Sonntag, 7. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1788

1. Prosa

Slov ant Gali: Planet der Pondos (5)
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... Die hellgrünen Gesichter der anderen waren übersät mit Hitzeflecken. Alle blickten betreten die Mutter an. Die aber schimpfte weiter: „Und wer ist mittendrin? Orgios! Solltest du nicht deine Erziehungswoche dazu nutzen, dass die Kinder zu Hause etwas lernen und anständige Umgangsformen annehmen? Aber was machst du? Was soll da nur aus den Kindern werden?“ In ihren grünen Grübchen zuckte es schon verdächtig. Plötzlich hielt auch sie es nicht aus. Sie schleuderte sich ihrer Familie entgegen. „Na wartet!“ war das letzte, was die anderen verstanden, dann übertönten unartikulierte Laute jedes Wort.
Natürlich verbündeten sich alle gegen Vater Orgios. Was den einzelnen Kindern anfangs misslungen war, gelang nun mit gemeinsamer Kraft: Jeder hielt je einen Arm oder ein Bein fest. Niemand protestierte dagegen, dass ausgerechnet Lutara am eifrigsten Klavier zwischen Orgios? Rippen spielt. Salio war schon ziemlich erschöpft, hätte das aber nie zugegeben.
Ganz unauffällig veränderte sich die Szene. Onja bemerkte es als erste. Orgios wehrte sich immer weniger heftig, und dann sah Onja den noch geschlossenen Anker zwischen den Beinen des Vaters hervorwachsen. Bald würde er sich öffnen. Onja wusste, wie glücklich es Mutter Lutara machte, wenn sie als Hafen den Augenblick des Ankerns genie?en konnte. Dabei hätten die anderen gestört. Onja gab Pedo einen Wink. Der begriff sofort. Zusammen packten sie je zwei der laut protestierenden und in der Luft rudernden Kleinen und trugen sie aus dem Zimmer. Orgios lag reglos auf seiner Matte. Er lächelte seinen Kindern hinterher. Das bemerkte Onja schon nicht mehr. Mit warmer Stimme trug sie den Kleinen Schlaflieder vor. Pedo spielte dazu auf seiner siebensaitigen Jatta. Allmählich gelang es ihnen, die jüngeren Geschwister zur Ruhe zu bringen. Von dem ahnte Orgios nur wenig. Er hörte fast gar nichts mehr, denn sein Anker lag auf Grund.
Onja fing einen bewundernden Blick ihres Bruders auf. Sie fand es ja auch umgekehrt wunderbar, so einen gro?en Bruder zu haben. Seit ihre Zitzen die sie überdeckenden Sonnenblätter gelichtet hatten, war er noch fürsorglicher zu ihr als früher. Oder lag es daran, dass sie ihn als einzige nicht ausgelacht hatte, damals, als ihm einfach so inmitten der Schulkameraden der Anker ausgefahren war? Da hatte sie sich so lange vor ihn gestellt, bis er sich wieder beruhigt hatte.
Anfangs summten die jüngeren Geschwister mit. Irgendwann fielen ihnen die Augen zu. Onja und Pedo kontrollierten, ob sie eingeschlafen waren. Es sah ganz so aus. Dann schlichen sie zur Tür vom Wohnzimmer. Lauschten. Dort grummelte es leise und gleichmä?ig.

„Sie schlafen. Ineinander!“ ...

***

.2. Lyrik - Die "Gedichte des Tages" morgen ...

Ich bin schwerfällig und verpasse mitunter das Beste. Und werde ich auf etwas hingewiesen, begreife ich es zu spät. Dabei hatte sich Brunhild Hauschild doch Mühe gegeben, zu verhindern, dass ich auch in diesem Jahr den Weltkusstag verpasse.

Zum Weltkusstag

Ein Kuss
ist ein Genuss,
ist Jungbrunnen pur,
ist Öko und Natur,
ist Schönheitskur.

Sei nicht so stur,
schau nicht zur Uhr
und küss‘ mich nur
in einer Tour
in Moll und in Dur.


