Donnerstag, 3. Mai 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1378

Schlicht und einfach: Hier sind die "Gedichte des Tages" von morgen!


Beginnen wir mit Sebastian Deya. Ich sage es offen: Sein Gedicht "Piraterie" regt mich zum Nachdenken an. Es hat aber ein Geheimnis. Der Titel verunsichert mich. Erwarten könnte man heutzutage eine Parabel auf somalische oder malaiische Küsten, auch an eine moderne Partei könnte man denken. Wenn man ein Gedicht liest, kann man nur sich selbst fragen, ob ein Gedicht etwas auslöst ...
Als ich nach einem Gedicht suchte, das im Testmodus hängt und überarbeitet verbessert werden sollte, stieß ich auf "Amakudari". Entsetzt fragte ich mich, ob ich das wirklich geschrieben hatte. Ich musste selbst die Bedeutung des Titels nachschlagen! Langsam erschloss sich wieder diese personelle Verfilzung von Politik und Ökonomie, für die wir nur den Ausdruck Lobbyismus kennen, für die die Japaner aber besonders feinsinnige Formen gefunden haben Und wenn dann einmal eine Katastrophe passiert, ... Ich fand keine Verbesserungen ...


Und damit nicht genug. Hier geht der Fortsetzungsroman weiter ... obwohl er garantiert schon an vielen Stellen anders aussehen wird, wenn er hier fertig wiedergegeben wurde:


Slov ant Gali / Gunda Jaron:   

                Ich wurde Gott (41)


... Die schwerste Arbeit stand mir allerdings noch bevor. Ich hatte sie zuvor nicht bedacht. Zwar hatte ich ein kurzzeitiges Wohlbefinden hergestellt, und ich wusste, dass die Krankheit bald – wann immer das sein würde – verginge, doch das änderte nichts an den überdimensionalen „Pickeln“. Ihr Inhalt würde sowohl die Blutbahn der Betroffenen mit Giftstoffen übersättigen als auch – und das schien mir fast wichtiger - das Äußere aller Betroffenen dauerhaft entstellen. Also entschloss ich mich spontan, diese „Pickel“ wegzuoperieren.
Im Gegensatz zu der ersten Aktion würde das viel Zeit kosten. Aufschneiden, aufklappen, reinigen, zuklappen, vernähen ... so ungefähr. An sich einfache Handgriffe – aber die Körper waren übersät von diesen Riesenpickeln.
Mein einziges Plus: Nach dem ersten Erfolg schienen die Dörfler mit einer unbeschreiblichen Geduld versehen - totale Lethargie hätte genauso ausgesehen. Das betraf selbst die Kinder. Dort, wo ich sie zum Warten hingescheucht hatte, verharrten sie fast reglos. Stehend, wo ich vergessen hatte, zu sagen, sie sollten sich setzen, sonst sitzend. Was mochte sie antreiben? Grenzenlose Angst?
Um dieses Gefühl wenigstens ein wenig zu mindern befahl ich den Robbis Abstand und Ruheposition. Nachdem die Impfung vollzogen war, hätte die Flucht Einzelner keinen zu großen Schaden mehr verursacht. Aber da ich die Einkreisung natürlich beibehielt, blieb ein Entwischen sehr unwahrscheinlich. Andererseits wirkten die Robbis als sitzende oder hockende Figuren viel weniger Furcht einflößend als im Stehen, wo bereits ihre überragende Größe einschüchterte.
Was mein Kommando für Folgen hatte, konnte ich wirklich nicht ahnen ...
Ich hatte mich entschieden, mit den Kindern zu beginnen. Bei denen musste ich damit rechnen, dass ihre Geduld zuerst enden würde. Nach meinem ersten Patienten überschlug ich, dass ich pro Patient 10 bis 15, bei den Erwachsenen vielleicht noch mehr Minuten brauchen würde. Das hieß, allein konnte ich an diesem Tag nicht fertig werden. Aber ... das war doch die Idee! Einer der Robbis hatte seine optischen Sensoren auf die Operationsvorgänge gerichtet. Er musste alles genau beobachtet haben. Die Robbis waren geschickt und auf ihre Weise intelligent. Wenn sieben von ihnen ebenfalls operierten, dann wären wir noch am Nachmittag fertig!
Eine Unterrichtsstunde Operieren war angesagt. Das war ein Erlebnis für sich, sag ich dir. Mal dir aus, du erklärst jemandem, du machst ihm etwas vor, er soll erst genau zusehen und es dann genauso nachmachen. Das ist schon nicht leicht, wenn dir ein anderer Mensch auf die Finger schaut, noch spannender ist es, wenn es so ein Roboter ist, von dem du weißt, dass er wirklich die kleinste Bewegung identisch nachmacht. Nur nicht zittern, jede Bewegung optimieren. Immerhin blieb mir noch die Gelegenheit, in der Testrunde, wenn der Robbi die erste Operation selbst machte, ihn zu korrigieren, ihm zu erklären, welche Bewegung er dann doch nicht so machen sollte wie ich. Dann übernahm der Robbi meine Aufgabe mit. Er führte also eine Operation vor, die die dafür vorgesehenen anderen Robbis zwecks Nachahmung beobachteten. Glücklicherweise geb es keinen Zwischenfall durch eine unvorhergesehene Reaktion unserer Patienten. Endlich brauchte ich mir keine Sorgen mehr zu machen: Das Ergebnis solcher Unterweisung würde identische Qualität sein. Massenweise. Für mich war nur wichtig, die Aufmerksamkeit der Dörfler, sofern man bei ihnen überhaupt von Aufmerksamkeit sprechen konnte, auf mich zu richten. Sie durften möglichst nicht bemerken, dass sie kaum noch Wachen umgaben – und wenn, dann wenigstens nicht so, dass sie irgendwelche gemeinsamen Schlussfolgerungen daraus zogen. Zum ersten Mal musste ich meine Schritte daraus ableiten, dass nur begrenzte Zeit zur Verfügung stand. Allerdings wurde ich immer unvorsichtiger, weil die Umzingelten so beängstigend lethargisch blieben. Nur noch fünf Wach-Robbis lungerten scheinbar gelangweilt im Gras, darauf lauernd, dass jemand zu fliehen versuchte. ...

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e.

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