Sonntag, 23. September 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1523

Es wird hoffentlich nicht das letzte Gedicht des Tages von Gunda Jaron, das sein Korsett sprengt. Ansonsten folgt die Fortsetzung der utopischen Erzählung ... Ein "normales" Journal also ...


Wo eine Regel ist, sind auch die Ausnahmen. Das gilt auch für Gunda Jarons Gedichte. Wer sich allzu sehr in ihre Schwenks ins Gegenteil veliebt hat, muss dann feststellen, dass sie mitunter auch "nur" am "Korsett" der Konvention zerrt ... "Im Verhältnis ..."
Kann man sich selbst als Zahnbürste und -pasta des Partners in einem empfinden? Wenn nein, geht "Am Ende einer Ehe" natürlich nicht als Gedicht ...


Slov ant Gali: Der lebende See (3)


Aber die Zeit verging im Gleichklang der Eindrücke. Ich war bald wieder so gekräftigt, dass ich auf eigenen Beinen durch die Siedlung laufen konnte. Von wegen Siedlung ... Für irdische Vorstellungen hatte ich bisher nur tropische Wetterverhältnisse erlebt. Der Tagesrhythmus wurde von regelmäßig in der Nachmittagszeit einsetzenden Regengüssen bestimmt. Sie schienen immer gleich lange zu dauern und von der Abendsonne abgelöst zu werden. Der Wind trieb diesen Regen stets schräg von einer Seite vor sich her. Dem hatten sich die Hütten angepasst. Sie bestanden nur aus einem einseitigen Schrägdachgeflecht. Der Weg durch die Siedlung führte im rechten Winkel an den Schrägen vorbei. Ungeniert schauten die Bewohner um die Ecke. Hätten ihre Köpfe geleuchtet … Also zumindest eine gewisse Ähnlichkeit hatten sie mit riesigen Lampions, die böse Geister am Näherkommen hindern sollten.
Wer mag schon gern gemustert werden? Ganz abgesehen davon fühlte ich mich lächerlich. Die hier bekannte Kleidung war ein kaum bearbeitetes Naturprodukt. Ein Farnen ähnliches Gewächs wurde zu einem Umhang geflochten, wenn man sich denn bekleiden wollte. Nun war die Länge der Farne gut für die Maße der Schla - bei mir endeten die längsten Exemplare weit oberhalb der Knie. Immerhin drapierte Wroohn bei den ersten Spaziergängen meinen linken Arm geschickt auf ihren Schultern. Es war das erste Mal, dass mir die Berührung des Mädchens Sicherheit gab. Mir ging durch den Kopf, dass den Schla ihre Proportionen schön vorkommen mochten, ihre Augen, ihre für mein Empfinden übergroßen Facettenaugen in einem zu großen Gesicht ihr Ideal der Schönheit sein mochten. Dann war ich also ein abschreckend hässliches Riesenmonster und meine kleine Wroohn bekannte sich trotzdem tapfer zu mir!
Eigentlich … Nein, es war nicht ein konkretes Erlebnis. Es war die Kraft der vergehenden Zeit, dass der Anblick der Schla allmählich das Abstoßende verlor. Ich konnte inzwischen in Wroohns Gesichtszügen lesen. Ich erkannte Trauer, Freude, Enttäuschung und Zärtlichkeit. Und manchmal konnte ich sie auch schon zärtlich ansehen. Ob sie das erkannte? Ich fragte sie natürlich nicht, denn dann hätte ich ja eingestehen müssen, sie zuvor angewidert angesehen zu haben, und das musste sie nicht wissen.
Das Leben der Schla verlief sehr eintönig. Manchmal überlegte ich, ob ich in ein permanentes Gelächter der Evolution hineingeraten war. Ich hatte vielleicht drei Monate in dieser Gemeinschaft verbracht und noch immer nichts entdeckt, was ich mit dem Wort „Feind“ in Verbindung gebracht hätte. Also es schien außer denen aus dieser Siedlung keine anderen Schla zu geben, aber auch kein Tier, das die Schla gejagt hätte oder das die Schla hätten jagen wollen und können. Ihre Nahrung bestand aus einer großen Zahl von Pflanzen. Zum Beispiel dieses nicht unbedingt angenehme Zeug, aus dem Kleidung und Hütten waren. Das war der faserige Teil jener Pflanze, deren milchiges Fleisch gern verzehrt wurde. Bei manchen Pflanzen wurden die Früchte gegessen, frisch, zu Brei verarbeitet oder mit etwas Saurem haltbar gemacht. Tiere, die die Früchte fraßen und dabei den Samen verbreiteten, fehlten. Aber die Evolution brachte doch nur laufende Anpassungen hervor! Also die Pflanzen passten sich durch Früchte an die Umwelt an, indem sie etwas für Tiere Verlockendes an sich entwickelten, mit dem sie sich selbst an jenen Stellen vermehren konnten, wohin sie sich selbst nicht zu bewegen vermochten. Für wen sollten sich ohne Tiere also die Früchte entwickelt haben?
Und sich selbst bewegende Pflanzen gab es offenbar auch nicht. Allein einige niedliche Insekten kamen als Bestäuber in Betracht. Meist Libellen Dass sich keine Stechmücken entwickelt hatten, war dagegen völlig logisch: Welches Tier hätten sie denn stechen sollen? Und für die wenigen Schla ...



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