Und nicht nur dieses Gedicht, sondern noch ein anderes, das angeregt durch einen meiner Schlimmericks offenbar übers Küssen hinausgedacht hatte: "Marian".
Wahrscheinlich brauche ich aber den Stachel, der noch unvermutet hintendran kommt wie beim Liebesgedicht von Gunda Jaron: "H2O speziell für dich".

Samstag, 6. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1787



Slov ant Gali: Planet der Pondos (4)

Onja kannte das schon. Wieder der übliche Krach. Wieder war der Streit garantiert nicht ernst gemeint.
Ihr Vater Orgios hatte wie immer anfangs im Wohnzimmer im Obergeschoss faul auf seiner Matte gelegen und getan, als schliefe er. Natürlich hatte er gehört, wie Mona und Salio die Treppe hoch gestürmt waren. Natürlich ohne an ihn zu denken. Sie rissen die Tür auf, Mona erstarrte vor Schreck. Nur nicht den Vater aufwecken! Schlie?lich packte sie Salio am Arm und drängte ihn rückwärts von der Tür weg. Orgios lag noch einen Moment still. In ihm kämpfte die Freude, wie rücksichtsvoll seine Kinder waren, mit der Erwartung einer lustigen Balgerei. Aber dann hielt er es nicht mehr aus. Kurz bevor Mona und Salio die Tür zugezogen hatten, prustete er los. Im Nu schnellten die beiden Zehnjährigen wie Lo-Bälle in den abgedunkelten Raum. Nach Salios Meinung war nun nur eines zu tun: Papa bestrafen. Und zwar hart: Salio versuchte, Papas Arme festzuhalten, während Mona die eigentliche Bestrafung vornehmen sollte. Die hätte in einem ausgiebigen Abkitzeln bestanden. Das fiel Mona aber schwer. Freilich zuerst sah es so aus, als ließe sich Orgios von Salio ablenken. Mona bekam den linken Fu? zu fassen und kraulte die väterliche Fußsohle. Nun zuckte Orgios mit dem ganzen Körper. Dabei rächte es sich, dass Monas Hände noch nicht gro? genug waren, um die beiden Knöchel des Vaters zu umfassen. Schlie?lich schlug er auch noch mit dem freien Fu? aus. Er musste dabei die Arme anheben. Pech für ihn: So bot er Salio die Chance, die Finger zwischen seine Rippen zu drücken. Das Knäuel kugelte über die Matte. Bald hätte niemand mehr sagen können, wer bei wem was gemacht hatte, erst recht nicht, wer dabei lauter brüllte, quiekte und lachte. Wahrscheinlich war das Orgios mit der auffälligsten Stimme von allen.
Langsam füllte sich das Zimmer: Angelockt von dem Gebrüll öffneten zuerst Liota und Orit die Tür. Die Zwillinge waren gerade drei Jahre alt und noch sehr zurückhaltend. Sie begriffen nicht, dass mit ihrem Vater Unsinn getrieben wurde, vor allem, dass der das beabsichtigt hatte. Schlie?lich kam Onja dazu mit ihrem großen Bruder Pedo. Die beiden sahen sich kurz an, erkannten ihre Chance, stürzten sich begeistert auf den Haufen, was die beiden kleinen Mädchen als Aufforderung verstanden, nach Papas frei in die Luft ragenden wackelnden Zehen zu haschen. So merkte niemand, dass Mutter Lutara zur Tür hereinsah, dann wieder verschwand und schlie?lich mit einer riesigen Glocke zurückkam. Die schwang sie mit aller Kraft. „Ruhe! Nach einem ordentlichen Arbeitstag darf eure Mutter wohl entspannen, wenn sie wieder zu Hause ist.“

Die hellgrünen Gesichter der anderen waren übersät mit Hitzeflecken. Alle blickten betreten die Mutter an. Die aber schimpfte weiter: „Und wer ist mittendrin? Orgios! Solltest du nicht deine Erziehungswoche dazu nutzen, dass die Kinder zu Hause etwas lernen und anständige Umgangsformen annehmen? Aber was machst du? Was soll da nur aus den Kindern werden?“ ...


