Donnerstag, 14. Februar 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1652


Es gibt Ereignisse im Leben, bei denen und für die findet man schwer die richtigen Worte. An der Spitze derer liegen Trauerfälle für Menschen, die uns nahe stehen, egal, ob die Verstorbenen uns nahe standen oder die, die sich verabschieden müssen. Zu solch einem Anlass hat Gunda Jaron unter anderem das folgende Gedicht zu fügen vermocht: "Wieder ein Abschied". Lauschen wir dem Klang und erfreuen wir uns an jedem Tag ohne einen solchen Dichtungsanlass.
Wenn ich entscheiden sollte, welches Gedicht hierauf folgen könnte, so wäre die klare Antwort "Keins". Aber dann fällt mir der Abschied von meinem besten Freund ein, der sich für die Trauerfeier wünschte "Ach, du lieber Augustin, ...alles ist weg ..." und ich sah ihn schmunzeln. Notfalls also "Barkeepers Vision" ...



Die Prosa heute ist nicht traurig:



Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln (8)


... Ich hatte gesagt, mach einfach alles, was die anderen machen – und dann sorgte ich dafür, dass keine anderen da waren, an denen sie sich hätte orientieren können …
In der letzten Unterrichtsstunde waren wir zwar wieder anwesend, zumindest ich aber war total abwesend. Krampfhaft versuchte ich, nichts zu hören, nichts zu bemerken. Dieses Tuscheln nicht. Den Abstand nicht, den die Grüppchen nun von uns hielten. Als ob wir einen Geruch verbreiteten wie ein defektes Fäkalienrohr.
Zu allem Überfluss bat der Trainer mich am Schluss der Stunde, noch einen Moment zu bleiben. Ich hätte doch im Vorjahr die Arbeitsgemeinschaft geleitet. Ob ich das wieder machen wolle.
Ganz merkwürdig guckte er, als ich antwortete: „Ich lass es mir durch den Kopf gehen.“
Arbeitsgemeinschaft leiten. Das war so ziemlich das Letzte, worauf ich mich gerade hätte konzentrieren können.
Mahay hatte abseits auf mich gewartet. So hatte die Nachfrage des Trainers, der offensichtlich noch nichts von dem Zwischenfall in der Sportstunde gehört hatte, wenigstens einen Vorteil: Die Klasse war weg.
Dachte ich. Denn am Ausgang hatten sich einige Jungen versammelt. Als wir zwei durch die Tür kamen, begrüßte uns ein Chor von Huhuhu-Rufen.
„Lasst sie in Ruhe! Sie hat euch doch nichts getan.“
Was hätte ich denn tun sollen? Ich musste den Beschützer spielen gegen diese Kinder. Ja. Kinder!
„Na du bist genau der Richtige ...“
Gragolo sprang mich an. Wir rangen miteinander. Das lief natürlich nicht gut für mich. Seltsames Gejohle veranlasste Gragolo allerdings von mir abzulassen. Die Situation hatte sich bedrohlich verändert. Die meisten Jungen beachteten uns kaum noch. Sie bildeten einen Halbkreis um Mahay, Zweie hielten sie fest und ich hörte den Ruf „Na, zeig doch noch mal!“
Ich war ein schlechter Beschützer. Anstatt laut um Hilfe zu brüllen – irgendwo mussten um die Zeit doch vernünftige Erwachsene sein – stürzte ich mich wie ein Hornvieh in den Halbkreis. Der Rest ging blitzschnell. Es dauerte bestimmt keine Minute, da ließ eine jubelnde Meute von uns ab. Ich sah, wie meine Hosen herumgereicht wurde – Beute eines Riesenspaßes.
Trost auf dem Heimweg: Mein Oberhemd war sehr lang. Aber die Schultasche wagte ich natürlich nicht über die Schultern zu werfen. Das hätte das Hemd vorn hochgehoben.
Endlich daheim grüßte ich Vater durch die Arbeitszimmertür. Es schien ihm in Ordnung, dass wir gleich zusammen in meinem Zimmer verschwanden.
Und dann kam diese so unheimlich peinliche Frage: „Was haben die nur gegen mich?“
Ich hätte jetzt erklären müssen, dass es bei uns nicht üblich ist, sich öffentlich nackt zu zeigen, vor allem dann nicht, wenn man nichts machen will, wozu man sinnvollerweise nackt ist. Aber bevor mir das aus dem Mund kam, wusste ich schon ihre Antwort: Aber beim Sport ist man doch sinnvollerweise nackt. Es wäre endlos so weiter gegangen.
„Du hast so viele Haare.“
„Aber die anderen haben doch auch so viele Haare. Die sind nur ein klein bisschen heller.“
„Aber nicht überall ...“
...



