Donnerstag, 14. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1680

Hätte man das Gedicht von Hanna Fleiss wegen seiner Anmoderation zurückhalten sollen, bis wieder ein SF-Prosatext folgte?

"Unterirdisches" ist nicht Hanna Fleiss´ Beitrag zur modernen SF-Lyrik, sondern leider sehr aktuell - da mag man kaum über einen korrekturbedürftigen Reim meckern, wenn solche korrekturbedürftigen Verhältnisse beschrieben werden. Vielleicht wäre aber der Bezug zur Zeit der Wölfe "bei vollmond" etwas zu weit hergeholt ... vor allem, weil es ja wirklich "nur" um die Umweltzerstörung geht ...
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Die Erzählung ist wohl eher heiter, oder?

Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (8)


... „Ich habe gleich gewusst, dass du ein Mann sein würdest. Gut siehst du aus, echt gut!“ Auf den Stufen vor der Eingangstür hatte ein schlanker junger Mann in der Vormittagssonne gesessen. Jetzt streckte er Aufmüpfer seine feingliedrige Hand entgegen.
Nein, nein, gewusst habe ich nicht, dass du gleich wiederkommen würdest, aber geahnt. Und wenn ich mich geirrt hätte, hätte ich auch nichts verpasst: Hier auf dem Dorf kann man das Wetter viel besser genießen als in Berlin.“
Wer sind denn Sie?“ Christian tat betont abweisend, obwohl er sicher war zu wissen, mit wem er es zu tun hatte. Vor allem, mit welcher Art von Mann. Schon der Hüftschwung bei jedem Schritt – der Mann schien einen Hula-Reifen über der Taille halten zu müssen – ließ keinen Zweifel.
Mensch, ich bin doch der Marian, dem du auf die Anzeige geschrieben hast! Erinnerst du dich nicht mehr?“
Währenddessen waren die beiden in den Korridor getreten.
In Aufmüpfer arbeitete es fieberhaft. Erst überlegte er, wie er den warmen Bruder loswerden könnte – selbst der Händedruck war ihm schleimig erschienen – dann siegte das „berufliche“ Interesse: Zeit hatte er. Also saßen die beiden sich am Wohnzimmertisch gegenüber. War das eine brauchbare Lustspielidee? Mann A sitzt neben Mann B und weiß natürlich nicht, was das für einer ist. Der versucht, immer noch ein Stück näher zu rücken und Mann A die Hand auf den Oberschenkel zu legen, ganz wie unbeabsichtigt, und dieser schenkt Mann B ein Bier ein und ... Und während Christian noch überlegte, hatte dieser Marian seinen Kopf heruntergezogen und küsste ihn und küsste ihn und küsste ihn …

Noch nie hatte sich Christian Aufmüpfer so sehr über das Weckerklingeln gefreut wie diesmal. Noch Minuten dauerte es, bis er sicher war, dass das Ganze nur ein Traum gewesen war.
Nun begannen Wochen voll hektischer Aktivität bei Aufmüpfers. Marion hatte ihr Praktikum beendet und verfügte als Studentin über freie Zeit. Die verbrachte sie auf dem Dorf bei Christian, und noch nie war dieser so froh darüber gewesen, ganz am Ortsrand, weitestgehend unbeobachtet von irgendwelchen neugierigen Nachbarn zu wohnen. Er war glücklich. Was Marion nicht ahnen konnte: An verschiedenen Stellen der Wohnung hatte Aufmüpfer „Wanzen“ installiert. Alle ihre Worte wurden Christiane aufgezeichnet. Die Mitschnitte ihres Stöhnens ertönten an den folgenden Vormittagen noch einmal, wenn Christian an seinem Roman arbeitete. Das strahlte ins Eheleben: Täglich rief Christian an, wie es Rita ginge, ob es Besonderes gäbe und … natürlich, wann Rita wieder zu Hause zu erwarten wäre. Lange hatte er sich diese Aufmerksamkeit nicht so regelmäßig geleistet. Er empfing Rita mit einem geschmückten Abendbrottisch, manchmal mit Blumen darauf. Das Haus durchzog ein Hauch männlicher Fürsorge für kleine Schönheiten, dessen Fehlen Rita Christian bisher immer vorgeworfen hatte. Nun hatte sie, was sie so vermisst hatte.
Anfangs deutete Rita Christians Verhalten fast richtig: Schlechtes Gewissen wegen „der Sache mit Marion“. Allerdings wäre sie nie darauf gekommen, dass diese „Sache“ über den einen Kontakt hinausgegangen war. Aber plötzlich entdeckte Rita den Reiz, vom eigenen Mann begehrt zu werden. Sie kaufte Push-up-BHs und Blusen, die sie voll zur Geltung brachten. Sie blieb als Letzte im Büro, damit sie sich für zu Hause umziehen konnte. Der Gedanke, einer ihrer Kollegen würde sie so sehen, trieb ihr Schauer heißen Bluts ins Gesicht.
Ihr Mann hatte Erfolg. Das spürte sie. Sie sah, wie viele Seiten Text Christian am Tage geschrieben hatte. Ihr Mann war mindestens genauso aufgeräumt wie das ganze Haus. Sie hörte seine obszönen Anfeuerungskosereien und als er in sie eindrang, schrie sie das erste Mal in ihrer langjährigen Ehe leise auf. . Bisher hätten ihre Kinder mit im Schlafzimmer schlafen können, sie hätten nichts bemerkt. ...