Der Tag rückt näher, an dem die "Terrororganisation namens CIA" (Volker Pispers) einen Pusch gegen die demokratisch gewählte Regierung Chiles durchführte. 40 Jahre ist es am 11. September diesen Jahres her, seit dieses ungesühnte internationale Verbrechen der Weltgeschichte eine Wendung zum Schlechten verpasste. Es ist nicht leicht, diesem Anlass entsprechend zu dichten. Man sollte zumindest auf bestimmte Traditionen anspielen. "Am Ozean dem Stillen" versucht das ...
Es kann natürlich sein, ich sollte in meinem "Anspruchsdenken" eine Etage runtersteigen ... mindestens ...

Freitag, 5. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1786

Hatte ich erwähnt, dass man den ganzen Roman bestellen und kaufen kann? Das eignet sich als ideale Entschuldigung, die Präsentation an beliebiger Stelle zu beenden:

Slov ant Gali: Planet der Pondos (3)

... Uljana sah sich durch die Luft fliegen, sah eine blendend helle Lampe über sich, spürte das Jucken überall, wo sie sich nicht kratzen konnte. Es half nichts. Wieder Dunkelheit.
Uljana musterte die Anzeigen auf dem Kasten. War sie krank? Manches war eindeutig beschriftet. Mit einigen Werten konnte sie sogar etwas anfangen. Der Herzschlag zum Beispiel war in Ordnung. Temperatur, Atemfrequenz. Selbst der Hämoglobinwert.
Dieses eintönige leise Summen... Uljana war sich sicher, dieses Geräusch früher noch nie gehört zu haben. Was war das? Sie lehnte sich wieder zurück, fühlte sich müde. Grübelte. Kalt war es nicht in dem Saal. Trotzdem. Warum lag sie nackt in einer Schale mit Deckel?
Sie schloss die Augen. Bilder, denen die Farbe fehlte. Langsame Bewegungen, dann wieder ein Ruck zum nächsten Bild. Ein Mann lächelte sie an. Sie streckte sich auf einer Liege aus. Freiwillig. Nackt. Aber warum?
Uljana zitterte. Jetzt! Das waren sie, die richtigen Bilder. In denen lag der Schlüssel ....
Eine Schwester strich ihr über die Stirn, richtete eine Spritze auf die Armbeuge … dann sah Uljana nichts mehr. Oder noch ganz kurz hinter der Schwester ihre Debbie.
Mum? Uljana sah sie deutlich vor sich. Debbie, ihre Mutter. Aber gleich in zwei Gestalten: Als ganz junge, wunderschöne Frau mit vollen, lockigen Haaren und als eine nicht mehr ganz so junge, immer noch attraktive. Wahrscheinlich während der Operationsvorbereitung in der Kinderzeit und bei dem Ereignis, an das sie sich unbedingt erinnern musste.
Uljana hörte das Blut im Ohr pulsieren. Wie bekäme sie endlich Ordnung in ihren verwirrten Schädel? Und woher kam der Gedanke, ihre Mutter läge gleich im nächsten Sarg? Sie brauchte nur aufzustehen und sich zu überzeugen? Es gab einen Grund für diese Sicherheit. Nur welchen?
Uljana wendete sich wieder dem Kasten mit seinen vielen Anzeigen zu. Schalter, Hebel, Druckknöpfe, …da stimmte doch etwas nicht. Es passte nicht zu den Erinnerungen. Also zu denen, die ganz dicht waren wie ein Wort, das man kennt und das einem genau in dem Moment, wenn man es aussprechen will, nicht einfallen will.
Die Akustiksteuerung! Das war es. Wieso war hier keine Akustiksteuerung installiert? Nahezu alles konnte man früher ansprechen und damit das jeweils gewünschte Programm aktivieren. Warum jetzt nicht? Oder doch? Also ausprobieren. Was wollte sie? Erst einmal „Kontakt lösen!“ Uljana sagte es laut, klar und deutlich.
Nichts geschah. Vielleicht mit einem anderen Kommando? Oder musste sie anstatt dessen unbedingt auf einen der Knöpfe drücken? Bloß auf welchen? Auf den grünen, über dem das Kabel zum Kopf endete? Schließlich streckte sie zaghaft eine Hand in Richtung Kasten aus und drückte auf den grünen Button. Das Gerät brummte auf. Ganz kurz schreckte Uljana zusammen. Warf sich auf die Unterlage. Noch während dieser Bewegung sprang das Kabel von ihrem Kopf ab. Dafür schoben sich zwei mechanische Hände aus den Seitenfronten ihres Behälters. Sie begannen ihre Haut zu massieren. Uljana schloss die Augen. War das angenehm! Sie hätte sich dehnen und strecken wollen. Die Massage vertrieb sowohl das Kribbeln als auch die unerklärliche Taubheit der Haut. Weiche Finger brachten endlich die Durchblutung in Ordnung. Zum ersten Mal, seit Uljana erwacht war, ohne zu wissen wo, fühlte sie sich wohl. Das könnte ewig so gehen, dachte sie noch. Dann verschwand alles um sie herum.
Irgendwann ertönte ein schmatzendes Geräusch und die beiden Strippen mit den Massagefingern wurden wie von unsichtbarer Hand in die Seitenverkleidung des Behälters zurückgezogen.

