Donnerstag, 29. November 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1590


Zuerst einmal lasst mich das Thema von gestern noch einmal aufnehmen. Sicherheitshalber vorab der Hinweis, dass man bei "Streifenhemd" wirklich nicht gleich an Knastbekleidung denken sollte.
Na, habt ihr alle schon eure Adventskalender fertig? Also nicht gekauf, sondern angefertigt?! Vielleicht ist es doch eine Idee, an den folgenden Tagen einen Adventskalender am Rande der Literatur zu öffnen. Also mit Gedichten und Sprüchen und Weisheiten, bei denen Oma stutzte? Ganz ohne Risiko ist es nicht. So ist das ja auch bei den echten Adventskalender, dass manches Fenster nicht total lecker ist. Aber es ist doch einmal "was Anderes" ... Na, dann noch ein paar Gehirnjogging-Sprüche zum Novemberende: "Rede-Wendungen (4)" ...



Angedroht ist angedroht ... Wenn also einmal angekündigt ist, es folgt - und sei es nur zwischendurch - etwas Anderes als die nächste Fortsetzung von Teil 1 der sieben Kugeln, dann kommt das auch. Wieder etwas zum "Anfüttern": Das erste veröffentlichte SF-Buch war ja "Planet der Pondos". Dazu gibt es den Anfang einer Fortsetzung. Mit dem also geht es im Rest diesen Jahres weiter:


Slov ant Gali: Wo Bäume weinen (1)

Akustisches Tagebuch Uljana Silberbaum.
Stimmprobe vorliegend.
Zugangsbeschränkung: Generell privat.
Aufhebung Zugangsbeschränkung mit vorliegenden Stimmproben: Onja, Salio, Jenny, Xu-Li, Sarah, sofern sieben Tage keine Neueingabe erfolgt ist. Eingabeberechtigung: bei allen vorliegenden Stimmproben.
Abruf: Eingaben mit Stimmidentität.
Aufhebung aller Zugangsbeschränkungen: nach dreihundert Tagen ohne Eingaben.

Ja. Dann sind wir eh alle abgekratzt. Dann ist auch egal, was die von uns denken. Die, die dieses Voice-Blog finden. Sollen sie wenigstens wissen, was wir für welche waren und warum es schief gegangen ist. Nein, es darf nicht schief gehen. Ich mag auch noch nicht daran glauben. Ohne Katastrophe liest es ja kein Fremder. Nein: Hört... Ach, ist doch egal...
Also. Wie fängt man so ein akustisches Logbuch an? Normal wäre ein Datum. Haben wir aber nicht. So sehr ans Herz gewachsen ist mit der Pondoplanet nun doch nicht, um die Zeitrechnung von dort zu holen. Das wäre auch echt bescheuert. Wie lange wir vorher von der Erde aus unterwegs waren in diesem missglückten Kälteschlaf, ließe sich annähernd schätzen mit Sternbildvergleich und nachträglicher Geschwindigkeitskalkulation. Aber wie lange war der Computer defekt? Soll er das selbst berechnen, jetzt, wo e vielleicht funktioniert? So oder so kommt eine idiotisch große Zahl raus. Bleibt das einfachste, der Tag der Landung ist Tag 1 im Jahr Null.
Also blende ich auf den ersten Tag zurück.

Tag 1
Mein Aufwachen damals wünsch ich nur schlimmen Feinden, und das auch nur, wenn ich sie wirklich gerade hasse. Ganz dunkel weiß ich noch, wie ich voll gestopft war mit einander jagenden Monstertraumbildern. Fratzen erscheinen, lachende Fratzen, über und über bedeckt mit blütenlosem Wiesengras, nein, Disteln waren auch dazwischen, die gelacht haben. Fies gelacht ... Ich fliege durch die Luft, aber ich fliege nicht, Etwas hält mich fest. Ich brenne wie ein Feuerzeug und ich kann mich nicht bewegen. Ich möchte schreien vor Schmerz, aber ich will nicht und schon schreit eine andere Stimme. Ich erkennen sie nicht, aber ich weiß, sie gehört jemandem, den ich mag. Und dann endlich rufe ich „Mama!“ Und sie ist da! Meine Debbie! Und sie sieht noch so jung aus, ein Mädchen, würde ich sagen, und ich sehen mich im Spiegel ihrer Augen und ich bin ein Baby und sie cremt mich ein, gerade an der Stelle, die mir weh tut. Jetzt aber nicht mehr, jetzt ist alles gut. Gleich wird Debbie singen. Ich weiß das. Sie hat eine wunderbar warme Stimme, so eine hatte ich mir immer gewünscht, da dringt es zu mir durch:
Uli!“
Die Stimme kam nicht aus dem Traum. Gerade als er schöner wurde, drang jemand in meinen Traum. Lass mich in Ruhe, wollte ich der Stimme antworten, aber dazu war ich einfach zu müde, zu schwach ... nein, eigentlich hoffte ich, ich könnte einfach weiter schlafen ... weg mit dem Ruf. Die so mühsam verdrängten hässlichen Erinnerungen die durften in meine Träume, aber das Schöne von früher ... Eigentlich wusste ich schon, dass es vorbei war mit Schlafen. Ich lauschte. Summte da etwas? Nein. Neben mir knisterte etwas. Ich hatte das untrügliche Gefühl, als starrte mich die ganze Zeit jemand an. Warum will nur immer irgendwer was von mir?
Uli!“
Dieselbe Stimme. Vertraut. Angenehm. Ich wusste, dass ich den Menschen mochte, zu dem diese Stimme gehörte. Mensch? Aus irgendeiner Dunkelkammer der Erinnerung stieg ein seltsames Bild. Ein Wesen mit grüner Haut und so ein bisschen eine kleine Pflanze mit menschlich geschnittenen Gesichtszügen, aber abgemähtem Gras über der Haut. Oder sind das Blätter? Irgendwie ähnelt es den Monstern aus dem Traum. Und es hat ein seltsames Gerät in der Hand. Ich weiß, eine Waffe. Warum bin ich nur so wehrlos nackt? Träume ich nun einen neuen Traum. Wieder einen mit Monstern?. Trotzdem ist es zum Lachen. Ich stehe im Wasser. Diese Bewaffneten kommen näher. Meine Freunde! Ich muss sie doch warnen! Aber ich kann nichts machen. Ich will rufen, warnen, aber...
Uli!“
Warm klang die Stimme. Gleichmütig. Ruhig. Wie eine besorgte Freundin.
Onja?“
Ich hatte hatte die zwei Silben instinktiv geformt, noch bevor ich wirklich jemand erkannt hatte. Das Gehirn gehorchte mir noch immer nicht. Vor allem schien es mir verbieten zu wollen, die Augen aufzumachen. Aber die Stimme gab nun neue Laute von sich. „Na endlich! Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr zu dir!“ So befreit von einer großen Sorge klang das, dass plötzlich ...
...







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