Montag, 15. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1795

Slov ant Gali: Planet der Pondos (12)

... „Ich wiederhole: Notfall. Erbitte unbeschränkten Zugang zu allen Datenpools.“
„Unberechtigt.“
„Was heißt unberechtigt? Ein Notfall kommt immer unberechtigt!“ Mit Mühe unterdrückte Uljana ihre Verärgerung.
„Korrekt. Aber Notfall liegt nicht vor.“
„Dass ich keinen Menschen zum Leben erwecken kann, soll kein Notfall sein?“ fragte Uljana entrüstet.
„Korrekt. Wecken erfolgt bei definierten Bedingungen. Bedingungen liegen nicht vor.“
„Und was sind die Bedingungen zum Wecken?“ Uljana war die Frage in ihrer hilflosen Wut herausgerutscht. Natürlich wusste sie die Antwort. Das war schlie?lich eine von denen, die alle potentiellen Passagiere der New-Home-Flotte am ausgiebigsten diskutiert hatten. Die Schiffe hatten ein ausgeklügeltes System der Fernerkundung. Der Hauptcomputer suchte in allen erreichbaren Sternensystemen nach Planeten mit vergleichbaren Voraussetzungen für die Entwicklung von Leben wie auf der Erde. Das Wecken sollte erst beginnen, wenn mindestens sowohl eine ähnliche Atmosphäre, Wasser und ein Kohlenstoffkreislauf gefunden wären.
„…Ob dort auch noch eine andersartige Intelligenz existiert, ist für die Weckentscheidung nicht relevant…“ dozierte der Computer.
„Ja, schon gut. Wir wollen siedeln und nicht als Botschafter der Erde bei irgendwelchen Aliens auftreten.“
Der Computer deutete die ungehaltene Unterbrechung seiner Antwort als Aufforderung abzubrechen und schwieg.
„Es gibt also in der Nähe keine Planeten, auf denen die New Home landen könnte?“
„Keine ausreichend gesicherten Daten.“
„Also vielleicht?“ Uljanas Stimme war voll Hoffnung.
„Keine ausreichenden Daten.“
„Wo sind denn die anderen Schiffe der Flotte?“
„Keine Daten.“
Die Antwort kam schnell und verwirrte Uljana völlig. „Was hei?t keine Daten?“
„Kontakt abgebrochen.“
„Und wann?“
„Keine Zugangsberechtigung …“
„… zum Datenpool. Schon gut.“

Uljana presste mit den Händen die Lehnen des Kapitänssitzes zusammen. Was sollte sie jetzt noch fragen, ohne gleich auf die Antwort mit der Zugangsberechtigung zu stoßen. Ihr fiel nichts ein. ...



2. Gedichte des Tages":

Was Sebastian Deya mit "Stiller Protest" gelungen ist, da kann man nur innehalten. Die lyrische Idee klar und knapp gefasst ...
Darf man das mit etwas Heiterem zusammensperren? Man darf alles ... undBrunhild Hauschild meinte, den Vorschlag einzureichen beruhe auf der Anregung durch Roger Suffos "selbstlos". Na, wenn sie beim Schreiben von "Der unzufriedene Hahn" eine heimliche Anregung im Hinterkopf hatte, dann war es wohl "Der Fischer und seine Frau" ...

Sonntag, 14. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1794

1. Prosa-Fortsetzung:

Slov ant Gali: Planet der Pondos (11)