Mittwoch, 13. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1679

Morgen heißt es in den "Gedichten des Tages": Leute, es ist Hanna-Fleiss-Zeit. Das Gedicht für heute heißt "Wird schon schiefgehn ...".  Natürlich passt es absolut nicht zusammen mit dem Kandidaten für "voran zur Natur" "von der leine" ... aber erstens war das nicht beabsichtigt und zweitens ... wo kämen wir hin, wenn immer alles mit allem zusammenpassen würde?!


.Die Frage des Zusammenpassens stellt sich bei einer Erzählung weniger:

Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (7)


... „Dass ich derart sehnsüchtig herbeigewünscht werden könnte, hatte ich allerdings nicht erwartet.“
Christian Aufmüpfer ließ seinen Strauß sinken, so wie das Mädchen ihm gegenüber die Arme sinken ließ. „Es scheint, der Empfang galt einem anderen und ich komme ungelegen … Aber die Blumen nimmst du mir doch wenigstens ab, bevor ich wieder gehe.“
Marion schüttelte den Kopf. „Nein, nein, es ist nur ...“
„Schon gut, war bloß so eine Idee von mir.“
„Nein.“ Entschlossen trat die junge Frau einen Schritt zurück. „Kommen Sie doch bitte rein, wo Sie schon mal da sind … Einen Kaffee … also wollen Sie einen Kaffee, oder soll ich lieber einen Tee kochen? Am besten, erst einmal die Blumen in die Kanne stellen.“
„Eigentlich bekommt mir Kaffee gar nicht. Wenn du also einen Tee hättest ... Und … wenn ich mich irgendwo hinsetzen könnte?“
„O ja, entschuldigen Sie bitte, ich meine“, sie hüstelte, „entschuldige bitte, ich mach' gleich ...“
Langsam fielen Überraschung und Enttäuschung von der Studentin ab. Sie kramte ihre Bücher zusammen, schmiss sie achtlos in eine Ecke und richtete sich innerlich auf. Dann eben so. Warum sollte dieser Künstler nicht können, wozu ich einen Scheiß-Frank heute sowieso nicht bekomme? Jetzt seine Frau anzurufen ist Blödsinn, und wenn die Sache harmlos bleiben sollte, kann ich es ihr ja nachher erzählen …

