Ein solcher Sprung folgt nun: eine technische Neuerung wird angesprochen:

aus Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln


… „Na, bei uns seid ihr jedenfalls verschrien: Ihr vergiftet die Luft, indem ihr irgendwelches Zeug verbrennt, damit ihr eure Energie aus der Steckdose zapfen könnt, und weil euch das ja selbst schadet und auch nicht reicht, baut ihr extra Pflanzen zum Verbrennen an und verbraucht einen Großteil eurer Landfläche, um die Energie unserer Sonne einzufangen.“
„Habt ihr das in eurer Schule so gelernt? Mann, das ist ja schon Ewigkeiten her! Das war ja noch in der Zeit der Preise. Ich dachte immer, eure Vorfahren sind erst viel später ausgewandert … Na, egal, das stimmt jedenfalls alles schon … also sehr lange nicht mehr. Aber eines kann man sagen: So richtig angefangen hat das Neue wirklich erst, als die Zeit der Preise Vergangenheit war. Jetzt … Also wir haben mehrere Auffangstationen in der Umlaufbahn unseres Planeten. Die sammeln die Strahlungsenergie der Sonne. Eigentlich eine tolle Sache, aber mit vielen Anfangsproblemen verbunden. Von Anfang an grübelten unsere Wissenschaftler, ob der Energie aus dem All die Zukunft gehören könnte. Sie ist ja sozusagen natürlich da. Die Sonne scheint, ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir ihre Strahlungsenergie in ausreichender Höhe einfangen, dann wird sie nicht durch die Gasteilchen in der Atmosphäre abgeschwächt und die Einstrahlungszeiten sind nicht so kurz. Die am stärksten bremsende Frage war die der Übertragung. Also wie bekommt man die nutzbare Energie von da oben an einen Empfänger am Boden, ohne dass das Meiste unterwegs verloren geht. Nachdem man Frequenzen im Mikrowellenbereich gefunden hatte, auf denen sich die Wellen eben nicht wellenförmig nach allen Seiten ausbreiteten, sondern als gerichteter Strahl noch in 40000 Kilometer Entfernung ankommen, begann eine stürmische Forschung … Okay, okay, ich vereinfache sehr und Voraussetzung für diese Entdeckung war auch die Beobachtung, dass sich ursprüngliche Wellen gegenseitig zu einem Strahlenbündel vereinen lassen. In welcher Weise das ausgenutzt werden kann, das herauszufinden war dann nur eine Frage der Zeit. Danach kamen die Beobachtungen an Sammellinsen-Folien, die über riesige Flächen das Strahlungsspektrum der Sonne auf die Kollektoren richteten. Weniger kompliziert waren die Forschungen, die Kollektorstationen zu fixieren und den Richtstrahl auf den ganztags identischen Punkt auf unserer Erde auszurichten. Aber dann zeigte sich, dass es eben auch Schattenseiten hatte, so etwas außerhalb der Atmosphäre zu haben: All die winzigen Teilchen, die im All herumschwirrten, verringerten schnell den Wirkungsgrad der Anlage. Vor allem die Folien waren zwar billig, aber besonders störanfällig. Dabei waren noch nicht einmal die größeren Meteoriten berücksichtigt, nur die vielen winzigen, die sonst schon hoch in der Atmosphähre verglüht sind. So viel Physik werdet ihr ja wohl gehabt haben. ...


  



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