... Es war eine Respekt einflößende Stimme. Erregt versuchte Uljana sich noch einmal zu vergewissern: „Ich kann die Weckprogramme in der Kälteschlafkammer also alle erfolgreich aktivieren?“
„Korrekt!“
„Und es ist seit dem Abflug von der Erde niemandem etwas passiert.“
„Bestätigt!“
Uljana überlegte. Aus dem Computer musste doch mehr als jeweils ein Wort herauszuholen sein.
„Aber die Akustiksteuerung dort ist defekt!“
„Keine Datenverbindung!“
„Die Menschen im Schlafsaal können nicht automatisch geweckt werden?“
„Korrekt!“
„Also muss der Weckablauf über die Schaltkästen gesteuert werden.“
„Korrekt!“
„Dann erbitte ich zum Wecken für meine Mutter und die anderen eine detaillierte Handlungsanweisung für den gesamten Ablauf mit Korrekturhinweisen bei Komplikationen. Ausgedruckt!“
… Selbst wenn ich nur einen einzigen Knopf zu drücken hätte, wollte sie noch ergänzen, aber sie unterlie? es. Gleich wäre es soweit. Sie wüsste endlich, wie sie die Anderen ohne Automatik aus ihrem Kältebad holen konnte.
„Keine Zugangsberechtigung zum Datenpool!“
Einen Moment sagte Uljana nichts, als wollte sie das Gehörte nicht wahrhaben. Natürlich erinnerte sie sich. Man hatte ihnen damals erklärt, dass der Zugang zu speziellen Datenpools gesonderter Berechtigungen bedurfte. Kurskorrekturen, medizinische Daten … Kinder hatten logischerweise generell beschränkten Zugang.
Was jetzt?
Die Zugangsbeschränkungen lie?en sich in Notfällen überbrücken. Man hatte ihnen einen Vortrag darüber gehalten. Hoffentlich hatte sie die exakten Formeln behalten. Es gehörte zum Schutz vor Missbrauch, dass hier keine freien Formulierungen zulässig waren.
„Notfall. Freigabe Pooldaten.“
„Notfall nicht bestätigt!“
Hatte sie sich falsch ausgedrückt? Ihr traten Schweißperlen auf die Stirn.
„Ich wiederhole: Notfall. Erbitte unbeschränkten Zugang zu allen Datenpools.“
„Unberechtigt.“

„Was hei?t unberechtigt? Ein Notfall kommt immer unberechtigt!“ ...


***

2. "Gedichte des Tages":
Zwei Herren ballen ihre lyrische Stimme. Da ist zuerst einmal Sebastian Deya mit seinem eindringlich kurzen Gedicht "Staubtrocken", Dazu kommt Thomas Reich, der mit "Geschnitztes Holz" ein Liebesgedicht anbietet ... aber dabei ... verunsichert ... zumindest mich ...

Freitag, 12. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1793

1. Prosa:

Slov ant Gali: Planet der Pondos (10)

... Hoffentlich würde der zentrale Analysecomputer Uljanas Fragen beantworten.
Die Brücke, lag direkt über Kälteschlafsaal und Kasino. Uljana eilte also geradewegs aus dem Hauptfahrstuhl durch den Gang auf ihr Ziel zu. Sie hatte es so eilig, dass sie nicht auf ihren Weg achtete. Erst, als sich hinter ihr die Tür schloss, blieb sie zögernd stehen. Sie war erst das zweite Mal hier. Beim ersten Mal, damals inmitten der Gruppe künftiger Passagiere, hatte sie sich nur ehrfürchtig umgesehen. Angeblich würde diese Brücke ausschlie?lich ergänzend zur ?berwachung des automatischen Landeanflugs benötigt und zum Kontakthalten mit den Schwesterschiffen, also genau genommen fast gar nicht. Trotzdem hätte Uljana jetzt lieber verstanden, was sie vor sich sah. Aber seit sie sich einmal als Sechsjährige gewünscht hatte, später Navigatorin zu werden, hatte Debbie immer von diesem Thema abgelenkt, sobald einmal die Sprache darauf kam.
Eine riesige Bildwand, die die gesamte Wandfläche bedeckte, beherrschte die Brücke. Uljana bestaunte sie einen Augenblick, als sie vom Hauptgang hereinkam. Dann trat sie von hinten an einen der drei Arbeitsplätze. Er war wie die beiden anderen mit einer Unmenge von Monitoren und Konsolen bestückt und stand etwa in der Mitte des Raumes. Uljana kam sich so klein vor wie beim Rundgang damals, noch dazu, da an der Rückwand andauernd irgendwelche Lämpchen aufleuchteten und wieder erloschen. In den entscheidenden Momenten des Fluges konnte die gesamte Crew des Schiffes auf der Brücke arbeiten. Jeder hatte dann die Wahl, auf seinen eigenen Monitor oder zur Bildwand zu sehen. Jetzt waren die Monitore dunkel, die Bildwand zeigte eine Sternenprojektion. Die Lämpchen an der Rückwand gehörten offenbar zu Funktionsüberwachungen von Nebensystemen, in die normalerweise nicht eingegriffen wurde. Dort gab es nicht einmal eine Sitzgelegenheit – zumindest entdeckte Uljana keine.
Schlie?lich setzte sie sich auf den Kapitänsplatz mit Blick auf Monitor und Bildwand. Einen Moment versuchte sie sich zu sammeln. Das wäre nun wirklich das Letzte, dass sie in ihrer Aufregung so fremdartig spräche, dass der Computer sie beim Stimmustervergleich nicht erkannte.
„Identifikation Uljana Silberbaum.“
Keine Reaktion. Die war hoffentlich nicht erforderlich, wenn auch kein schöner Start. Uljana überlegte. Welche Frage sollte sie als erstes stellen?
„Können alle eingefrosteten Passagiere aufgeweckt werden?“
„Bestätigt!“
Es war eine Respekt einflö?ende Stimme. Erregt versuchte Uljana sich noch einmal zu vergewissern: „Ich kann die Weckprogramme in der Kälteschlafkammer also alle erfolgreich aktivieren?“