Christian Aufmüpfer war an jenem Tag noch vor seiner Frau daheim, denn sie musste bis zum späten Abend arbeiten. Als die Praktikantin am Montag der folgenden Woche wieder im Betrieb erschien, ergab sich kein Anlass, über die Künstlerprüfung weitere Worte zu verlieren – Marion Minas wäre die Letzte gewesen, einen solchen Anlass zu suchen.
Christian ging zum Friseur. Es mochte ja sein, dass seine grauen Strähnen beim ersten Mal interessant wirkten, aber … entsetzt schoss es ihm durch den Kopf: Sie waren auch ein Zeichen dafür, dass er über 20 Jahre vor der Studentin ins Gras beißen würde. Irgendwann würde es sie stören, einen so alten Freund zu haben.
„Also, wenn Sie mich fragen, und Sie haben mich ja gefragt, dann würde ich Ihnen, auch wenn es fürs Geschäft nicht gut ist, zu einer Tönung raten anstatt zu färben. Dann sieht man nicht gleich so die Übergänge ...“
Die Hairstylistin, wie sie sich laut Firmenschild nannte, redete ununterbrochen auf Christian ein, als habe sich der Regisseur eines drittklassigen Films namens „Uschi, Herrin über Föhn und Haube“ die Szene ausgedacht. ? Er hörte längst nicht mehr zu. „Sehen Sie: Ist richtig natürlich, fast wie schwarz. Die meisten wollen mir das einfach nicht glauben: Hellbraun ist viel dunkler auf dem Kopf als auf der Palette ...“
Er nickte schon wieder, während die Friseuse auf ihn einredete, als hätte er ihr in irgendeiner Weise zu widersprechen gewagt.

Ich habe gleich gewusst, dass du ein Mann sein würdest. Gut siehst du aus, echt gut!“ Auf den Stufen vor der Eingangstür hatte ein schlanker junger Mann in der Vormittagssonne gesessen. Jetzt streckte er Aufmüpfer seine feingliedrige Hand entgegen.
Nein, nein, gewusst habe ich nicht, dass du gleich wiederkommen würdest, aber geahnt. Und wenn ich mich geirrt hätte, hätte ich auch nichts verpasst: Hier auf dem Dorf kann man das Wetter viel besser genießen als in Berlin.“
Wer sind denn Sie?“ Christian tat betont abweisend, obwohl er sicher war zu wissen, mit wem er es zu tun hatte. Vor allem, mit welcher Art von Mann. Schon der Hüftschwung bei jedem Schritt – der Mann schien einen Hula-Reifen über der Taille halten zu müssen – ließ keinen Zweifel. ...

Dienstag, 12. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1678

Es ist ein Versuch: Einmal möchte ich mich in Verbindung mit Hanna Fleiss erwähnen. Dabei kommt dann heraus, dass ihr "Sermon" zusammen mit meinem "Der Leitwolf" an den Start geht - auch das ist möglich bei den Gedichten des Tages ...

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Da ist die Fortsetzung der Kurzgeschichte schon selbstverständlicher:

Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (6)


... Etwa zur gleichen Zeit blätterte der so Durchgehechelte in den drei Illustrierten, die er zum Buchvertriebsmanagement benutzt hatte, um Marions Bild darin zu entdecken.Wenn er ihr das nächste Mal begegnete, wollte er besser vorbereitet sein. Sie hatte ihm eine Berliner Telefonnummer aufgeschrieben, und die Selbstdarstellungen der Singlelebensend-Kandidaten in der Zeitschrift waren recht umfangreich. Da musste sich doch etwas zum Anknüpfen finden lassen. Also ein Grund für einen Gegenbesuch. Eine solche Blamage wie beim ersten Mal wollte er dabei aber nicht noch einmal erleben.
Doch so sehr er sich mühte, er entdeckte weder ein Foto, das eine ausreichende Ähnlichkeit mit seiner Nachmittagsbesucherin hatte, noch fand er eine „Marion aus Berlin“.
War sie schon eine jener Bekannten, die durch die von ihm durchaus gewollte Schleichwerbung an sein Buch gekommen waren? Nein, dann wüsste sie von seinen Familienverhältnissen. Sie hätte das Foto im Einband gesehen und sich nicht über sein Äußeres gewundert. Eigentlich hätte ihm das schon bei ihrem Besuch auffallen müssen. Christian runzelte leicht die Stirn.
Oder sie hatte mit ihrer Freundin zusammen deren Zuschriften ausgewertet und seine für sich behalten. Ja, das würde es sein! Dann lohnte es ganz sicher, noch einmal Anlauf zu nehmen.
Christian Aufmüpfer strahlte übers ganze Gesicht. Eine junge Frau, die sich für ihn interessierte, die durfte er sich nicht entgehen lassen. Die würde er sich nicht entgehen lassen. Na warte, was du kannst, kann ich auch, brummte er zufrieden, während er das Computerprogramm aufrief, mit der er zu der bekannten Telefonnummer den dazugehörigen Adresseintrag aufrufen konnte …