Mittwoch, 13. Februar 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1651

Diesmal gibt Thomas Reich einem Gefühl Wortgestalt, was die meisten von uns alltäglich gehezt ähnlich empfinden - ich hätte allerdings eher gesagt, dass mich das Leben wie eine "Zitrone" ausquetscht ... aber das hätte wohl zu profan geklungen. Dafür habe ich mit  "oouuaaiiee (2)" etwas verzapft, das bestimmt nicht profan klingt ... und nun weiß ich nicht, ob ich es gut finden soll ...





Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln (8)


Also auf ein Mädchen aufzupassen ist ja für einen Jungen eine schwierige und gelegentlich unlösbare Aufgabe. Das Schlimme im konkreten Fall war, dass ich sogar schuld an der Katastrophe war ...
Also im Anschluss an die Chemiestunde versuchte ich für Mahay den Inhalt der Stunde mit eigenen Worten zusammenzufassen. So hatte es der Trainer mir empfohlen und Mahay fand die Idee gut, wenn wir die Zeit haben sollten. Die folgende Stunde war Sport und Mahay würde sich bei ihrem lockeren Kleid schneller umziehen als alle anderen.
Nun war es unerwünscht, die durchgeschwitzten Sportanzüge mit heim zu nehmen. Die landeten normalerweise nach der Stunde gleich in der Waschmaschine der Schule und lagen nach Größe sortiert im Umkleideraum bereit. Darauf hatte ich Trottel Mahay nicht hingewiesen, richtiger: Ich hatte nicht dran gedacht. Wir beide waren die letzten auf der Treppe, die anderen waren schon in der Halle. Ich zog mich allein im Jungenraum um, Mahay im Mädchenraum aus …
Als ich in der Tür zur Turnhalle stand, war es zu spät. Mich überschwappte ein Gemisch aus Ohren betäubendem Gelächter, boshaften und entsetzten Rufen. Etwa drei Meter vor mir, schräg gesehen, vor dem Ausgang des Umkleideraums der Mädchen stand Mahay und war nackt. Als ich sie sah, war mir der Zusammenhang sofort klar. Es konnte einfach nur so sein, dass die Maniani ihren Sport nackt trieben. Das erklärte auch die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich vor mir ausgezogen hatte. Bei uns aber …
Also ich sah Bilder dessen, was gerade abgelaufen sein musste, in einer Geschwindigkeit vor meinem inneren Auge ablaufen, dass ich sie nur um vieles langsamer aufschreiben kann. Die Umkleidekabinen und Duschen waren für Jungen und Mädchen getrennte Durchgangsräume mit Zugang vom Treppenhaus der Schule und Ausgang zur Turnhalle, wo dann alle wieder zusammentrafen. Offenbar waren die anderen Mädchen schon raus in die Halle, als Mahay durch die Tür vom Schulhaus gekommen war. Sie hatte gar nicht sehen können, dass sich jedes Mädchen einen Dress in der eigenen Größe gegriffen und übergestreift hatte. Sie hatte höchstens bemerkt, dass vorher niemand Sportzeug dabei gehabt hatte. Das musste ohne Frage für sie bedeuten, dass es keines gab ...
Entweder begriff Mahay ihre Situation nicht oder sie hatte gerade ihre Reaktionsfähigkeit eingebüßt. Anstatt wenigstens zurück in die Umkleidekabine zu laufen, stand sie, scheinbar überlegend, da.
Rozy war der erste, der mehr tat als lachen. Er hockte sich auf alle Viere und stieß unartikulierte Laute aus. Das Gelächter war voll auf seiner Seite. Ich sprang vor Mahay, drängte sie in den Raum zurück, warf hinter uns die Mädchenumkleidetür zu. Es blieb noch laut draußen. Was sollte ich tun?
„Schiet druff! Zieh dich wieder an! Wir gehen hoch. Läuft der Sport eben ohne uns.“ Mahay schien anfangs widersprechen zu wollen. Dann aber griff sie nach ihrem weißen Hüftschmuck. Ihr schien nach Heulen zu sein. Und ich Feigling? So öffentlich in der Mädchenumkleide wagte ich nicht, sie einfach in die Arme zu nehmen, obwohl Mutter das doch immer gesagt hatte: Wenn du jemandem helfen möchtest und weißt nicht wie, dann nimm ihn fest in die Arme. Das kann nicht falsch sein und gibt Kraft. Verdammt. Ich spürte doch, dass Mahay eine Stärkung von mir brauchte. Es war doch mein Fehler: Ich hatte gesagt, mach einfach alles, was die anderen machen – und dann sorgte ich dafür, dass keine anderen da waren, an denen sie sich hätte orientieren können …