Die angenehmen Schauer wirkten nach. Erst allmählich fand Uljana wieder in ihren Behälter zurück. Sie fühlte sich wohlig schlaff. Jetzt einen Moment ruhen, dachte sie, und dann wäre alles wieder in Ordnung. Erneut war sie eingeschlafen. ...  



***

Nun noch eine besonders kurze Anmoderation bei den morgigen Gedichten des Tages:

Anknüpfend an die gestrige Idee fürs Gehirnjogging hier zwei weitere Produkte:

Donnerstag, 4. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1785

Weiter mit der Leseprobe des ersten erschienenen SF-Romans von Slov ant Gali:

Slov ant Gali: Planet der Pondos (2)

... Dafür kam eine andere Frage zurück. Wo lag sie eigentlich? Die Haut ihres Rückens verriet, es war kein Bett.
Uljana hob eine Hand, drückte den Zeigefinger auf die Nasenspitze, landete fast auf der Oberlippe. Immerhin. Sie hatte Arm, Hand und Finger fast genauso bewegt, wie sie es vorgehabt hatte, wenn auch mit Mühe. Nur die Haut kam ihr irgendwie taub vor oder ... zumindest nicht normal.
Nun den ganzen Oberkörper hoch. Gut gesagt. Erst nach drei Versuchen gelang es. Uljana stie? dabei gegen einen Deckel über sich, der ihr bisher nicht aufgefallen war. Glücklicherweise war er nicht schwer und lie? sich mühelos hochklappen. Beruhigt, fast schon vergnügt, stellte Uljana fest, dass sie dazu den Arm, der eben noch so schwer gewesen war, bereits ohne gro?e Probleme gestreckt hatte.
Noch immer war es ziemlich dunkel. Andererseits hell genug, dass Uljana Wände ringsum erkannte. Und viele Einzelheiten der sie umgebenden Halle. Als dimmte jemand eine versteckte Lampe hoch, sobald sie sich aufrichtete. Doch, ja, es war genau in dem Moment heller geworden, in dem sie den Deckel hochgesto?en hatte, um sich aufzusetzen. Löste sie den Effekt demnach selbst aus? Nur vorsichtig! Mit dem Blind- und dem Gelähmtsein hatte sie schon zwei voreilige Schlüsse gezogen. Das reichte.
Uljana sah sich unsicher um. Sie lag am Ende des Raums, an einer Tür. Die Halle war lang gestreckt und kam ihr fremd vor. Sie wurde durch einen schmalen Gang in der Mitte in zwei gleiche Hälften geteilt. Auf beiden Seiten ragten Behälter von etwa zwei Metern Länge und einem Meter Breite aus der Wand. Alle von derselben Art wie ihrer. Uljana schätzte auf jeder Seite mehr als hundert. Erschauerte. Särge! Wenn die Behälter überhaupt etwas ähnlich sahen, dann Särgen. Zumindest war die ?hnlichkeit verblüffend. Solche Szenen gehörten in Horrorfilme. Oder Albträume! Uljana ballte ihre Finger zu Fäusten. Aufwachen! Warum wachte sie nicht endlich auf?!
Sie lie? sich wieder zurück fallen. Dabei merkte sie, dass der Untergrund an ihre Körperform angepasst war. Eine Art Schale. Kein Sarg. Wenn sie nur wüsste, wie sie in diese Halle gekommen war!
Also noch einmal aufrichten! Uljana durchfuhr ein stechender Schmerz. Ihr Kopf war über Kabel mit einem Schaltkasten verbunden, an dem Kurven und Zahlen blinkten. Auch die linke Armbeuge und der Bauchnabel hingen auf diese Weise an dem Kasten. An einem der Kabel hatte sie beim Aufrichten gezogen. Uljana nahm sich vor, sich nicht mehr dieser lähmenden Angst hinzugeben und sich nicht mehr ruckartig zu bewegen.