Marion Minas war wütend. Mehr noch, sie war richtig sauer, stinkig … Es war einer der Nachmittage ohne Vorlesungen oder Studienveranstaltungen, die sie hätte mitmachen müssen. Sie hätte also lernen können, natürlich. Sie hätte aber auch Frank in ihrer Altbaubude haben können und dann keine Jeans an und etwas anderes auch nicht, nur Frank hätte sie gehabt und Spaß bestimmt und eine unbändige Lust, sich begehren, und bespringen zu lassen wie ein Kaninchen, so oft, doch viel, viel länger. Sie hätte seine aufheizenden Worte in den Ohren gehabt und sich in die Zunge gebissen, damit Krauses Besenstiel nicht wieder den Putz von ihrer Wand klopfte.
Scheißkerl!
Hätte sie den Streit vermeiden sollen? Sie mochte nicht darüber nachdenken. Sie wusch sich die Hände, bespritzte ihr Gesicht mit kaltem Wasser und streckte dem Spiegelbild die Zunge heraus, während sie sich sorgfältig trockentupfte.
„Dann eben nicht.“
Mit einem Achselzucken holte sie einen Hefter hervor. Für die Zwischenprüfung in Mathematik würde der Streit bestimmt gut sein. Mit Frank zusammen blieb es nie lange beim ernsthaften Studieren.Es klingelte etwas verhalten.
Ach, Frank ... Das hätte sie ihm nicht zugetraut, dass er sich entschuldigen kommen würde. Doch das Lächeln lag längst in der kleinen Wangengrube, und sie keuchte wie nach einem 5000-Meter-Lauf, bereit, sich in die Arme des hinter einem monströsen Blumenstrauß verborgenen Mannes zu stürzen.
„Dass ich derart sehnsüchtig herbeigewünscht werden könnte, hatte ich allerdings nicht erwartet.“
Christian Aufmüpfer ließ seinen Strauß sinken, so wie das Mädchen ihm gegenüber die Arme sinken ließ. „Es scheint, der Empfang galt einem anderen und ich komme ungelegen … Aber die Blumen nimmst du mir doch wenigstens ab, bevor ich wieder gehe.“ ...




Montag, 11. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1677

Frühlingsspiele im Gedicht?


Die Assoziationen, die ein Mensch hat, sind manchmal seltsam. BeiBrunhild Hauschilds Gedicht kam mir als erstes ein Stück Scherzgedicht in den Sinn: " ... Das schien mir wie ein Frühlingshauch... und Pilze suchen wollt es auch ..." Danach fiel es mir schwer, das vorliegende Gedicht zu würdigen, obwohl es sich ja lohnt. So etwas kann ein Autor schwerlich voraussehen. Er muss es allerdings, wenn vielen potentiellen Lesern dieselben (unerwünschten) Assoziationen kommen ...
Stammbesucher dieses Gedichteblogs werden es wissen: Die übliche Aversion gegen Spinnen habe ich mir nicht zu Eigen gemacht. Sie spielen also im Projekt "Voran zur Natur" keine negative Rolle ... nur eine eigentümliche: "gefunden" ...



Die Kurzgeschichte kommt ohne Frühling aus:


Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (5)


