Montag, 9. Januar 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1263



Als der vorletzte Mensch
aufhörte zu glauben,
in seinem Wort
steckte die Welt,
begann die Welt
in sein Wort
zu steigen,
damit es
ihr gleich sei,
und siehe,
ein letzter Mensch
wurde nicht
geboren.

Dazu kommen am 11.1. voraussichtlich folgende Gedichte des Tages:
 "Der stolzen Schönen" als weiteres Testgedicht
und mit drei Jahren Reife

(401) dem israelischen kind


In alter Tradition geht es weiter mit einem Prosa-Häppchen.  Da sind wir nun schon bei der 60. Fortsetzung des utopischen Romans  "Operation Zeitensprung" von Anna Roth angekommen. 


In der Zwischenzeit hatten sich viele Wohnpartnerschaften verändert. Niemand hatte sich darüber gewundert, dass Siegrid mit den beiden Männern zusammengezogen war. Ich musste mit ihr reden. Mir begegnete keines der Familienmitglieder, als ich den Korridor zu Siegrids Zimmer hinüber huschte. Ich schloss schnell die Tür hinter mir.
Was habt ihr mit Peter gemacht? Wo ist Anita?“
Das geht schon in Ordnung. Wir haben alles im Griff.“
So sehe ich das nicht. Hier läuft verdammt was schief. Ich bin nicht in die Zukunft gereist, um mich dann als Verbrecher aus der Vergangenheit zu outen. Also was ist?“
Du kommst doch mit uns?“
Was soll die Frage? Ja. Das hatte ich bisher vorausgesetzt. Aber jetzt ...“
...möchtest du eigentlich nicht mehr.“
Wieso war so zynisch? So war sie doch früher nicht. Das klang beinahe krank.
Wo es doch garantiert schönere Sachen gibt, als sich mit Reisevorbereitungen zu befassen.“
Dabei zog sie Heinz zu sich heran und steckte ungeniert ihre Hände in seine Hose.
Das sah aus wie ein Signal. Dietmar legte mir seine linke Hand auf die Schulter. Er zog mich zu sich heran. Es war mir peinlich, und in dieser Situation fand ich es absolut unpassend. Wobei, zugegeben, seine Hände erregten mich. Die, die an der Wirbelsäule herunter strich, und die, die mir den weiten Rock anhob. Dietmar hatte meine früheren begehrenden Blicke also durchaus begriffen. Auch er wollte es mit mir. Es ist etwas Herrliches, eine Frau zu sein. Ich spürte die Fingerspitzen hinten an meinen Oberschenkeln. Es kribbelte am ganzen Körper. Ich wollte trotzdem gerade rufen „Lass den Quatsch!“, da stach mich etwas ins Fleisch. Noch immer lag die warme Hand auf meinem Oberschenkel. Dann fing Heinz an, sich vor meinen Augen zu drehen. Verschwommen spürte ich, wie er mich auffing. ...
Ich wurde an einen Sessel gefesselt munter. Ich dämmerte eine Weile vor mir hin. Allmählich wurde mir bewusst, dass ich eine Betäubungsspritze bekommen hatte. Wo ich war, erkannte ich jedoch sofort. Mich begrüßte ein vertrauter Geruch. Die Augen hielt ich weiter geschlossen. Denn Siegrid gab Kommandos und empfing Bestätigungen. Sollte ich die vier Tage bis zum Start verschlafen haben? Nein. Die Verrückten hatten ihren Plan geändert und den Countdown vorgezogen. Wir saßen im Zeitschiff.
Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich. Was konnte passiert sein? Warum hatte Siegrid es sich anders überlegt? War alles aufgeflogen, und sie hatte im letzten Augenblick ...
Nein. Verdammt. Dass ich daran nicht gedacht hatte! Die Energiereserven reichten nur für eine einzige Reise. Wer also jetzt mit in die Vergangenheit reiste, der bliebe dort, ob er wollte oder nicht. Siegrid hatte alle mitgenommen. Natürlich hätten wir uns wutentbrannt auf unsere Entführerin stürzen und sie umbringen können. Damit rechnete Siegrid aber nicht. So weit kannte sie uns. Wahrscheinlicher war, dass wir uns gegen irgendwelche Hütermanns wehren mussten. Die machten sicher keinen Unterschied zwischen Siegrid, mir oder einem anderen aus dem Schiff. Also selbst, wer hier hätte bleiben wollen, wäre durch diese Feindschaft der Umwelt ans Team gebunden. Uns bliebe nur, wieder fest zusammenzuhalten. Je mehr wir waren, um besser. Wenn Siegrid das bedacht hatte, waren die Zukünftler im Zeitschiff eingesperrt. Ich versuchte, mich unbemerkt umzusehen. Tatsächlich war ich nicht die einzige Gefesselte. Von Ernst und Maria abgesehen waren wir hier wahrscheinlich komplett – gefesselt oder ungefesselt. Und da hörte ich das Kommando:
Vollen Schub!“
Piepton A ertönte, und dann wurde es still.



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