Sonntag, 16. September 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1516

Ich kann es vorsorglich schon ankündigen: Der lyrische Dialog mit Thomas Reich in den morgigen "Gedichten des Tages" wird nicht der letzte sein ... der beste aber wohl auch nicht ...

Thomas Reich fragt in "Daumen runter!", warum wohl die Massen an Zuschauern und Gladiatoren noch immer das römische Spiel mitspielen. Mir ist klar, dass die Antwort in "Wau-wau!" nicht ausreicht, aber ein Stück der Wahrheit ist sie schon ...


Tja, und langsam sehe ich den Rest des ersten Teils der Sakur-Sage davonschmelzen:



Slov ant Gali / Gunda Jaron:   

                Ich wurde Gott (176)





... Ich hatte es meinen ehemaligen Gefährten besonders leicht gemacht, indem ich die extreme biologische Ähnlichkeit praktisch bewiesen hatte. Die Saks waren demnach so etwas wie kleinwüchsige Menschen.
Aber …
Ja, Probleme hätten sie schon gehabt damit, dass ich sie angelogen hatte, ihnen Robbis als Saks zu präsentieren versucht hatte. Aber entweder hatte ich mir eine neue heile Welt nach meinen Wünschen zurechtgezimmert. Dann wäre es eine Erleichterung für mich, wenn ich nicht die Alternative eines Freitodes wählen musste. Denn als Robinson würde ich über Jahrhunderte degenerieren und mit den technischen Mitteln, über die ich ja weiter verfügt hätte, zur Gefahr für den Planeten werden.
Oder, und das befürchteten sie, ich hatte etwas zu verbergen. Niemand könne sich hier zum Richter über Andere aufschwingen. Aber ich dürfe mich auch auf keinen Fall zum ewigen Schicksal dieses Planeten erheben. Die Umstände der zur Verfügung stehenden Zeit und alles Drumherum schien sie zu berechtigen, mich ungefragt in den Konsens einzubeziehen, zu dem die ganze Gruppe schließlich gefunden hatte …
Ich brach mitten im Gespräch einfach die Verbindung ab.
Sie hatten mich sozusagen umgebracht. Plötzlich sah ich die Berichte meines Doubles aus Chrust mit ganz anderen Augen. Wie hatten wir uns zuvor gemeinsam über die Höflinge amüsiert, die den neuen Gott hatten vergiften wollen, weil sie an dessen Gotthaftigkeit offenbar genauso wenig glaubten wie an die ihre früheren Chrustinos. Mein Double hatte die angebliche Nahrungsaufnahme simuliert und danach die Zusammensetzung des Giftes analysiert. Dann hatte es die Verbrecher vor die Wahl gestellt, ihren eigenen Trank selbst zu genießen oder aus dem Umkreis des Herrschers für immer zu verschwinden.

Mein Robbi-Ich! Was für ein Gefühl, dass die eigene technische Kopie nun einem relativ unendlichen Dasein entgegensteuerte, während ich, das Original, mir immer unähnlicher werden würde. Ich würde zum Greis, würde sterben und ein Roboter würde zum ewig unangefochtenen Herrscher des ganzen Kontinents werden. Glücklicherweise wusste der nichts von meinem Schicksal. Wie würde er darauf reagieren? Irgendwann musste er meinen Verfall bemerken. Er war mein Dorian Gray, der Held einer Geschichte, dessen Abbild an Stelle des Menschen alterte – also umgekehrt wie bei mir. Was aber das Schlimmste war: Der Robbi hatte überhaupt keine eigene Norm. Alle Wertungen gab normalerweise ich ihm vor. Ich würde das bald nicht mehr können. Ein ganzer Kontinent von einer gefühllosen Maschine beherrscht! Er träfe weiter Entscheidungen in Analogie zu denen, die ich ihm empfohlen hatte. Es würde aber neue Fälle geben, wo Analogien schwer zu finden wären. Wem würde diese Maschine dann gehorchen? Eigentlich wäre eines für mich logisch gewesen: Ich hätte die Amtsgeschäfte selbst übernehmen müssen und in das Reich der Saks so viel Fortschritt einbringen müssen, wie die Bewohner verkraften konnten. ...



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