... Christian war sich nicht sicher, ob er Marions Angebot wirklich angekommen hätte, aber auf keinen Fall hätte er ihr doch offenbaren können, warum es an diesem Tag, zu dieser Stunde gerade nicht möglich war.
Wie groß wäre seine Überraschung gewesen, hätte er am nächsten Tag seine Frau Rita am Arbeitsplatz besucht.
Dort saß sie vor ihren Computereingaben und lauschte amüsiert den Worten der ihr zugeteilten Praktikantin:
„... Er muss wohl Dutzende Frauen angeschrieben haben. Jedenfalls hatte ihr Mann nicht die blasseste Ahnung, welche Marion ich sein könnte. Und ich war wohl wirklich die Erste, die ihm körperlich gegenüberstand … Wenn sich Verlegensein noch steigern ließe, dann wäre dieser Ausdruck für ihn angebracht gewesen.“
„Und hat er dich nun angemacht?“
„Wie denn? Ich hab' doch gleich gesagt, in dieser Lage kann nichts werden. Seinen Denkzettel hat er weg. Hatte der die Hosen voll. Aber wenn Sie vorher angerufen hätten, dass sie mit den Kindern noch eine Weile unterwegs sind, einkaufen zum Beispiel … also ich kann für nichts garantieren ...“
Rita schluckte.
„Hat er was gemerkt?“
„Kaum. Das mit dem Versicherungsvertreter hätte ich nicht sagen sollen“
„Wieso nicht?“
Die beiden Frauen tippten intensiv auf ihren Tastaturen, denn ein etwas jungenhaftes Chefgesicht blickte in den Raum.
„Na, Frau Aufmüpfer, kommen Sie mit der Neuen zurecht? Keine Sorge, es sind ja nur vier Wochen.“
Schon hatte sich die Tür des Abteilungsleiters wieder hinter ihm geschlossen.
„Keine Sorge? Ob ich mit ihm als Neuem zurechtkomme, fragt ja auch keiner. Keine Angst, es sind alle Chefs vor ihm schnell wieder verschwunden, ich werde mich kaum an ihm gewöhnen müssen ...“
Die Sachbearbeiterin hatte das wohl mehr für sich gebrabbelt, doch dabei wechselte sie einen Blick des Einverständnisses mit der Studentin.
„Wenn sich Ihr Mann nun noch mal meldet, wie soll denn dann reagieren?“
„Der doch nicht. Der ist froh, wenn er auf seinen Künstlerturm steigen kann. Oder meinen Sie, der hätte mit seinem Vertreterexperiment Erfolg gehabt? Also dafür ist er viel zu unmodern. Der ist ja nicht einmal auf die Idee gekommen, dass da irgend so eine Lissy oder wie die sich nannte, im Internet unsere Telefonnummer finden könnte und mich anrufen würde. Ob ich weiß, wie sich mein reizender Mann seine Inspirationen verschafft. Allein, wie die Insiration schnurrte, war das Erlebnis wert, mit der telefoniert zu haben … Nachher, ja nachher hätte er bestimmt erzählt, er hätte nur ein wenig Praxis gewinnen wollen … Egal. Wir werden schon mit ihm fertig. Wenn er dich anrufen sollte, sagst du mir Bescheid. Der wird einen Empfang erleben, dass er die nächsten drei Jahre Schreibblockaden hat. Eigentlich schade, dass er sich so was nicht wirklich traut. Vielleicht würden dann wenigsten seine Geschichten weniger trocken ...“

Etwa zur gleichen Zeit blätterte der so Durchgehechelte in den drei Illustrierten, die er zum Buchvertriebsmanagement benutzt hatte, um Marions Bild darin zu entdecken.Wenn er ihr das nächste Mal begegnete, wollte er besser vorbereitet sein. ...


  

Sonntag, 10. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1676

Morgen stehen die "Gedichte des Tages" für Extreme: Auf der einen Seite ein wunderschönes Trauergedicht ... auf der anderen etwas Heiter-Ironisches ...


Ursula Gressmann meldet sich zurück. Das allein wäre bereits Grund zur Freude. Doch wenn ich mich nicht irre - ich lasse mich gern eines besseren belehren - hat sie in "nacht" für einen Sachverhalt, der besonders oft mit Euphemismen umschrieben wird, einen wirklich neuen lyrischen Euphemismus gefunden ... Und im Klang der Wörter findet man Uschi Gressmann wieder ...
Ein solches wunderbares Gedicht bedarf eines "Gegenstücks" ... und da sich der notwendig kommende Frühling gerade zickt, ärgern wir ihn mit einem Storchgedicht - übrigens eines, dass auf einer wahren Geschichte beruht: "Rudi aus Rühstädt" ...