Sie versuchte mehr zu erkennen. Entdeckte nur die drei Leitungen. Also hing sie nicht an einem Tropf. Meldete sich gerade wieder eine Erinnerung aus frühen Kinderzeiten? Wahrscheinlich. Ein Arzt sagte zu jemandem, den sie nicht sehen konnte, „Der Fu? ist wohl nicht zu retten, aber wir wollen alles versuchen …“ Nein, an der Stelle hörte der Film auf. Seltsam. Uljana sah sich durch die Luft fliegen, sah eine blendend helle Lampe über sich, spürte das Jucken überall, wo sie sich nicht kratzen konnte. Es half nichts. Wieder Dunkelheit.

***

Jedem Autor widerfahren gelegentlich Augenblicke, da verstecken sich die Ideen für gute Ideen mit besonderem Geschick vor ihm. Da gibt es verschiedene Hilfsstrategien. Die häufigste ist die, absolut nicht an das "Manko" zu denken. Diese Strategie hat allerdings einen bösen Widerhaken: Man versuche einmal, an etwas NICHT zu denken. Mit exakt dieser Vorgabe denkt man eben doch daran. Ich schlage deshalb den Reimsport vor. Man nehme eine beliebige Form - die hat man ja drauf - natürlich nicht so hochgekunstete wie das Sonett. Und dann schreibt man auf Spaß komm raus was auf. Wenn ein Ergebnis vorliegt, lann man noch ein wenig feilen, dass das Produkt einen Sinn zu haben scheint.Auf diese Weise erfand ich die Gedichtform "Schlimmerick (1)". Und Reimpaare bilden kann auch jeder. Man darf sich dann natürlich nicht genieren, dass dann keine ernste Hochliteratur dabei herauskommt, manchmal bekommt man sogar halbwegs sinnvolle Gedanken in die Tastatur: "Vom Optessimisten".

Mittwoch, 3. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1784

2009 erschien der SF-Roman "Planet der Pondos" von Slov ant Gali. Inzwischen ist er sozusagen Autorengeschichte. Damit dieses Manuskript aber nicht völlig in Vergessenheit geraät, soll an dieser Stelle mit Leseproben erinnert werden. Zu erwerben ist das Buch weiter beim Lorbeer-Verlag Bielefeld:

Slov ant Gali: Planet der Pondos (1)