„Korrekt!“ ...



***

2. "Gedichte des Tages" von morgen:

Gelegentlich kommt es vor, dass ein Gedicht aus den verschiedensten Gründen erst nicht sofort hier erscheint und dann vergessen wird. Das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, ob ich es "reizend" finde - wie dieses vonGunda Jaron - oder nicht. Ja, es hat nicht einmal etwas damit zu tun, dass es im Testmodus steckt, was bedeutet, dass es vielleicht durch eine Übearbeitung viel gewinnen könnte wie ".Weisheit erkannt.".

Donnerstag, 11. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1792

1. Prosa


Slov ant Gali: Planet der Pondos (9)

... „Mum, sag doch was!“
Als Antwort erschien Uljana das gleichmäßige feine Summen im ganzen Raumschiff jetzt deut­licher und lauter.
„Ach, Debbie!“
Uljana stützte eine Weile grübelnd die Arme auf den Deckel. Schließlich richtete sie sich entschlossen auf. Alles war besser als dieses sinnlose Nichtstun. Vielleicht fände sie irgendwo die Lösung für ihre Probleme. Als erstes sollte sie sich doch etwas anziehen. Vielleicht half das gegen dieses Gefühl der Hilflosigkeit. Also auf zum nächsten Replikator! Irgendwo im Schiff funktionierte hoffentlich noch etwas. Uljana entschied sich für das Schiffskasino. Dort standen gleich drei der Replikatoren. So viel hatte Uljana noch von der Führung durchs Schiff behalten.
Die nächstliegende Tür zum Gang öffnete sich automatisch. Vor Uljana tauchte ein kurzer Korridor auf. Sie erinnerte sich jetzt dunkel an den Bereich. In dieser Kelleretage gab es auf der rechten Seite einige Türen zu den Speichern, links war der Maschinenraum. Uljana ging schnell an ihm vorbei. Das Raumschiff war so konstruiert, dass sich normalerweise niemand dort aufhielt, weil alle Funktionen von der Brücke aus gesteuert wurden. Ein Grund mehr für Uljana, den monströsen Anlagen auszuweichen.
Die doppelte Schiebetür des Fahrstuhls öffnete sich geräuschlos. Ohne weiter nachzudenken sagte Uljana „Kasino!“ Bevor sie sich umgesehen hatte, schloss sich die Tür hinter ihr. Sie spürte einen leichten Andruck. Tür auf. Schon erstreckte sich vor ihr ein Gang. Er war im Gegensatz zu den bisherigen Räumen sehr anheimelnd. Ein Läufer am Boden, die Wandflächen gepolstert, alles in warmem Hellbraun gehalten, und ein Gemälde vor der vorletzten Tür. Uljana stoppte kurz, atmete durch. Sollte sie nicht lieber in eines der Quartiere gehen? Die Nummer 146 war für Debbie und sie vorgesehen, und gerade fiel ihr ein, dass es auch dort einen Replikator gab. Nein, was man anfängt, soll man zu Ende führen, sagte Debbie immer. Uljana ging weiter. Hoffentlich klappte endlich einmal etwas.
Uljana entschied sich an der Luke des mittleren Replikators für eine Uniform, stellte sich vor einen gro?en Spiegel, drehte sich, war mit sich zufrieden, und schrak zusammen. Die Brücke! Warum war sie darauf nicht vorhin gekommen? Sie rannte zum Hauptfahrstuhl, also demselben, mit dem sie gekommen war. Von dem wusste sie ja nun, dass er funktionierte. Es war ein so befriedigendes Gefühl, einmal genau das zu erreichen, was man wollte.