Dafür ist die nächste Fortsetzung der heiteren Kurzgeschichte eindeutig:

Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (4)


... „Was lachst du? Bin ich immer noch voller Wasserflecken?“
„Ach wo! Aber ich hatte mir halt so ein Bild von dir gemacht. Und da warst du irgendwie ausgeflippter. Nicht so stinknormal wie ein Versicherungsvertreter ...“
Christian verschluckte sich, hustete, rang nach Luft.
„Sehe ich so aus?“
„Ja … Ich meine, nein, natürlich nicht. Na ja, vielleicht ein bisschen.“ Sie lächelte wieder. „Sag mal, die Couch lässt sich nach hinten klappen?“
„Warum?“
Blöde Frage, natürlich. Das wurde dem Mann sofort bewusst, kaum dass er den Mund aufgemacht hatte.
Außerdem sah sie ihn jetzt so eindeutig anzüglich, richtig auszüglich an, da gab es am Sinn der Frage keinen Zweifel.
Sie ist einfach entzückend, dachte er, sie ist richtig hübsch und – mein Gott, gleich klingeln die Kinder ...
Er schluckte. „Eigentlich habe ich so meine Grundsätze“, fantasierte er rasch. Nicht gleich beim ersten Mal. Da kann man sich nicht mehr steigern, weißt du? Nicht, dass du mir nicht gefällst. Beleibe nicht. Aber wir sehen uns wieder, ja? Du hast doch Telefon? Ich ruf' dich an, wenn ich in deiner Nähe bin.“
Bei diesen Worten war er aufgestanden.
So gründlich hatte er den Rauswurf gar nicht gewollt. Ehe er sich recht besonnen hatte, war Marion aus seinem Haus und sicher auch aus seinem Leben verschwunden.
„Puh!“, rief er und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Geschafft!“
Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Christian Aufmüpfer wusch sorgfältig ab, trocknete ab, räumte alle erkennbaren Spuren des unheimlichen Besuchs weg und setzt sich wieder an seinen Schreibtisch, ohne dass ihm etwas Vernünftiges eingefallen wäre. Wo blieben seine Kinder?
Da klingelte es.
Er stürzte regelrecht zur Haustür und entgeistert stand er nicht nur seinen beiden Sprößlingen, sondern auch seiner Frau gegenüber..
„Ich hatte heute Vormittag einen Kundentermin auswärts“, sagte Rita und gab ihm einen leichten Kuss auf die Wange, „und mein Chef hat gesagt, ich brauch' nicht unbedingt wiederzukommen. Da dachte ich, fahr ich gleich nach Hause und überrasche dich. Unterwegs fiel mir ein, ich könnte ja auch die Kinder abholen, und dann haben wir noch zusammen ein Eis gegessen. Deshalb sind wir jetzt erst hier.“
„Ein Glück! …“, stammelte Aufmüpfer. „Ich meine, ein Glück, dass wir heute mal alle zusammen sind.“

Christian war sich nicht sicher, ob er Marions Angebot wirklich angekommen hätte, aber auf keinen Fall hätte er ihr doch offenbaren können, warum es an diesem Tag, zu dieser Stunde gerade nicht möglich war.
Wie groß wäre seine Überraschung gewesen, hätte er am nächsten Tag seine Frau Rita am Arbeitsplatz besucht. ...






Samstag, 9. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1675

Die sonntäglichen "Gedichte des Tages" sind sehr tagaktuell.


Es sollte logisch sein, dass auch wenn der "alte Winter in seiner Schwäche" "fliehend nur" sich gelegentlich zurück meldet, häufiger der Frühling Thema von Gedichten ist. Wem das nicht gefällt, der kann sich ja Frühling als Symbol für die große Menschheitsrevolution nehmen. (Das würde ich aber nicht empfehlen: Jedem Frühling FOLGT auch Herbst und Winter ...)
Beginnen wir mit gehäkelten Mäuseohren, die Brunhild Hauschild in "Sich entrollender Frühling" entdeckt. 
Der alte Winter der vorvernünftigen Menschheitsunordnung hat sich auch zurückgemeldet ... leider nicht nur fliehend. Dabei kommt einiges Geschmackloses in unsere Verdauungsorgane ... wofür Hanna Fleiss keinen Gedichttitel finden mag. "Wir kommen nicht mehr raus"