Dienstag, 12. Februar 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1650


Was habe ich gestern nur angerichtet?! Da hat nun der aktuelle Papst mit seinem Rücktritt erstmals etwas Positives als Pesönlichkeit vollbracht ... und dann kommt er so schlecht weg ... Aber nicht nur das: Es folgte sogar noch eine Dichtung gegen den Frühjahrsputz - na, da muss natürlichBrunhild Hauschild mit einer Richtigstellung folgen ... Übrigens ... kann man trefflich darüber streiten, ob es sich bei ihrem Gedicht um ein sauberes Sonett handelt ...
Aber eigentlich geht es ja auch um die freudige Erwartung des bald vorherrschenden Frühlings mit all den Zwitscherlingen um uns herum: "Vogelfortschritt"



Übrigens erwäge ich bereits einen ganz anderen Anfang für das Romanmanuskript:

Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln (7)



Am nächsten Tag machte Mahay nur einige Andeutungen. Sie habe bestätigt, dass ich sie wohl nett fände, sie mich ja auch, und ich hätte ihre entzündete Haut behandelt und ihr ginge es schon viel besser. Als ich fragte „Ihr … also der Haut ...“ hatte Mahay geantwortet, „Natürlich habe ich ihr gesagt, dass man dir vertrauen kann, was sonst? Mir auch, klar. Das habe ich gesagt, ja.“


Der zweite Schultag brachte anfangs wenig Besonderes. Allerdings möchte ich nicht über die ersten Fragen sprechen, die Mahay gestellt bekam, also was sie darauf antwortete. Das war im Einzelnen nicht wichtig. Wichtig war nur, dass sich die meisten das Lachen nicht verkneifen konnten und der Co-Trainer Elektronik danach nicht sie zum Hilfsangebot ins Nebenkabinett holte, sondern mich. Ich sei doch einer der Leistungsträger im Fach … Ob ich mir vorstellen könne, das Mädchen behutsam an das Niveau der Klasse heranzuführen. Allein würde sie das nicht schaffen und es wäre wohl viel Zeit erforderlich. Er müsse sich ja um alle kümmern. Was sollte ich machen? Früher oder später würde es sich eh bis zum letzten Co-Trainer herumgesprochen haben, dass wir zusammen wohnten. „Ich werd´s versuchen.“

In die Schule war Mahay noch in den Sachen gekommen, die sie in der Wohngemeinschaft bekommen hatte. Die hatte sie, kaum dass wir zuhause waren, wie Juckpapier von der Haut gerissen. Ich begleitete sie dann zur Gesundungsstation. Ein Hautarzt erklärte dort, er müsse zwar noch einige Tests durchführen. Die würden ein paar Tage dauern, weil dazu ein Screening des Zentrallabors erforderlich sei, aber Mahays Haut habe aller Wahrscheinlichkeit eine ungewöhnlich extreme Allergie gegen mehrere Bestandteile unserer üblichen Bekleidung – und zwar anscheinend exakt derjenigen chemischen Komponenten, die sie widerstandsfähig gegen äußere Beanspruchung mache. Ja, nur ihre mitgebrachten Kleider könne sie tragen oder Anderes aus den gleichen Materialien, aber nichts, dessen Eigenschaften künstlich verbessert worden waren. Das hieß eigentlich, Mahay hätte nackt herumlaufen müssen, sobald sie ihrem Inselpaket entwachsen war.
„Du, ich habe doch schon gesagt, vielleicht wirst du ein Trendsetter in Sachen Mode und in ein paar Tagen wollen alle in der Schule so rumlaufen wie du. Du musst nur alles erstmal selber machen.“

