Freitag, 23. November 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1584


Gelegentlich wird man sich auch einmal auf die Schultern klopfen dürfen: In der Anthologie "Lyrischer Lorber 2012" sind wir zumindest zu dritt vertreten.
Da wäre zum einen Gunda Jaron mit "Randfigur", zum zweitenThomas Reich mit "Strömung" und Slov ant Gali mit "Lass mich dir lormen". Nur so zur Erinnerung: Die Randfigur Gunda Jaron konnte natürlich nicht schon wieder einen der Edel-Lorbeeren einheimsen ...
Auf jeden Fall ist das ein Grund, an diese hier schon veröffentlichten Gedichte zu erinnern.



.So begegnet man sich wieder - jeder mit eigenen Wegen, jeder mit eigenen Tönen. Wobei die Gemeinde der Lyriker sowieso nicht zu riesig ist ... wenn auch nicht so klein wie die der Verrückten, die einer Katastrophe entgegen ziehen, anstatt ihr so fern zu bleiben wie irgend möglich:


Slov ant Gali: Stochern im Nebel (45)


... Mitunter musste ich Jule ganz plötzlich packen, auf den Boden schleudern, mit ihr an schwer einsehbare Stellen rollen. Das alles mit Gitarre und Kleid. Nicht, dass ich meinen Aufzug bereut hätte. Sich an den Boden und Jule ankuscheln, warten, lauschen, weiterschleichen, Jule hinter mir. Das alles zusammen machte die Sache erst richtig kitzlig.
Inzwischen lungerten an allen Kreuzungen Streifen, die die leeren Straßenzüge musterten.
„Eine tote Stadt.“ Ich lächelte dabei. Höchstens ein klein wenig verkrampft. „Wo kriegt man das sonst zu sehen.“
Jule sah mich schaudernd an. Nein, nichts verriet, ob ich das ernst meinte. Hoffte ich zumindest.
Unentdeckt erreichten wir den Blumberger Damm. „Scheiße!“, knurrte ich, „Hier biste ja kilometerweit aufm Präsentierteller.“ Eine schrecklich breite Straße. Und wir mussten auf die andere Seite. Drei Jeeps näherten sich. Fuhren vorbei. Entfernten sich wieder. Aber selbst, als es schon wieder völlig still war, blieb ich regungslos liegen. Konzentrierte mich. Ganz plötzlich stand ich auf und putzte mich seelenruhig ab. „So, jetzt aber los!“
Endlich drüben klärte ich Jule auf: „Wir müssten bald da sein. Nur noch durch die Gärten der Welt, den chinesischen Garten, und hinter dem Kienberg kommt schon das Wuhletal. In dem Erholungsgebiet gibt´s keine Häuserblocks. Wahrscheinlich auch keine Streifen mehr. Irgendwo dahinter wüten diese Tropfen. Und jetzt über den Zaun!“
Jule sah sich unsicher um. „Na gut“, brummelte ich, „dann eben nicht!“ Ich lief also die etwa 100 Meter weiter bis zum Pförtnerhäuschen. An dem verlassenen Drehkreuz blieb ich stehen. „Aber auf der Rückseite müssen wir wirklich übern Zaun. Guck dich schon mal nach einem Knüppel um. Wir wolln es nicht drauf ankommen lassen.“
Im chinesischen Garten herrschte gespenstische Stille. Kein Laut. Kein Vogel, kein Summen, nichts. Nur das Echo der eigenen Schritte. Eine krasse Spukatmosphäre – und das mitten am Tag. Wobei ich zugebe, dass ich auch keinen Blick für das Chinesische an dem Garten hatte.
Wieder eine Störung: Ganz langsam schwoll ein fernes Brummen zum Dröhnen an. „Hubschrauber!“ Uns blieb nur ein Teehaus als Versteck. Ich drückte Jule an mich. “Wir sind jetzt fast da. Meinst du, ich lass mich so dicht am Ziel noch aufgreifen?“ Wir rührten uns nicht. Es dauerte lange, bis es wieder ruhig war. Jule roch leicht nach Angst. Ich spürte aber, wie ihr Herzschlag langsamer wurde. ...




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