Die Prosageschichte geht einfach weiter:

Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (3)


 ... „Hallo, ich bin die Marion.“ Sie lächelte Christian an und klimperte ein wenig mit den Augenlidern. „Guck nicht so komisch. Du hast mir doch auf meine Singleanzeige geschrieben. Na, und nun bin ich zufällig hier in der Ecke. Da dachte ich, schaust du einfach mal rein. Was ist denn? Willst du mich nicht reinlassen?
Mechanisch gab Aufmüpfer die Haustür frei.
Marion - welche Marion eigentlich? - Marion also sah ihm in die Augen, als suche sie nach einem tiefen Versteck.
Später hatte Aufmüpfer nicht mehr ergründen können, wie die Sache weiterging. Er erinnerte sich aber genau daran, dass er „Um Himmels willen“ dachte und im gleichen Augenblick zur Seite trat.
„Komm doch rein. Wenn du schon so einen weiten Weg hinter dir hast – du hast doch einen weiten Weg hinter dir? - dann wirst du doch einen Moment Zeit haben, bis der Kaffee fertig ist?“ Er nahm ihr den Mantel ab
Marion nickte freundlich. „Ja, natürlich. Mach nur.“
Sie setzte sich auf die ihr zugewiesene Couch im Wohnzimmer und ließ ihre Blicke schweifen.
Aufmüpfer überlegte angestrengt. War er eigentlich Single? Also in Marions Augen? Ach nein, wenn sie sein Buch gekauft hatte … Andererseits … wieso war sie dann hier? Hatte sie das Buch vielleicht nicht besorgt und fand ihn nur interessant, weil er ein Künstler war?

In Christian Aufmüpfers Kopf purzelten die Gedanken munter durcheinander. Seine Hände zitterten; er verschüttete Kaffeepulver, er verschüttete Wasser …
„Soll ich dir helfen kommen?“
„Nein, nein, schon gut. Ich bin nur … naja, irgendwie hast du mich ein wenig überrumpelt.“ Er räusperte sich verlegen.

Wie spät war es eigentlich?
Aufmüpfer betrachtete entgeistert die Küchenuhr. Zehn vor halb drei.Martin und Nicole hätten schon längst da sein müssen. Ob sie den Bus verpasst hatten? Dann käme der nächste halb vier. Oder ob was passiert war? Quatsch, da hätte jemand angerufen. Also hatte der Bus etwas Verspätung oder sie bummelten auf der Straße vor der Tür. Dann konnte es jeden Augenblick klingeln.


Warum sollten ihn aber nicht die Kinder aus seiner vergangenen unglücklichen Ehe besuchen? Gibt’s doch, so etwas, oder? Wie er allerdings seinen Kindern den weiblichen Gast erklären sollte, darüber wollte er lieber nicht nachdenken..
Im Bemühen, nicht auch noch den fertigen Kaffee zu verschütten, und mit dem Gedanken: „Ist doch alles ganz normal. Ist doch alles ganz normal“, betrat er wieder das Wohnzimmer.
Marion stand vor der Anrichte und für einen flüchtigen Moment bot sich Aufmüpfer der Blick auf ihre hinreißende Rückfront. Dann drehte sie sich mit einer Porzellanpuppe in der Hand um und fragte entgeistert: „Was ist normal?“
„Ach nichts. Ich habe nur laut gedacht.“
„Aha.“ Vorsichtig stellte Marion die Nippesfigur zurück an ihren Platz.
Christian war froh, noch ein paar Stückchen Streuselkuchen gefunden zu haben. Im Wechsel von Trinken und Kauen würde ihm hoffentlich etwas Vernünftiges einfallen.
Währenddessen musterte ihn das Mädchen ungeniert und offenbar belustigt.
„Was lachst du? Bin ich immer noch voller Wasserflecken?“
„Ach wo! Aber ich hatte mir halt so ein Bild von dir gemacht. Und da warst du irgendwie ausgeflippter. Nicht so stinknormal wie ein Versicherungsvertreter ...“
...