Vielleicht hätte ich damit Recht behalten. Als Mahay am nächsten Tag mit ihrem bestickten weißen in die Schule kam – ich hatte ihr das empfohlen, weil ich es am hübschesten fand und sie musste es sowieso bald waschen – wurde sie in den ersten beiden Pausen von Mädchen umringt, die genau wissen wollten, aus was das sei, wo man es bestellen könne und so. Na gut, als Mahay antwortete, das habe sie nicht bestellt, sondern die Stickereien seien von ihr und der Stoff direkt in ihrem Dorf gewebt worden, ließ das Interesse etwas nach, aber Janka meinte, sie würde das schon organisieren; da machten wir ein Modelabel draus, doch dann …
Also auf ein Mädchen aufzupassen ist ja für einen Jungen eine schwierige und gelegentlich unlösbare Aufgabe. Das Schlimme im konkreten Fall war, dass ich sogar schuld an der Katastrophe war ...  

Montag, 11. Februar 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1649

Wir bekommen also bald einen neuen Papst. Das sollte "lyrisch" begangen werden ...

Darf die Menschheit wirklich hoffen? Der Oberhirte der weltgrößten Kinderschändervereinigung will das Zepter aus der Hand geben. Aus einem Benedikt gewordenen Ratziger wird wieder ein normal Schuldiger. Diese Würde erhält er sich. So kann er mit einem Gedicht verabschiedet werden, denn "Nur über Tote soll man nichts Schlechtes sagen" ... Das dieses Schnell-Gedicht mit "spinnenspuren" kombiniert wird, hat keine eigene inhaltliche Aussage - höchstens, dass wir uns wider den tierischen Ernst auflehnen. 

Ganz unpäpstlich prosaisch geht es weiter:


Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln (6)


... „Brad hat mir sein Bett bezogen. Er schläft auf der Matratze. Er sagt, das reicht ihm.“ Mahay hatte das mit einer Selbstverständlichkeit gesagt mit der man Marjore zurück in die Sonne legt, wenn sie noch nicht reif genug sind.
Mutter legte ihr Besteck hin, Vater legte sein Besteck hin. Für sich genommen normale Bewegungen, wenn auch etwas eckig. Aber die kamen so identisch, die beiden Bewegungen, dass sie nicht allein mit dem Beenden der Mahlzeit zu tun haben konnten. Schweigen.
Noch immer Schweigen. Vater erhob sich, verbeugte sich vor Mahay, wandte sich an mich: „Kommst du mal bitte!“ und noch einmal an Mahay gewandt: „Sie entschuldigen uns einen Moment.“
Draußen stand er vor mir, betrachtete mich irgendwie wie einen Fremden, richtiger, wie jemanden, den man überraschend anders sieht.
„Also ich habe ja einiges von dir erwartet. Aber das nicht! Hast du dir das auch reiflich überlegt? Was man so braucht, hast du ja sicher bereit?!“
Also das waren Fragen, auf die ich beide mit einem klaren Nein hätte beantworten müssen. Je klarer mir wurde, was Vater da meinte, und damit verrate ich ehrlich, dass mir das erst langsam klar wurde, umso klarer wurde mir das Missverständnis. Aber ich grübelte krampfhaft darüber nach, ob alles platzen würde, wenn ich das zugab. Anders gesagt: Ich war feige. Und log auch irgendwie nicht: „Also du bist einverstanden, Paps?“
„Ich … Also du hast mehr Glück als Verstand: Hätte ich vorhin verstanden, dass das dein Ernst war, hätte ich sie rausgeworfen. Ich nehme an, ihre Eltern sind einverstanden?“
„Wie denn? Sie ist eine Ausgestoßene. Sie hat niemanden!“
Keine Ahnung, wieso mir dieser Ausdruck einfiel. Er klang so Mitleid einfordernd. Und eines war klar: Sollte Vater die Frage auf der Zunge gelegen haben, warum gerade wir, dann musste er die jetzt herunterschlucken. Und richtig:
„Wie lange habt ihr denn gedacht, dass ihr hier zusammen wohnen bleibt?“
Das war wenigstens eine Frage, die ich uneingeschränkt ehrlich beantworten konnte: „Also vorerst haben wir noch nicht daran gedacht, auszuziehen, also zumindest nicht in der Schulzeit.“
Das hatte zur Folge, dass mich mein Vater rührselig in die Arme schloss und ich mit ihm einen Feierlichkeitsschluck trinken musste.
Mit Verschwörermiene hielt er das Ohr an die Küchentür, winkte mir, sagte: „Ob die Frauen sich schon einig geworden sind?“ Und als nichts zu hören war, drückte er die Klinke herunter und stürmte mit den Worten in die Küche „Aber ihr habt doch keine Geheimnisse vor uns?“
Es wurde noch ein erdrückend langer Abend. Als wir endlich allein in meinem Zimmer waren, hatte ich einfach nicht mehr die Kraft, Mahay nach dem Verlauf ihres Gesprächs zu fragen.
Tief in der Nacht musste ich raus auf die Toilette. Meine Eltern saßen da immer noch in der Küche. Anfangs wollte ich lauschen. Dann aber tat ichs doch nicht. Dieser erste Tag eines neuen Schuljahres war bisher irgendwie so positiv gewendet gelaufen, da wollte ich mir nicht noch ein negatives Ende organisieren.
Am nächsten Tag machte Mahay nur einige Andeutungen. Sie habe bestätigt, dass ich sie wohl nett fände, sie mich ja auch, und ich hätte ihre entzündete Haut behandelt und ihr ginge es schon viel besser. Als ich fragte „Ihr … also der Haut ...“ hatte Mahay geantwortet, „Natürlich habe ich ihr gesagt, dass man dir vertrauen kann, was sonst? Mir auch, klar. Das habe ich gesagt, ja.“ ...



