Mittwoch, 22. August 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1491

Bei der Ankündigung der Teile dieses Journals auf Kontinuität zu verweisen, wird sicher langweilig. Doch zumindest das Zusammentragen der "beinahe-Liebe"-Stücke erweist sich als Anti-Langweile. Dann wäre nämlich die Präsentation der aktuellen Fortsetzung der Romanprojekts eine Art "gestreckte Spannung" ...:


Ein Gedicht aus jener ersten Buchveröffentlichung "Mit Blindenhund durchs Liebesland", bei dem ich besonders wenig zu ändern wusste, ist "Reptil". Da steckt noch immer viel "Ich" drin ...
Die Frage nach dem Selbstbetrug, nach der merkwürdigen Geographie der Liebe ist in "Islands" erhalten - auch etwas Altbekanntes ...

Slov ant Gali / Gunda Jaron:   

                Ich wurde Gott (151)


... Den Rest des Tages schlief ich aus. Als es wieder dunkel geworden war, schlich ich hinter die Küche zu den beiden Replikatoren. Ja, ich habe dir nicht alles erzählt. Ich hatte natürlich versucht, mit einem meiner beiden ursprünglichen Replikatoren neue zu replizieren. Logischerweise ging das nicht im Ganzen. Leider kam ich mit dem Verbinden der Module nicht zurecht. Im Wesentlichen besaß ich also einen echten Replikator und ein Gerät, das so aussah. Ich fand einfach den Fehler nicht.
Es folgte eine mühsame Puzzlearbeit. Es war immer schon etwas Besonderes, Robbis zu fertigen und ihnen dann Merkmale zu geben, anhand derer man sie unterscheiden konnte. Diesmal aber kam es darauf an, dass niemand den neuen Robbi unterscheiden konnte – und zwar von mir. Eine dafür erforderliche Oberflächenmatrix war weder vorhanden noch vorgesehen. Ich musste also erst eine Matrix meines Kopfes anfertigen, sie dann im Programm aushöhlen wie einen Kürbis – ach, entschuldige, das ist eine riesige gelbe Frucht mit dicker Schale, aus der man Gesichter schneiden kann – und diese Restmatrix einem Robbigerüst überstülpen. Dieser Robbi hatte da schon seinen Fernimpulsempfänger eingebaut bekommen und sein Datenspeicher war mit Informationen gefüllt, die ich ihm aus meinem Gehirn überspielt hatte. Er würde sich also zum Beispiel an das Meiste erinnern, an das ich mich auch hätte erinnern konnte. Die Eroberung Chrusts zum Beispiel, alle Saks, denen ich dort begegnet war … Eigentlich noch an mehr, vor allem dauerhafter als ich. Er vermochte nur die Daten nicht zu aktivieren, die das Gehirn aus dem Kurzzeitgedächtnis gelöscht hatte. Da er also mehr Daten aktiv nutzen konnte als ich, war er sozusagen ein Super-Ich.
Auf der Erde hatte es eine ganze Reihe von Abenteuerromanen gegeben, in denen solche Super-Ichs ihre Fernimpulsempfänger außer Betrieb gesetzt hatten oder diese durch technischen Verschleiß ausgefallen waren. Damit wären diese unbeeinflussbaren Super-Ichs überlegene Androiden, die dann dank der auch mit überschriebenen tierhaften menschlichen Eigenheiten zu überlegenen Feinden wurden. Praktisch war solch ein Fall zwar nie aufgetreten, die Produktion eines solchen Subjekts gehörte aber zu den Tabu-Bereichen. Wer es gewollt hätte, konnte es trotzdem schaffen, selbst, wenn er dazu erst einen Minimatrizenpräger replizieren musste. Das also war meine Lösung. Im nächsten Morgengrauen stand ich mir gegenüber. Wieder so ein ungewöhnliches Gefühl: Ich unterhielt mich mit mir. Ich antwortete mir. Ich hörte mich mit meiner Stimme sprechen. Ich testete mich. Über den Fernimpuls sperrte ich die Information, wo sich der Ausschalter befand. Dann befahl ich mir, mich auszuschalten. Ich sah meine Verwirrung, ich hörte mich mir antworten, das ginge nicht, meine Nanniten ermöglichten ein unbegrenztes Leben. Ich schaltete mich aus. Ich stand vor mir als starre Maschine. Ich schaltete mich an und erkannte mich wieder. Ich vermied natürlich, mir Gelegenheit zur Beobachtung des Schaltens zu geben. Ich war zufrieden. Einmal noch ruhen und in der Nacht floh mein zweites Ich in Richtung Chrust. Zusammen mit den drei Robbis, die mich zuvor heimbegleitet hatten. ....

 

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