Sonntag, 10. März 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1676

Morgen stehen die "Gedichte des Tages" für Extreme: Auf der einen Seite ein wunderschönes Trauergedicht ... auf der anderen etwas Heiter-Ironisches ...


Ursula Gressmann meldet sich zurück. Das allein wäre bereits Grund zur Freude. Doch wenn ich mich nicht irre - ich lasse mich gern eines besseren belehren - hat sie in "nacht" für einen Sachverhalt, der besonders oft mit Euphemismen umschrieben wird, einen wirklich neuen lyrischen Euphemismus gefunden ... Und im Klang der Wörter findet man Uschi Gressmann wieder ...
Ein solches wunderbares Gedicht bedarf eines "Gegenstücks" ... und da sich der notwendig kommende Frühling gerade zickt, ärgern wir ihn mit einem Storchgedicht - übrigens eines, dass auf einer wahren Geschichte beruht: "Rudi aus Rühstädt" ...


Dafür ist die nächste Fortsetzung der heiteren Kurzgeschichte eindeutig:

Slov ant Gali: Die Kontaktanzeige (4)


... „Was lachst du? Bin ich immer noch voller Wasserflecken?“
„Ach wo! Aber ich hatte mir halt so ein Bild von dir gemacht. Und da warst du irgendwie ausgeflippter. Nicht so stinknormal wie ein Versicherungsvertreter ...“
Christian verschluckte sich, hustete, rang nach Luft.
„Sehe ich so aus?“
„Ja … Ich meine, nein, natürlich nicht. Na ja, vielleicht ein bisschen.“ Sie lächelte wieder. „Sag mal, die Couch lässt sich nach hinten klappen?“
„Warum?“
Blöde Frage, natürlich. Das wurde dem Mann sofort bewusst, kaum dass er den Mund aufgemacht hatte.
Außerdem sah sie ihn jetzt so eindeutig anzüglich, richtig auszüglich an, da gab es am Sinn der Frage keinen Zweifel.
Sie ist einfach entzückend, dachte er, sie ist richtig hübsch und – mein Gott, gleich klingeln die Kinder ...
Er schluckte. „Eigentlich habe ich so meine Grundsätze“, fantasierte er rasch. Nicht gleich beim ersten Mal. Da kann man sich nicht mehr steigern, weißt du? Nicht, dass du mir nicht gefällst. Beleibe nicht. Aber wir sehen uns wieder, ja? Du hast doch Telefon? Ich ruf' dich an, wenn ich in deiner Nähe bin.“
Bei diesen Worten war er aufgestanden.
So gründlich hatte er den Rauswurf gar nicht gewollt. Ehe er sich recht besonnen hatte, war Marion aus seinem Haus und sicher auch aus seinem Leben verschwunden.
„Puh!“, rief er und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Geschafft!“
Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Christian Aufmüpfer wusch sorgfältig ab, trocknete ab, räumte alle erkennbaren Spuren des unheimlichen Besuchs weg und setzt sich wieder an seinen Schreibtisch, ohne dass ihm etwas Vernünftiges eingefallen wäre. Wo blieben seine Kinder?
Da klingelte es.
Er stürzte regelrecht zur Haustür und entgeistert stand er nicht nur seinen beiden Sprößlingen, sondern auch seiner Frau gegenüber..
„Ich hatte heute Vormittag einen Kundentermin auswärts“, sagte Rita und gab ihm einen leichten Kuss auf die Wange, „und mein Chef hat gesagt, ich brauch' nicht unbedingt wiederzukommen. Da dachte ich, fahr ich gleich nach Hause und überrasche dich. Unterwegs fiel mir ein, ich könnte ja auch die Kinder abholen, und dann haben wir noch zusammen ein Eis gegessen. Deshalb sind wir jetzt erst hier.“
„Ein Glück! …“, stammelte Aufmüpfer. „Ich meine, ein Glück, dass wir heute mal alle zusammen sind.“

Christian war sich nicht sicher, ob er Marions Angebot wirklich angekommen hätte, aber auf keinen Fall hätte er ihr doch offenbaren können, warum es an diesem Tag, zu dieser Stunde gerade nicht möglich war.
Wie groß wäre seine Überraschung gewesen, hätte er am nächsten Tag seine Frau Rita am Arbeitsplatz besucht. ...






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