Freitag, 8. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1674

Beginnen wir mit einer thematischen Ausgabe der "Gedichte des Tages":

Das von Hanna Fleiss angeregte Thema des Tages: "Nachbarn". Als ich ihr Gedicht las, erinnerte ich mich sofort, dass auch ich mich darn versucht hatte: "Nachbar". Beiden Gedichten geht das Lachen ab ...


Die Kurzgeschichte geht weiter - beabsichtigt, in einer Sammlung von Heiterkeiten aufzutauchen ...

Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (2)

,,, Hach!“ Mit einer Siegerpose reckte er seine rechte Faust in die Luft.
„Für Geld kann man das schon mal machen. Denn Geld und Ruhm werden rauskommen dabei.“
Für Aufmüpfer war alles klar. Was würde geschehen? Die Mädchen würden der Aussicht nicht widerstehen können, persönlich mit einem Künstler wie ihm vertraut werden zu dürfen. Also würden die meisten seine Zuschrift herausfischen und in den Buchhandlungen nach seinem Buch fragen. Es wäre nicht da, müsste – und würde – bestellt werden, und wenn dann die Bestellung abgeholt würde, würden die Mädchen erfahren, dass er mit Weib und zwei Kindern zusammenlebte.
In ihrer Entrüstung darüber verbreiteten sie sicher ungewollt noch seinen Ruhm in der Bekanntschaft. Dann würden sie den Kopf schütteln und sein Buch zur Seite legen. Natürlich erst nach dem Lesen. Sie würden es interessant finden und ihren Freundinnen davon erzählen. Melden würde sich jedenfalls keines der Mädchen bei ihm und er brauchte sich auch nicht mehr zu melden. Und … es traf ihn wie der Blitz: Das ging sogar mit den Männern!
Natürlich durfte er nicht „Liebe“, sondern musste „Lieber ...“ schreiben, und untendrunter musste er mit „In (vielleicht mal) Liebe, Chris“ unterschreiben, den Restbrief konnte er lassen.
Nun her mit den Namen und Adressen, und los ging's mit den Serienbriefen – schade, dass er sie nicht als Infopost abschicken konnte. Die hätten dann aber einfach zu unpersönlich gewirkt.
Die nächste Nummer der besagten Zeitschrift erschien, ohne dass eine Reaktion von einem Singlepartner im Briefkasten gelandet wäre. Der Verlag hatte sich zwar nicht bei ihm gemeldet wegen einer Neuauflage seines Buches, aber Aufmüpfer war sich fast sicher, dass seine Masche funktionierte.
So wiederholte er das Spiel nun schon mit einiger Routine.
Er achtete auch nicht mehr so penibel darauf, immer der Erste am heimischen Briefkasten zu sein. Es würde wohl nichts passieren.
Eigentlich schade, dachte er. Neben der Verkaufsmasche hatte er damit geliebäugelt, mal so richtig scharfe Fanpost zu bekommen, solche, bei der es besser war, dass Rita sie nicht zu Gesicht bekam. Aber der Erfolg ging natürlich vor. Erfolgreiche Künstler werden immer auch als sexy erkannt. So wartete er gelassen auf die folgende Monatsausgabe.
Weitere zwei Wochen vergingen. Seine Frau Rita hatte sich erst gewundert über sein plötzliches Interesse an einer Frauenzeitschrift, es aber schnell wieder vergessen. Es gab Wichtigeres zu erledigen.
Die Aktion Kontaktanzeigen war fast schon in Bedeutungslosigkeit versunken, da klingelte es an der Haustür.
Vor Aufmüpfer stand ein Mädchen, das er trotz seiner Überraschung sofort reizend fand.
„Hallo, ich bin die Marion.“ Sie lächelte Christian an und klimperte ein wenig mit den Augenlidern. „Guck nicht so komisch. Du hast mir doch auf meine Singleanzeige geschrieben. Na, und nun bin ich zufällig hier in der Ecke. Da dachte ich, schaust du einfach mal rein. Was ist denn? Willst du mich nicht reinlassen?“
...



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