Sie hörte es brummen. Irgendwo im Hintergrund, gleichmäßig, leise, einschläfernd. Was ging es sie an? Es war weit weg. Dabei sollte es bleiben. Tröpfchenweise trat an die Stelle wohliger Schläfrigkeit eine vage Furcht.
Sie öffnete die Augen, versuchte sich umzusehen. Erkannte nichts. Sah absolut nichts. Nichts als Finsternis. Eigentlich konnte sie sich nur eine Erklärung vorstellen: Sie war blind.
Sie schloss die Augen wieder. Suchte nach vernünftigen Gedanken. Was war mit ihr los? Wo befand sie sich? Warum? Wie kam sie hierher? Träumte sie? Fragen ohne Antwort. Die Erinnerung war fast so schwarz wie die Umgebung. Die letzten Stunden, Tage, Monate, vielleicht Jahre – einfach ausgelöscht.
So, mit geschlossenen Augen, sah sie sich selbst als Kind von kaum fünf Jahren. Das konnte lange, sehr lange zurück liegen. Angeblich erinnerten sich Säufer zwar nicht an Ereignisse der letzten Stunden, wohl aber an die Zeit davor. Sie erinnerte sich weder an die nahe noch an die fernere Vergangenheit. Nicht einmal an ihren Namen. War das nicht absurd? Immerhin war ihr schon eingefallen, dass sie einen Namen haben musste.
Was hatte sie erlebt in jenem gerade verschütteten Lebensabschnitt? Sie kannte wenigstens noch die Worte ihrer Sprache, wusste, was sie bedeuteten, wusste, dass so etwas vorkommt, dass jemand sein Gedächtnis verliert durch Schocks oder Unfälle.
Vorsichtig hob sie den Kopf, sah ihre Brüste als aufgerichtetes Hügelpaar. Sie war also ein Mädchen. Warum sie sich einbildete, ein fast erwachsenes Mädchen und keine Frau zu sein, wusste sie nicht. Aber das war wenigstens etwas. Sie ließ den Kopf fallen. Wunderte sich. Hatte sie nicht gerade etwas gesehen? Jetzt umgab sie totale Schwärze wie zuvor.
Das musste ein Traum sein, versuchte sie sich einzureden. Also sollte sie besser weiter schlafen und später erfrischt aufwachen. Dann erwiese sich diese Art, aus einem Traum aufzuwachen, hoffentlich selbst als Traum. Welch verlockender Gedanke! Nur sprachen ihre Empfindungen dagegen, selbst, wenn sie ihr irgendwie unvollständig vorkamen. Vergeblich kämpfte sie gegen die Vorstellung an, keine Hände zu haben, keine Beine, eigentlich überhaupt keinen Körper vom Kopf an abwärts. Empfand man so, wenn man gelähmt war? War sie etwa …
Nein, sie spürte etwas. Ja, da arbeiteten Nerven! Nicht Schmerzen. Dort, wo sie endlich ihren Körper fühlte, war ihr, als ob Amei­sen über die Haut krabbelten. Blut floss, als hätte es selbst bis jetzt geschlafen. Das war ein Grund zur Freude: Ziemlich sicher war sie nicht gelähmt. Und blind wohl auch nicht! Dann klärte sich der Rest bestimmt auch bald.
Einen Moment lag sie still. Überlegte. Müsste sie nicht noch mehr als ihren Kopf bewe­gen können? Weit unten die Beine zum Beispiel? Sie konzentrierte sich ganz fest auf die Zehen. Das Blut fußwärts fließen lassen. Ganz ruhig. So ähnlich wie bei autogenem Training, und sie stutzte, warum ihr ausgerechnet das einfiel, ihr eigener Name aber nicht. Und dieses Kribbeln nahm immer mehr zu. Sie wollte sich kratzen und konnte nicht. Wer sollte sich da konzentrieren können!
Uli! Uljana Silberbaum. Hach! Ein Blitz! Das war ihr Name. Er war einfach wieder da! Sie atmete tief durch, freute sich und vergaß darüber fast ihren eigensinnigen Körper.

Dafür kam eine andere Frage zurück. Wo lag sie eigentlich? Die Haut ihres Rückens verriet, es war kein Bett. ...
***
Vorsicht: Diese Gedichte haben eine kritische politische Auffassung zum Inhalt. Wer sie liest, wird registriert. Eine künftige Einreise in die Freiheit der Vereinigten Staaten wird wegen Terrorverdachts eventuell unmöglich. Die Verfassungsschutzstaffel wird sie im Auge behalten.
Sollten Sie nicht abgeschreckt worden sein, denken sie an Pfarrer König "Einem König der Mutigen" und das Vehältnis der deutschen Industrie zu Tötungstätigkeiten in aller Welt "Drei identische Reime und ein einfacher".

(Das gehörte natürlich nicht mehr zur Leseprobe sondern kündigt die morgigen "Gedichte des Tages" an ...)