Sonntag, 10. Februar 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1648

Viele Fragen sich, warum Frau Schavan nun doch vom Amt der Ministerin für Geistesentwicklung zurückgetreten ist. Wir haben die Antwort. Sie hat den Ruhm erreicht, Objekt eines Gedichts von Brunhild Hauschild geworden zu sein, ganz ihrem Motto "Mehr Schein als Sein" verpflichtet. Man könnte ja die Hoffnung haben, Brunhild schriebe bald ein Gedicht über die teuflische Angela ... aber dann bekämen wir ja diesen Schweinmeier oder -brück oder wie der heißt. Und wie hieß es biblisch richtig? Du sollst den Teufel nicht mit Beelzebub austreiben. Wir bleiben trotzdem dabei: Kunst ist Waffe! Schließlich wollen wir doch die Hoffnung bewahren, die große wie die "kleine Klimakatastropheverhindern zu können ...

Reisen wir also lieber in ferne Welten:



Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln (5)


Von so nahem hatte ich noch nie ein Mädchen nackt gesehen. Dann noch so eines! Also ich fühlte mich da schon als Mann und das brachte viele Probleme. Das komplizierteste war das Gucken. Wenn sie sich so ungehemmt vor mir auszog, dann war das nackt-Sein wohl etwas Natürliches unter Maniani. Also guckte man hin, aber sicher auf eine Weise, dass man eben nicht hinstarrte. Weil das bei uns aber anders ist, hätte ich weggucken müssen. Aber damit hätte ich sie vielleicht verletzt, als sei ihr Körper etwas, das man nicht angucken sollte oder gar einer, den ich nicht angucken wollte. Und ich wollte ja! Dann fiel mir der Vater ein, also dass er reinschaun könnte und ich ihm die Szene hätte erklären müssen und ich nicht gewusst hätte wie. Vorerst löste ich das Dilemma, indem ich vor Mahay her zum Bad lief, darauf eingestellt, dass, wenn Vater zufälligerweise gerade auf den Flur gekommen wäre, ich zwischen ihm und dem Mädchen gestanden hätte.
Als Mahay dann endlich allein im Bad und ich in meinem, also jetzt unserem Zimmer war, war das Peinliche aber noch nicht zu Ende. Sie hatte nämlich alle ihre Sachen bei mir zurückgelassen. Oh, wie ich hoffte, sie würde sich auf dem Rückweg in eines unserer Kuscheltücher wickeln oder Vater bliebe, wo er war und Mutter auch!
Ich nehme an, jeder anständige Junge versteht meine Nöte, als meine Zimmertür aufging und Mahay trat ein – nicht nur immer noch oder schon wieder nackt, sondern diesmal mit einem Karton in der Hand. „Du musst mir helfen!“
Also ihr Problem war deutlich zu sehen. Überall dort, wo der Kontakt zu unserer normalen Kleidung besonders eng gewesen war, besonders wohl dort, wo sie gerieben und Mahay geschwitzt hatte, … also, ob man das nun wund-Sein oder Ausschlag nennen will, ist mir egal. Auf jeden Fall war es mehr als eine Hautrötung. Die wäre bei Mahays dunkler Haut wohl auch nicht so aufgefallen. Jedenfalls hatte das Mädchen alle Cremes gegriffen, die sie gefunden hatte, und ich sollte die richtige aussuchen, die natürlich sei und die sie aufgetragen bekommen wollte, bevor sie ihr Walistoffkleid überstriffe.
