Sonntag, 12. Mai 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1736

Wilde Zeit verspricht die Prosa, ein spezielles Bild für Betonköpfe und eine Lesbenhochzeit die Lyrik. Viel Spaß also


Wie ich trotz und wegen der DDR zu meinem ganz individuellen Kommunismus fand (9)




... Am Ende der 10. Klasse gab es noch eine „Offenbarung“. Meine Klasse machte eine einwöchige Abschlussfahrt. Zufälle brachten mich dabei mit einem Schüler zusammen, von dem ich kaum mehr wusste, als dass er mehrmals nur sehr knapp versetzt worden war. Wir unterhielten uns viel. Anfangs begeisterten wir uns an „Raumschiff Enterprise“ im Fernsehen. Das wäre so ungewöhnlich nicht gewesen. Beeindruckend war aber das darüber hinausgehende Wissen und Denken des Jungen, sein philosophischer Scharfblick. Klar haben wir auch viel „gesponnen“. Aber wichtiger war, dass ich erstmals bei jemandem, den ich weit unter meinem geistigen Niveau eingeordnet hatte – die ganze Schulzeit lang – ein geschlossenes kluges Denksystem erlebte. Eigentlich machte er sich um die Zukunft der Welt mehr Gedanken als ich und er vermochte seine Überlegungen verblüffend klar zu formulieren. Ich bekam das Gefühl, in den letzten Jahren einen Freund übersehen zu haben, weil ich mich zu sehr über ihn erhoben hatte, um ihn überhaupt zu bemerken. Ich ahnte nun, dass es extrem unterschiedliche Möglichkeiten gibt, über die ein Mensch für andere, zumindest aber für einen anderen „wertvoll“ sein kann. Schon damals begann es mir zu widerstreben, solche „Werte“ gegeneinander aufzuwiegen. Warum soll jemand wegen seiner Besonderheit besser oder schlechter sein als ein anderer mit dessen anderer? Vor allem führten mich unsere utopischen Zeitreisen zu einer bitteren Erkenntnis: Es war einfach Zufall, dass ich in meine Zeit hineingeboren war und hier mit guten Zensuren brillierte. Von der sozialen Herkunft in keiner Weise privilegiert graute mir vor der Vorstellung, in einer vergangenen Zeit zur Welt gekommen zu sein. Meine Art zu denken wäre da abfällig weggewischt worden. Nur die Muskelkraft hätte gezählt. An der aber haperte es. Oder was wäre gewesen, wäre ich in einer vergangenen Zeit zur Schule gegangen? Beim Auswendiglernen war ich schwach. Ich wäre also ein „schlechter“ Schüler gewesen. Wer konnte mir sagen, welche Qualitäten in 100 Jahren erwünscht sein würden – die ich vielleicht hätte, vielleicht aber auch nicht. Mein gutes Zeugnis war also nicht objektiv, sondern dem Zufall geschuldet, dass Fähigkeiten zu meinen Besonderheiten zählten, die gerade erwünscht und messbar gewesen waren.

Auch bei der Einschätzung der „Persönlichkeit“ gab es breit gefächerte Unterschiede. Wir Schüler hatten uns einen Sport daraus gemacht, in den letzten Schultagen der Jahre das Klassenbuch zu durchstöbern. Dort trug dann jeder Lehrer für jeden Schüler die „Kopfnoten“ ein: Betragen, Mitarbeit, Ordnung … Gesamtverhalten. Bei „Betragen“ erhielt ich vom Klassenlehrer Dreien oder Vieren. Nicht wenige andere Fachlehrer werteten „sehr gut“. Aber ich war doch derselbe Mensch?! Klar, ich fiel aus dem Raster. Dafür gab es mehrere Erklärungen: Entweder war das Raster falsch oder es war falsch, mit einem „Raster“ zu arbeiten oder … ich hätte mich endlich richtig anpassen müssen an das, was Andere von mir erwarteten. Gelegentlich versuchte ich das. Aber es ging nicht. Ich hätte mich verleugnen müssen.

Es folgte eine beruflich extrem wilde Zeit.  ...


Beginnen wir hintergründig optimistisch. Petra Namyslo stellt ein "Hochzeitssonett" vor. Seine besondere tolerante Freundlichkeit gewinnt es erst so richtig, wenn man den "Untertitel" beachtet ...
Ich halte meinen Torpedokäfer aus dem Gedicht "Ausdauer" dagegen. Solche Leute gibt es leider mehr als genug ... meist stehen sie einer ""Gemeinschaft der Glückssüchtigen"" im Wege ...

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