„ Zur Brücke!“ Uljanas Kommandostimme klang sicher. Wie hatte der Commander damals gesagt? Wir haben ein zentrales Computersystem mit mehreren Hauptanalyseprogrammen. Dazu kommen dezentrale Programme, die miteinander vernetzt sind. ...Wenn dabei ein Modul ausfallen sollte, würde es sofort durch das Netzwerk überbrückt.hatte er die Frau, die verängstigt gefragt hatte, was denn passierte, wenn sie unterwegs ein Meteorit träfe, herablassend angelacht. Hoffentlich würde der zentrale Analysecomputer Uljanas Fragen beantworten. ...

***

2. Gedichte des Tages" ...

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das erste Liebesgedicht für "PRISM" auf diesem Blog erscheinen kann. Thomas Reich lässt da seinem Herzen Luft. Dabei gibt es gegen Datenfressmonster nur ein Mittel: Überfütterung ...
Vorsorglich weise ich übrigens daraufhin, dass sich in meine Bücherwand keine "Blindbücher" befinden ...



Mittwoch, 10. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1791

1. Prosa

Slov ant Gali: Planet der Pondos (8)

... Unschlüssig stand Uljana neben ihrem Schlafplatz. Sollte sie sich nicht lieber etwas überziehen? Aber wozu eigentlich? Es war warm in der Halle. Fünfundzwanzig Grad Celsius. Und im Moment interessierte sich niemand für ihre Nacktheit.
Dreihundert dicht nebeneinander aufgereihte Behälter. Jeweils einhundertfünfzig auf jeder Seite des Ganges. Schlie?lich gehörten je drei­hundert Personen zur Besatzung der kleinen Expeditionsschiffe: Hundertfünfzig Stammmitglieder, die ihre Teilnahme voll bezahlt haben, und hundertfünfzig Partner, die ihnen der Computer zugeordnet hat, einschlie?lich Mannschaft, hatte Debbie erklärt.
Diese schlauchförmige Halle. Nirgendwo etwas Anheimelndes. Ein Bild an den Wänden zum Beispiel. Uljana erschauderte.
Ihr Kontrollkasten zeigte weiter beruhigende Kurven und Zahlen über ihren Zustand an­. Sie nahm es zur Kenntnis. Die Angst blieb.
Wenige Schritte zum benachbarten Behälter. Ein Blick auf die Insassin. Dort lag wirklich Uljanas Mutter. Auf den ersten Blick war nicht zu erkennen, ob als eine sorgfältig präparierte Leiche oder als eine Eingefrostete. Tante Elvira, grauste es Uljana, hatte genauso ausgesehen, als sie sich alle von ihr verabschiedet hatten. Allerdings war die Tante damals in ein langes Kleid gehüllt und ihre Hände schienen einen Blumenstrauß zu halten.
Was könnte beweisen, dass diese Frau da nicht tot war? Am liebsten hätte Uljana den Deckel hochgeklappt und die Mutter in die Arme genommen. Aber wie hätte sie Debbie ermahnt? Mädchen, mit einem falschen Handgriff richtest du mitunter einen nicht wieder gut zu machenden Schaden an.
Vielleicht hatte sie etwas übersehen? Uljana ging langsam von einer Schale zur anderen und musterte die Einstellungen der Kästen, die die Lebensfunktionen der Eingefrosteten überwachten. Vielleicht zwanzig überprüfte sie gründlich. ?berall dasselbe: ?ber die Monitore kroch eine gerade Linie am Nullpunkt entlang, und die Digitalanzeigen standen ebenfalls auf Null. Uljana hatte mehrere Filme gesehen, wo dies den Tod des Patienten angezeigt hatte. Allerdings war das immer mit einem durchdringenden Alarmton verbunden gewesen, bis die Apparate abgeschaltet worden waren. Hier gab es allein dieses unmerkliche Hintergrundbrummen, dass man nur hörte, wenn man, wie Uljana jetzt, still lauschte.
Uljana lief erneut von Platz zu Platz. Dann wieder zurück. Hatte nicht auch das Schneewittchen in einem Sarg mit gläsernem Deckel gelegen? Wie tot?
Was nun? Niemand hatte es für nötig erachtet, die Kinder in die Reanimationsabläufe einzuweisen. Uljana streckte mehrmals einen Finger in Richtung auf den grünen Button. War etwas schlimmer als hilflos da zu stehen und nicht zu wissen, was zu tun war?
Mum, sag doch was!“

Als Antwort erschien Uljana das gleichmä?ige feine Summen im ganzen Raumschiff jetzt deut­licher und lauter.  ...