Obwohl es nicht zu warm im Raum war, lief mir der Schweiß in Strömen. Angstschweiß. Mahay hatte eindeutig gesagt „aufgetragen bekommen“. Das hieß ja wohl, dass sie ganz selbstverständlich mir diese Aufgabe zugedacht hatte. Mir, der ich am Morgen noch … also Mädchen waren mir ferner als die Sternbilder an meiner Zimmerdecke. Hätte vor der ersten Stunde nicht eines der Mädchen die Strafbank abbekommen können?! Noch dazu hatte ich große Zweifel, ob überhaupt eine der Cremes ihre Aufgabe erfüllen oder alles noch schlimmer werden würde. Die Zeit, als die Eltern etwas für meine Babyhaut im Hause hatten, waren doch schon lange vorbei und was ich im Netz hätte bestellen können, wäre es ja nicht gleich angekommen.
Also irgendwie löste ich meine Aufgabe. Beim Cremen kamen mir mehrere Fragen, ganz wichtige und … also für einen Jungen wie mich wäre es nun wirklich zu viel verlangt, die auszusprechen, obwohl sie mich sehr beschäftigten. Aber erst einmal war meine Erleichterung wichtiger, als Mahay dann endlich ein Kleid überstreifte, ein weißes mit Stickereien drauf, durch das ihr Teint wunderbar zur Geltung kam.
„Alle andern Mädchen sehen echt doof aus dagegen“, war mein erster Kommentar und „Du solltest dir nichts aus Mode machen“ mein zweiter. Als sich Mahay fast verlegen bedankte, fiel mir auf, dass ich vielleicht gerade mein erstes Kompliment gemacht hatte.
Da ging die Wohnungstür auf. Mutter. Oh je! Wäre sie etwas früher gekommen, …
Ob mein Glück anhalten würde?
Ich nahm Mahay an der Hand. Meine Eltern saßen schon in der Küche.
Mutter sah uns fragend an. Vater kam mir zuvor.
„Unser Sohn hat eine Maniane aufgegriffen. Da werden wir wohl einen Teller mehr brauchen.“
Dabei hatte sich ein schalkhaftes Lächeln über sein Gesicht ausgebreitet und mit eben diesem Gesicht betrachtete er nun aufmerksam und neugierig unseren Besuch. Wohlwollend auch, spätestens, als das Mädchen ruhig abwartete, bis die Erwachsenen zu essen begonnen hatten.
An den Großteil des Gesprächs kann ich mich nicht mehr erinnern. Es rauschte an mir vorbei. Außerdem ging es überwiegend um das Übliche: Mutter erzählte von ihrer, Vater von seiner Arbeit. Bis es dann passierte. Verblüffenderweise war es Vater, der begann: „Also eigentlich sind wir ja sehr unhöflich. Wir haben einen Gast und reden über uns. Also sagen Sie …“ „Mahay“ „Also sagen Sie, Mahay, wo sind Sie denn untergekommen auf unserer Insel?“
„Brad hat mir sein Bett bezogen. Er schläft auf der Matratze. Er sagt, das reicht ihm.“ Mahay hatte das mit einer Selbstverständlichkeit gesagt mit der man Marjore zurück in die Sonne legt, wenn sie noch nicht reif genug sind. ...



Samstag, 9. Februar 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1647


Es wäre kein Dichter, wer nicht gelegentlich an der Frage herumknabberte, warum machst du das überhaupt, warum tust du dir das an. Die Antworten sind nie ganz wahr und nie ganz unwahr, sie sind nie ganz die des Autors, aber nie ganz ihm fern. Thomas Reich hat es mit "Um mein Leben" versucht. Ich antworte einmal mit einem erfundenen Wilhelm Busch:
Ich möcht die Illusion behalten,
ich könnte noch die Welt gestalten,
möcht Krätzenackten Kleider weben
mit einem Sinn mein Leben leben.
Aber das ist so eine Sache mit den Illusionen ... Wer eben "am teich" geboren ist, der hofft vielleicht sein Leben lang darf, zum Prinzen geküsst zu werden ...

