Samstag, 3. November 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1564


Lange habe ich gezögert. Dass Petra Namyslo einen Zustand "Machtlos" ausgerechnet am verhinderten Haschisch-Konsum festmacht, zieht die allgemeine Aussage in Zweifel. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das Gedicht als "gebrochen annehmen soll oder als das echte Aufjaulen eines Junkies.  Sicherheitshalber habe ich mich "schlau gemacht": Der Schluss ist keine strafbare Handlung ...
Ich halte mich da lieber an Liebe im Zeichen des Lichtbogenschweißens. Das Problem ist allerdings, den genauen Nähe-Abstand zu finden, bei dem sich die Gefühlsgewitter "entladen" ... 



Bei manchen "Gewittern dauert es sowieso länger. Das ist in der Liebe genauso wie in dem utopischen Fortsetzungsroman, von dem hier Leseproben vorgestellt werden:

Slov ant Gali: Stochern im Nebel (26)


„ Jungs, mal wieder Alarm! Diesmal wird in unserer 95 gerade eine Etage verschäumt. Könnt ihr das übernehmen?“
Die eine dort stationierte Staffel rückte aus. Im Chaosblock sollte also etwas mit Schaum gelöscht werden … und sie sollten übertreiben. Als die Männer aber den Ort des vermeintlich blinden Alarms erreichten, stoppten sie verwundert.
Der Block hatte wie alle hier sechs Etagen. Normalerweise. Jetzt aber schien die dritte etwas flacher als die anderen, so als wäre das Mauerwerk in sich zusammengesackt. Dort, wo die Fensterfront hätte sein sollen, zeichnete sich eine dicke, dunkelgraue Linie ab. In den Fenstern darüber – die gab es noch – hingen die Oberkörper schreiender Menschen. Gerade in dem Augenblick, in dem das Löschfahrzeug hielt, stürzten Teile des Gebäudekomplexes in sich zusammen. Einige von denen, die gerade noch um Hilfe gerufen hatten, flogen in hohem Bogen nach draußen. Für sie kamen die aufgespannten Tücher zu spät. Andere waren noch einen Moment zu sehen, aber sie schrien nicht mehr. Wie zu Puppen erstarrt rutschten sie in ihre Zimmer zurück.
Die Linie an der Außenmauer bestand aus einem teigigen, teilweise verkrusteten Brei. An seinen Rändern funkelten blaue Tropfen in den Morgen. Vor dem Gebäude lagen Bruchstücke einer menschlichen Gestalt. Die anatomischen Reste umgab eine zähe dünne Masse ohne die blitzenden Tropfen. Zwei Feuerwehrleute, die die Bruchstücke untersuchen wollten, riefen den anderen entsetzt, wenn auch nur bedingt treffend, zu: „Der ist ja mumifiziert!“ Immerhin schafften sie die Reste des Mannes zur Seite.
Der Staffelführer, Brandoberinspektor Pantz, hatte sich und, soweit dies in Anbetracht der Lage überhaupt möglich war, die Lage schnell unter Kontrolle. „Schaum marsch!“ kommandierte er. Blitzschnell entrollte seine Mannschaft den Schlauch. Pantz gab inzwischen der Einsatzzentrale seine Beobachtungen durch. Weithin tönte seine Stimme, während der Löschschaum die unbekannte Masse zu überdecken versuchte: „… Das Gelände weiträumig absperren. …alle verfügbaren Staffeln. Schickt den TD 2 aus Marzahn. Wahrscheinlich … noch Verschüttete am Leben. Und schickt Spezialisten für mögliche weitere Mumien. Notarztwagen, Polizei, das ganze Programm! Die umliegenden Häuser müssen evakuiert werden. … ungehinderten Zugang von allen Seiten. …“ Inspektor Pantz ließ mitten in seinem Redeschwall die Arme sinken. Schwieg ganz kurz. Sagte „Oh, Scheiße!“, was offensichtlich keine Meldung an die Zentrale darstellte.
Gerade waren einige der funkelnden Tropfen durch den Löschschaum hindurch aufgetaucht. Während sie wie frisch poliert glänzten und quietschvergnügt nach einem neuen Betätigungsfeld suchten, glitzerte das, was sie hätte ersticken sollen, weiß und absolut starr. Aber auch dieses Bild blieb nur kurz. Dann sackte der Löschschaum zu grauem Brei zusammen. Von den blau leuchtenden Tropfen sah man nun mehr als vorher. ...



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