***

2. Die "Gedichte des Tages":

Manchmal muss man es einfach herausbüllen, "Welch Hunger" auf Leben und schaffen einen gepackt hat. 
Andererseits ... Worauf Roger Suffo mit "selbstlos" anspielt, erschließt sich mir zumindest nicht auf Anhieb - das kann aber auch daran liegen, dass ich einen "doppelten Boden" erwarte ...

Dienstag, 9. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1790

1. Prosa:

Slov ant Gali: Planet der Pondos (7)

... Kinder bis sechzehn werden erst nachher von ihren Eltern geweckt. Somit siehst du als allererstes mein Gesicht. Das macht dir doch nichts aus, oder?
Von wegen! Das wäre genau das gewesen, was sie sich jetzt gewünscht hätte. Aber Debbie, die ihr immer so gern auf die Schultern klopfte (wir sind doch wie gute Freundinnen, oder? – … vielleicht weil es ihr peinlich war, eine schon so gro?e Tochter zu haben), hatte sie nicht geweckt. Natürlich gab es auch in der Kälteschlafhalle eine Akustiksteuerung für die Technik … Uljanas Gedanken verhaspelten sich. Die hatte sich ja nicht aktivieren lassen. Sollte die etwa defekt sein? Und wozu waren dann die Schaltungen an den Schaltkästen? Für den Notfall? Mit Problemen bei ihrem Erwachen hatte sie sich nicht auseinandersetzen wollen. Wozu auch? Das war Mums Sache. Nein. Die der Besatzung. Und es war wohl ausgeschlossen, dass irgendjemand sich länger als nötig hier unten aufhalten wollte.
Also war auf jeden Fall etwas nicht in Ordnung. Uljana richtete sich mit einem Ruck auf. Sah sich um. Immer noch das unveränderte Bild. Oder doch nicht: Der Deckel ihres Behälters war in der Wand verschwunden.
Uljana suchte noch einmal den Instrumentenkasten ab. Der Kontrollchip in ihrem Körper meldete fast ideale Werte an die Funktionsüberwachung. Gleichmä?ige Kurven, grün leuchtende Ziffern, kein verdächtiges Blinken, kein rot angezeigter Wert. Bei ihr war also nichts zu korrigieren.
Und bei den anderen? Noch immer rührte sich nichts, Uljana sträubte sich gegen die nahe liegendste Erklärung. Warum sollte ausgerechnet sie als ein­zige aufgeweckt worden, also der einzige lebendige Mensch auf diesem Schiff sein? Warum hatte das System nicht die Erwachsenen aufgetaut? Ein Programmfehler? Ein Defekt? Eine Katastrophe? Hätten nicht die Erwachsenen längst alles in Betrieb genom­men, und Debbie, wie angekündigt, sie hier begrü?t?
Niemand würde sich um ihren sechzehnten Geburtstag kümmern. Lichtjahre von jeder Hilfe entfernt würde sie einsam alt werden, sterben …
Ob sie es noch einmal mit der Akustiksteuerung probierte? Normalerweise müsste sich der Zentralcomputer anrufen lassen. Der konnte alle Fragen beantworten. Dazu war er da.
„Identifizierung Silberbaum Uljana. Erbitte Angaben zum Zustand von Besatzung und Passagieren!“
Stille.
„Mist!“
Uljanas Ruf verhallte. Sie versuchte, sich zu beruhigen. Eine ausgefallene akustische Kommunikation mit dem Computersystem in der untersten Ebene war natürlich noch keine Katastrophe. Aber im Moment ein denkbar schlechtes Zeichen.

Unschlüssig stand Uljana neben ihrem Schlafplatz. ...

