Donnerstag, 26. Juli 2012

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1464

Kann man in Sommerhitze dichten? Wer jetzt NEIN sagt, hat entweder geirrt oder für ... nicht so gut geratene ... Testgedichte eine schöne Entschuldigung geliefert:

Die beiden heutigen Testgedichte eint zweierlei: Sie arbeiten mit Reimen und entstanden unter dem Einfluss von - für Berliner Verhältnisse - ungewöhnlicher Wärme. Das entschuldigt zwar eigentlich nichts, aber vielleicht doch ein wenig "An den kritischen Dichter" und "Vom äußren Schein" ...

Da schon eine Weile am Manuskript gearbeitet wurde, zählt eine so kurzzeitige Entschuldigung beim SF-Fortsetzungsroman-Manuskript nicht:


Slov ant Gali / Gunda Jaron:   

                Ich wurde Gott (125)


... Das Schicksal meinte es nicht gut mir mir in dieser Nacht. Ausgerechnet in einer so wesentlichen Situation fiel einer der Replikatoren aus. Ich war überzeugt, dass es nur um eine Kleinigkeit handelte, die sogar ich reparieren konnte, aber mir fehlte eifach die Zeit, um ungestört zu fummeln. Sollte ich also schon zugeben müssen, woher im Wesentlichen das Abendbrot und Frühstück der Bewohner stammte, weil ich es nicht zur Verfügung stellen konnte?
In einer Überschlagsrechnung stellte ich fest, dass die aktuelle Replikationskapazität für etwas mehr als Phots für alle Robbis reichen würde. Dieses etwas Mehr brachte mich auf den alles entscheidenden Einfall.
Auf der Stadtmauer wachten diesmal nur Bauern. Ich hatte eine Zeichnung angefertigt, an welchen Stellen die Belagerer hofften, die Stadtmauer sturmreif zu schießen. Ich fand drei Stellen, die besonders weit von diesen Punkten entfernt lagen. Ich nahm an, dass die gegnerischen Truppen bereits auf einen Sturm hin konzentriert und formiert wurden. Entweder kannten sie dabei keine Enterhakentechnik, oder – was mir inzwischen als das Wahrscheinlichere erschien – ihre Offiziere hatten zurecht beobachtet, dass wir dagegen eine überlegene Verteidigungstechnik besaßen.
Nun aber arbeiteten die Robbis die Nacht durch. Mir war eingefallen, dass der Mauer das solide Fundament fehlte. Das, was normalerweise ein tödlicher Mangel war, sollte mir nun zum Vorteil gereichen. Die Robbis gruben nämlich einen Tunnel unter der Stadtmauer hindurch. Mein Computersystem hatte die Machbarkeit des Projekts genau berechnet. Jeder Punkt war bestimmt. Ein Robbi musste sich opfern. Der sogenannte Tunnel war ja ein Witz, eigentlich gerade einmal ein Gang, durch den eben dieser Robbi sich schlängeln konnte. Seine Aufgabe war so absurd wie verblüffend: Er baute auf der anderen Seite der Stadtmauer zwei Sprengkreise auf. Der eine würde die Belagerer beschäftigen, der andere, wichtigere, würde die Stadtmauer zum Einsturz bringen … und zwar mit der Sturzrichtung nach draußen. Nachdem dies gelungen war, ohne dass es von den Belagerern bemerkt worden wäre, wiederholte mein Maulwurf-Robbi seinen Einsatz noch an den beiden anderen berechneten Punkten.

Nein, unwichtig war der erste Sprengring nicht. Sollte er den Zaun der Belagerer nicht beseitigen, dann war der Kampf wahrscheinlich verloren, bevor er richtig begonnen hatte.
Eigentlich war das alles grob gesagt eine verrückte Konstellation: Auf einer Seite etwa 100000 ausgebildete Söldner mit der Bewaffnung ihrer Zeit und Erfahrung im Kampf. Auf der anderen Seite etwa 5000 Bauern ohne Kampferfahrung, aber hoffentlich überlegener Technik, unterstützt von rund 50 Robotern mit kleinen handlichen Photonenstrahlern und dem Vorteil der totalen Überraschung.
Am nächsten Morgen geschah unsererseits nichts. Wir bangten natürlich, dass die Sprengsätze bemerkt werden könnten. Diese Sorge war aber überflüssig. Man achtet fast nur auf etwas, was man kennt und erwartet. ...


 


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