Dienstag, 2. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1783

Nach der gestrigen Rezension von Roger Suffo folgt gleich die nächste - ebenfalls zu einem Werk der DDR-Science Fiktion - und sei es nur, um nicht nur mit Verrissen aufzuwarten:

Rezension zu Klaus Klauß “Duell unter fremder Sonne”


Das Büchlein verdient auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit. 
Das Grundmuster ist einfache SF: Ein kleines Raumschiff ist unterwegs zu einem Planeten, auf dem es intelligentes Leben geben könnte. Unterwegs gibt es eine Katastrophe. Der Kapitän stirbt, das Raumschiff behält nur Reste seiner Manövrierfähigkeit. Zum Überleben müssen die fünf Kosmonauten ein fast unmögliches Landeunternehmen starten, in dessen Ergebnis sie voneinander getrennt werden. Sie geraten in die Welt eines Unterdrückungssystems. Deren Machtbasis erscheint mystisch: Der Besitz von „Mondfischen“ sichert gesundes Leben. Doch dahinter steckt der Schutz vor Strahlungsschäden. Doch wichtig ist, dass ein Volk Glatthaariger das der Krausköpfigen unterdrückt und zum Arbeiten für sie zwingt. Widerstand wurde bisher gewaltsam gebrochen. Die Menschen ähneln den Bewohnern, sind ihnen aber in Körperwuchs und Entwicklungsniveau überlegen. Ihre Vorgabe, sich nicht in die inneren Verhältnisse einzumischen, ist gegenstandslos geworden, weil sie zu Teilen der Lebensgemeinschaft werden – jeder durch den Zufall des ersten Kontakts und persönliche Eigenheiten anders. Dabei wird ausgerechnet der Kosmonaut, der das „sonnigste Gemüt“ hatte, schuldig. Er wird vorübergehend zum Werkzeug der Herrschenden. Andere werden zu Kämpfern, Gefangenen, letztlich zu Führungsgestalten in einem erfolgreichen Aufstand. Die Verknüpfung von Handlungssträngen, persönlichen Interessen und Handlungen ist dabei so komplex miteinander verwoben, dass kein Nacherzählen alles angemessen erwähnen kann. Auf kein Gestaltungselement wird verzichtet. Liebe, glückliche und unglückliche, Humor, gerade in den Versuchen zu kommunizieren, wenn die gegenseitigen Missverständnisse ausgekostet werden, Spannung und Dramatik.
Dabei versucht sich Klauß sogar daran, die Theorie des „sozialistischen Realismus“ praktisch umzusetzen: Er versucht die wesentlichen, die typischen Gruppen einer Gesellschaft in ihrem Wollen und Tun möglichst genau zu skizzieren. So gelingt es ihm auch, die Unterdrücker als eben nicht von Grund auf böse zu verurteilen. 
Es lohnt sich, das Buch mehrmals zu lesen. Die einzige Gestalt, die ich dem Autor etwas verüble, weil sie zu sehr Typ geworden ist, ist das Indio-Mitglied der Crew. Und für meinen Geschmack verzichtet die Randelana zu komplikationslos auf ihre Liebe zum Mann. 
Ein schmaler Band, opulent ausgestaltet. 

***
weiter mit den morgigen "Gedichten des Tages":

Ein Versuch war es wert. Ich habe mich an ein brenned aktuelles Thema gewagt mit einem Gedicht. Nun mag man über "Trauertöne für Tahir" diskutieren ... Das ist so eine Sache, wenn sich einem - und sei es nur in übertragenem Sinn wie bei Thomas Reich  "Die Schlinge" um den Hals zusammenzieht ...