***
2. Lyrik ("Gedichte des Tages" Nr. 2019:

Die beiden übrigen Gedichte, die nun doch keine Weihen als Liebesgedichte auf Papier im Buch "Liebe mbH" bekommen werden, sind folgende

Montag, 8. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1789

1. Prosa

Slov ant Gali: Planet der Pondos (6)

... „Sie schlafen. Ineinander!“
Onja fühlte selbt, kaum dass sie es ausgesprochen hatte, wie belehrend das klang. Das hatte sie nicht gewollt. Pedo aber schluckte die Antwort, dass er das selber wisse, herunter. Schlie?lich wollte er nicht die grö?te Ehre verderben, die ihm die Schwester gewährte: Onja griff sich seinen Arm, legte sich auf ihrer Matte zurecht, zog sich wie ein Gürteltier um ihn zusammen und schlief scheinbar sofort ein. Nur er war noch wach. Das gab ihm das Gefühl, dass alle auf seinen Schutz vertrauten. Im Halbschlaf lächelte Onja: So ein Unsinn. Vor wem sollte Pedo sie beschützen. Er lie? sich ja selbst von Haloh auslachen. Aber dem hatte sie eine kräftige Backpfeife verpasst. Das war sie ihrem Bruder einfach schuldig.

***


Lange hatte Uljana nicht geschlafen. Trotzdem fühlte sie sich erfrischt und ihr schien, als könnte nichts und niemand ihr etwas anhaben. Und das Schönste: Alles, was sich unmittelbar vor dem Abflug ereignet hatte, war wieder frisch.
Abflug, das war das gesuchte Stichwort gewesen. Uljana erinnerte sich nun, dass sie zu den Passagieren eines au?ergewöhnlichen Raumschiffes zählte. Dass man sie alle eingefrostet hatte. Daher die Frostschalen, die von au?en wirklich an Särge erinnerten. Uljanas Mutter hatte ihr ganzes Geld für einen Platz bei dieser Reise ausgegeben. Die Preise, die bei der offiziellen Versteigerung geboten wurden, hätte sie trotzdem nie aufbringen können. Aber ein Computer hatte sie wegen ihrer Passfähigkeit zu den ordentlichen Passagieren ausgewählt.

Das Raumschiff trug den Namen New Home 9. Es gehörte zu einer Flotte, die eine neue Heimat irgendwo drau?en im Weltall finden sollte. Mit gefrosteten Passagieren und Mannschaften, damit sie alle bei der unbekannten, aber auf jeden Fall astronomisch gro?en Entfernung nicht schon im Raumschiff eines natürlichen Todes gestorben wären. In Jahrhunderten oder Jahrtausenden sollten sie um keinen Tag gealtert ihr Leben von der Erde fortsetzen. Uljana erinnerte sich an Debbies Worte. ... Sobald wir uns dann einem Planeten nähern, den der Analysecomputer für geeignet zum Besiedeln hält, geht ?s los. Dann beginnt er das Weckprogramm. Aber keine Angst. Das betrifft dich nicht. Kinder bis sechzehn werden erst nachher von ihren Eltern geweckt. Somit siehst du als allererstes mein Gesicht. Das macht dir doch nichts aus, oder? ...



***
2.  Lyrik ("Gedichte des Tages" Nr. 2018)

.Sicher gibt es kaum ein Ereignis, dass einen Poeten mehr beschäftigt als die Möglichkeit, ein richtiges eigenes Buch zu veröffentlichen. Man will ja nichts falsch machen. Wenn erst einmal das Gedicht auf Papier steht, dann steht es so da - mindestens bis zu einer "überarbeiteten Auflage". 
Ein Weg, um mehr Sicherheit zu bekommen, dass man sich richtig entschieden hat bei der Auswahl und die Version des Gedichts die ist, hinter der man noch ein paar Monate später steht, ist - neben dem "ganz persönlichen Lektor, dem "Fremdleser" - die eigenen Gedichte nach einer Pause noch einmal kritisch zu sichten. Man wird sich wundern, wobei man alles den Kopf schüttelt, "Was hat mich denn da geritten?" Na, mir geht das zumindest so. Insofern war die Verzögerung mit dem Lyrikband "Manche nennen es Liebe" nützlich. Der neue Titel "Liebe mbH" ist garantiert kreativer ... und vier Gedichte sind nun doch im Netz für die "Tonne" hängen geblieben.
Zwei davon hier:

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