Donnerstag, 21. November 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1917

Das Prosastück, das gerade begonnen, verlangt nach einer Fortsetzung:






Thomas Staufenbiel

Welt(en)weiser (2)..

... Nun will ich es jetzt nicht falsch verstanden wissen, ich habe nichts gegen die Besuche von Klaus. Ganz im Gegenteil, sie lenken mich von den Alltäglichkeiten eines geregelten Lebens zwischen Büroarbeitsplatz und Supermarktbesuchen ab. Wir sitzen dann zumeist jeder auf seinem Sofa, sinnieren vor uns hin oder philosophieren das Universum in die richtigen Bahnen.
Ein guter Tropfen darf dabei nicht fehlen, denn wie sagt mein lieber Klaus so gern: „In vino veritas.“ Wohl wahr, und sei es auch nur unsere Wahrheit, denn bevor Klaus zu später Stunde den Heimweg antritt, sind wir uns immer einig – sei es nun dem Wein geschuldet oder unserer ausgezeichneten Laune – wie man sich nur einig sein kann unter guten Hobby-philosophen.
Klaus hat es, wie auch ich selbst, im Leben zu etwas gebracht. Er ist nicht ungebildet, hat einen ausgezeichneten Ge-schmack, doch als Beamter leider einen für ihn ebenso unpassenden wie genialen Job. Wen wundert es da, dass er nach Stunden der Erbsenzählerei gern auf ein gutes Wort und den Sinn im Wein zu mir kommt.

Da ich hier sitze und Klaus ansehe, drängt es mich nun, etwas zu sagen. Ich rücke mich auf meinem Sofa zurecht, den Zeigefinger im Anschlag. Doch meine Weltanschauung gerät ins Wanken, denn ich habe mir den Gin großzügig und pur nachgeschenkt. Klaus scheint sich recht wohl zu fühlen, jetzt wo er mir zweimal gegenüber auf dem Sofa zu sitzen scheint und sich selbst den Rücken stärken kann. Und doch scheue ich mich nicht, den Mund zu öffnen.
Ich will Großes sagen, etwa ein „I have a dream“ oder „Ich bin ain Beerliner“. Ich erschrecke zutiefst bei der Erkenntnis - und werde auch wieder etwas klarer – dass die beiden Urheber dieser treffenden Aussagen längst in Heimaterde vermodert sind. Erschossen, ihrer Ideale wegen. Philosophie ist eine nicht ungefährliche Sache. Der Schock sitzt tief und lässt den zweiten Klaus verblassen.
Ich schaue zum verbliebenen hinüber. Er sitzt in üblicher Pose, in reiner Spock-Manier, die Fingerspitzen der linken Hand an denen der rechten, geradeaus blickend, ins Leere. Spock, vielleicht lag es an seiner außerirdischen, vulkanischen Herkunft, hatte nach solchen Momenten des Nachdenkens die faszinierendsten Einfälle.

Große Ideen brauchen Zeit zum Reifen“, sagt Klaus plötzlich. Resigniert schließe ich den Mund und lasse den Zeigefinger sinken. Ja, denke ich, der Spock. ...
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Etwas weniger weise folgen die Links zu den "Gedichten des Tages" (aber die riechen sehr nach "Weltuntergang" ...):

Die ersten vier Strophen wären vielleicht noch wohlmeinend geduldet worden, wären die beiden "Resümee-Verse" nicht danach gekommen. So lässt "Es Schillert noch kein Frieden" nur eine unerlaubte Deutung zu ...
Aber es muss ja nicht unbedingt Krieg sein, was das Ende der Menschheit bewirkt. Es gibt auch manch andere "Lösung". (Muss man erklären, was "schweres Wasser" ist?)

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