Samstag, 24. November 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1585


Vor Jahren hatte die Autorengemeinschaft "Fensterblick" einmal ein Programm zur Bundestagswahl auf die Beine und Bühne gestellt. Mein Kabarettisten-Schicksals-Gedicht "Im Kreise lachender Weise" hätte gut hineingepasst und wird noch eine Weile "stimmen". Leider kann einem bei diesem "Ernst" das Lachen vergehen.
Versuchen wir´s mit einer Fingerübung?! Gunda Jaron hat eine "verschluckt". Sie wird sicher weiter dran arbeiten. Sie fragte mich, was ich davon hielte? Ich machte einen konkreten Vorschlag, der aber nicht ganz durchzuhalten war. Ahnt jemand welchen? Tipp: Immer auf die Einheit von Inhalt und Form achten bedeutet u.U. auch, dass ein einfaches Gedicht sich an einer nicht so einfachen Form verschluckt ... (Übrigens: In einem SOLCHEN Gedicht kann man das Wort darin, das sich nicht reimt, so aussprechen, dass es sich reimt ...)



Es ist eine mitunter eben schmerzliche Weisheit, dass man aus Fehlern am besten lernt - sogar aus Fehlern anderer, wenn man sich nicht in Schadenfreude verliert. Die beiden Mädchen aber nähern sich einem Punkt, an dem sie später jemand anderes als "Lehre" dienen ...
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Slov ant Gali: Stochern im Nebel (46)


... „Die kreisen über dem Katastrophengebiet. Wär ja möglich, dass Verrückte sich in Gefahr bringen.“ Ich grinste, stieß Jule in die Seite. Aber die ließ sich einfach nicht aufmuntern. Glaubte die wirklich, ich hatte keine Angst?
Wir waren nur etwa hundert Meter Luftlinie von der Kienbergspitze entfernt. Standen an einer Gabelung. Der linke Pfad führte bergauf. Wir nahmen den asphaltierten Wanderweg rechts um den Hügel herum. Von den fehlenden Menschen abgesehen sah alles genauso aus, wie es eben in einem stadtnahen Erholungsgebiet aussieht. Asphaltiert für ältere Leute zum Spazieren im Grünen.
Endlich der Blick ins Wuhletal. Richtiger auf das Feld, das vor Tagen noch das Wuhletal gewesen war. Das Erste, was mir auffiel, war die freie Sicht. Kein Hochhaus, kein Plattenbau, kein Baum oder Strauch. So weit wir sahen, nichts als eine glatte Fläche. Allein an ihren Rändern brodelte es. Ansonsten ödes, totes Graubraun. Die Wuhle verschwunden, die Froschteiche … Die waren noch ein paar Tage zuvor der Stolz der Hellersdorfer Naturschützer gewesen. Alles zur Breiwüste eingeebnet.
Neben dem Weg zog sich ein Graben hin. Umwuchert von dunkelgrünen Gräsern und Schilf bis hoch auf die etwa drei Meter breite Böschung. Wir starrten noch die fremde Landschaft vor uns an, entsetzt, verwundert, überrascht, wie auch immer, hatten noch nicht richtig begriffen, was gerade passierte, da überwand die zähflüssige Masse die Sperre am Teich. Der Weg in den Graben war frei. Schnell schob sich der Silitbrei vorwärts. Die Ätzertropfen an seiner Spitze hüpften hin und her, als freuten sie sich über so viel frische Nahrung. Ich hatte den Asphaltweg verlassen, stand auf der Böschung, sah den Fluten zu. Jule war oben stehen geblieben.
„Faszinierend!“, flüsterte ich, mehr für mich selbst. Wie mich dieses Schauspiel faszinierte: Die Tropfen an den Rändern funkelten in verschiedenen Blautönen. Sie hüpften in alle Richtungen wie Wasser, das aus großer Höhe auf eine glatte Fläche fällt. Grashalme, die sie berührten, erstarrten nach kurzem Aufschäumen. Zuerst verschwand das Grün. Die Halme verwandelten sich in glitzernde Eisblumen. Kurz darauf schmolzen sie zu grauem Brei zusammen. Lautlos. Geruchlos. Als wäre das die natürlichste Sache der Welt. Kalt. Die Sonne wärmte mit voller Kraft. Wir merkten es nicht.
„Das war ´s dann also.“ Ich hockte mich hin. Vielleicht einen Meter von mir entfernt bahnten sich die hüpfenden Tropfen ihren Weg im Grabenbett.  ...



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