Keine Illusion ist es aber, dass es jetzt mit einer Romanidee weitergeht:


Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln (4)


Natürlich gab es dort auch einige Schwarze Löcher, also Einschlagslöcher unserer Pfeile, die offen geblieben waren. Das Ding …
„Fass mal mit an!“
Meine wunderbare Raumstation wurde in ein „Bergwerk“ abgeschoben, dort, wo eigentlich der Bettkasten meines Bettes hätte sein sollen. Irgendwie platzierte ich die Matratze auf meinem fernen Planeten, also dem grünen Teppich, diesmal so, dass sie sich für ihre eigentliche Funktion eignete. Dann holte ich Bezüge aus dem elterlichen Schlafzimmer, erklärte, großmütig auf mein Klappbett verweisend, „Das ist dein Schlafplatz“ und, mich auf die Matratze werfend: „Hier schlafe ich von jetzt an“, da stand Vater in der Tür.
„Soso ...“, war sein Kommentar.
Fast schwerelos stieß ich mich vom Bett ab, dass ich zum Stehen kam.
„Mahay ist eine Maniane. Ich habe ihr unsere Gastfreundschaft angeboten.“
Und wieder kam nur ein „Soso ...“, so ein mit breitem Grinsgesicht begleitetes.
Da war sie wieder zu, die Tür. Ich setzte mich aufs Bett neben Mahay. Ja, ich ging zurecht davon aus, dass Vater nicht verstanden hatte, was ich hatte sagen wollen. Er wusste ja von so vielen verschiedenen Spielen, in denen ich die spannendsten Rollen übernommen hatte. Wichtige, versteht sich. Es ist eben verdammt kompliziert, ein Mann zu werden, vor allem denen gegenüber, die sich an den Jungen, das Kind gewöhnt hatten. Wie oft war Vater schon auf fremden Planeten begrüßt worden. Warum sollte er diesmal nicht seinen Sohn als Retter und Behüter einer Maniane antreffen? Aber das machte die notwendige offene Aussprache nicht unbedingt einfacher. Und das letzte Wort würde sowieso meine Mutter haben. Der Junge in mir sagte mir, es verbesserte meine Verhandlungsposition, die andere Seite vor vollendete oder zumindest vor vollendet erscheinende Tatsachen zu stellen.
„Wir holen nur noch Mahays restliche Sachen“, rief ich Vater durch die Arbeitszimmertür zu und vor eine eventuelles Antwort stürmten wir schon Hand in Hand nach draußen. Unsere Schulsachen lagen nebeneinander auf meinem Bett …

Die restlichen Sachen waren … na, so Mädchen- und Kinderkram, über die man als werdender Mann nicht spricht und Wechselwäsche, die Mahay auf ihrer Flucht mitgenommen hatte. Ihre Flucht stellte sich dabei als eine Art Verbannung heraus. Sie bestand also aus dem entscheidenden Wort „Na, dann geh ...“ Ihre Eltern hatten ihr das Nötigste für den Weg mitgegeben. Darunter befanden sich auch Kleidungsstücke. Als die Wohngemeinschaft sie aufnahm, waren die anderen als erstes über dieses Zeug hergezogen. Mahay fiele damit nur auf. Und dann wurde ich innerlich ganz stolz auf mich, wie gut ich in der Schule beobachtet hatte: Das, was man ihr dann gegeben hatte, damit sie modisch angepasst herumlaufen konnte, hatte sie tatsächlich gejuckt und gescheuert. Ob sie sich wenigstens bei mir bequem anziehen dürfe wie zuhause, fragte sie demzufolge mitten in ihre Erzählung hinein.
„Na, solange du hier das Zimmer mit mir teilst, bist du ja wohl zuhause.“
Wieder geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Mahay sagte „Danke!“ und streifte ihren Anzug ab wie eine Fessel, dann die Unterwäsche und dann, wirklich dann erst fragte sie, wo denn das Bad sei, vielleicht sollte sie sich zuerst waschen, bevor sie in ihr Weiches stiege.
Von so nahem hatte ich noch nie ein Mädchen nackt gesehen. Dann noch so eines! Also ich fühlte mich da schon als Mann und das brachte viele Probleme. Das komplizierteste war das Gucken. ...