Montag, 1. Juli 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1782

Wir hatten lange keine Rezension mehr im Programm.
Diesmal also von Roger Suffo eine

Rezension zu Paul Ehrhardt “Spuren im Mondstaub”


Was macht eine erzählte Geschichte spannend?
Also bei einem SF-Roman erwartet man ja zumindest Spannung, wenn es nicht eine sauinteressante Gesellschaftsutopie ist. Das ist „Spuren im Mondstaub“ nicht. Leider auch nur stellenweise spannend. Das liegt zum einen an der Grundkonstellation. Es gibt keinen Gegner. Beim Kampf Mensch – Natur bzw. gegen die Relikte einer fremdkulturellen Vergangenheit erwartet der Leser von Anfang an den Sieg der Menschen. Auf die Tricks der Katastrophenfilme verzichtet der Autor auch. Er kontruiert zwar eine theoretisch ungeheure Bedrohung durch die unsicher werdende Antimaterie-Lagerstätte der untergegangenen Zivilisation der „Seleniden“ auf dem Mond, die den Erdtrabanten total zerstört hätte. Aber es tickt eben nicht unmittelbar und niemand zweifelt, dass die Menschen alle nötigen Informationen entschlüsseln und verwenden können.
Den einzigen Konfliktansatz verwandelt Ehrhardt in eine dramaturgische Sackgasse. Dass die weibliche Heldin zu einem Menschen geht, weil sie ihn für zumindest moralisch schuldig am Unfalltod ihres Geliebten hält, ist eine reizvolle Idee. Dass sie sich in den verliebt, ein nicht ungewöhnliches Handlungsmuster. Aber das Buch enthält keine Handlung, die sich aus diesem Ansatz ableitete. Ira und Ben verhalten sich exakt so, wie sie das auch getan hätten, wären sie aus beliebigen Gründen in ein Forschungsteam zusammengesteckt worden.
Leider stinken auch viele SF-Ideen nach Unsinn, nur das beispielsweise Startrek mit Märchenelementen spielt für seine Handlung, während in diesem Buch viel Nonsens als wissenschaftliches Forschungsergebnis vorgeführt wird. Nicht einmal auf einigen Pathos möchte der Autor verzichten.
Dabei sind durchaus Ansätze vorhanden, wo es hätte kribbeln können. Die Beobachtungen bei der Untersuchung des Hohlraumes unter der Mondoberfläche beweist, dass der Autor fantasievoll erzählen kann. Letztlich entsteht aber wieder ein Gleichfluss, weil die Handelnden keine unterschiedlichen Vorstellungen entwickeln, deretwegen eine Teilgruppe etwas anderes anstrebt als die größere.
Die Menschen befinden sich in „kommunistischen Verhältnissen“, aber in so gleichgeschalteten, dass sie nur sehr bedingt erstrebenswert wären.
Ach, worum es geht?
Ira leitete den Aufbau eines modernen Teleskops auf dem Mond. Gerade als sie es einer Delegation vorführen will, um ein noch vergrößertes Unternehmen zu begründen, gibt es ein die Anlage zerstörendes Beben. Derjenige, der dieses Beben hätte vorhersagen können sollen, macht seine Erkundungen, denen sich Ira als Medizinerin anschließt. Sie finden eine künstliche Megahöhle mit Objekten einer versunkenen Zivilisation. Deren vor über 1000 Jahren verstorbenen Vertreter hatten versucht, auf irgendein Problem hinzuweisen. Es handelt sich um ein neutralisierendes Gas, das gewaltige Antimaterievorräte vor dem Umweltkontakt schützen soll. Das muss in Jahrtausendabständen erneuert bzw. aktiviert werden. Dazu müssen die Lagerstätten erst einmal gefunden werden, was über ein Gerät zur Übertragung komplexer Eindrücke letztlich gelingt. Die „Seleniden“ mussten vor verschlechterten Lebensbedingungen auf die Erde fliehen, wo sie als Zwerge lebten, bis sie ausgestorben waren. Ach ja. Der Mond bildete bis vor 30000 Jahren ein Doppelplanetensysten mit dem Merkur …

Zum Vervollständigen von Sammlungen nicht vernachlässigen.



Danach die Gedichte des Tages von morgen:



Manchmal empfinde ich Gedichte zu schreiben wie Bildhauerei. Zuerst braucht man ein Grundgerüst, bei dem sich Form und Aussage abzeichnen, aber eben erst einmal als Rohgerüst.
Diesmal habe ich versucht, mit zwei Vorstufen zu zeigen, wie dieses eine, dann gelb unterlegte Gedicht entstanden ist. Ich hoffte, Redundanz besiegt zu haben ...
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