Freitag, 8. Februar 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1646

Kunst darf übertreiben. Aber die Frage darf bei manchen Paaren ja wirklich erlaubt sein, warum sie denn noch zusammen sind ... "Splatter - Trash - Leben" ... Bei Beschwerden gibts keinen Apotheker zum Fragen, sondern bleibt nur ein "stilles bellen" ...


Nun aber schnell in ferne Welten, prosaisch beschrieben:

Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln (3)


… Nein, da musste ich jetzt durch!
„Ja, jetzt. Du kommst gleich mit. Ich frage und dann kannst du ..., nein, wir holen dann gleich deine Sachen.“
Mein Gesicht war unheimlich stark durchblutet. In den Ohren rauschte es wie damals bei dem Sturm am Meer, der sich nicht leiser drehen ließ wie ein Programm am Bilderer. Unser Weg nebeneinander war nicht weit. Zusammen stiegen wir in den Fahrstuhl. Etage 25. Lauter einzelne Privatwohnungen ohne Gemeinschaftsteil. Die paar Schritte bis zur Wohnungstür wurden immer belastender. Wie froh war ich, dass ich Mahays Angst wegen des Fahrstuhls bemerkt hatte und ich deshalb wusste, warum ihr meine Angst wegen der bevorstehenden Begegnung nicht aufgefallen war.
Klinke runter. Mist! Es war keiner da. Was nun? Um die Zeit saß Vater doch sonst immer am Computer, um seine Arbeit im Kontaktnetz zu erledigen. Das heißt, ich wusste, dass es keine festen Arbeitszeiten gab, aber die anderen waren eben zufriedener, wenn sie einander zu bestimmten Zeiten im Bild haben konnten. Und ausgerechnet diesmal mussten Mutter und er irgendwo draußen sein …
Ich muss wohl sehr verdattert hilflos rumgestanden haben. Mahays Sache war das nicht.
„Welches Zimmer ist deins?“
Der nächste Schreck! Was für eine Blamage! Da Mahay schon bis hierher mitgekommen war, konnte ich sie ja schwerlich fest- oder raushalten. Ich lief voran, blieb in der Tür stehen …
Also zu meine Entschuldigung: Ich bin ein Einzelkind. Meine Eltern gönnten mir eine Höhle für mich allein. Natürlich bekam ich viele tausend Male die Mahnung zu hören, ich möge doch aufräumen. Letztlich gewann die Vernunft: Wofür hätte ich aufräumen sollen? Ich fühlte mich wohl und meine Mutter brauchte ja nicht reinzugucken, reinzukommen erst recht nicht. Als wir dann einmal Tino besucht hatten, hatte ich endgültig gewonnen. Ein richtiges Jungszimmer musste offenbar einfach so aussehen. Es regte, wie Trainer Malik sagte, eine spezielle Form der Fantasie an. (Das habe ich mindestens mehrhundertfach meiner Mutter gegenüber vorgebracht.)
„Und wo soll ich hier schlafen?“
Mahays Stimme stürzte mich in Tiefen weit unter jeder Kellerebene. So konkret hatte ich das überhaupt noch nicht bedacht, wo genau sie bei uns unterkommen konnte. Vielleicht in der Kammer, in der wir Reserven aufbewahrten, richtiger, die im Laufe der Zeit mit Gerümpel zugeräumt worden war? Also dass sie das Zimmer mit mir würde teilen wollen, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Nun aber wurde es konkret und sie wollte und … ja, einmal angenommen, sie hätte gedurft, wo hätte sie denn gekonnt? Also das Bett ließ sich aus der Wand klappen. Das war nicht breit, aber man konnte zumindest zusammen drauf sitzen. Meine Raumschiffbrücke bestand aber aus einem Kapitänsplatz und mehreren Monitoren halbkreisförmig drum herum. Das Zimmer war klein, da blieb nicht mehr viel Platz übrig …
Der Kugelfang! Mit Tino hatte ich oft „Schießübungen“ veranstaltet. Dafür hatten wir eine Matratze umfunktioniert. Man konnte sie eigentlich gar nicht mehr als solche erkennen. Sie stand aufrecht und ihre dem Raum zugewandte Seite war mit einem Ausschnitt des Sternenhimmels bemalt. Natürlich gab es dort auch einige Schwarze Löcher, also Einschlagslöcher unserer Pfeile, die offen geblieben waren. Das Ding … 
...



Follower