Samstag, 23. Februar 2013

Lyrik-Prosa-Wortkultur 1661

Fast könnten die sonntäglichen mit den samstäglichen tauschen:


Noch ein Gedicht von Gunda Jaron bereicherte: "Ja, ja, die Tugend". Garantiert nicht staubtrocken. Wenn man etwas daran bemäkeln wollte, dann wohl höchstens, dass die Aussage nicht so sensationell die Welt bewegend sei ... Aber "typisch", typisch ist sie schon ... es sei nur an F.W. Bernsteins Elche erinnert ...
Und ich antworte mit einem Gedicht wie dem gestrigen:  "Schneeflöckchen, ..."


Die Romanidee hat dagegen eine nicht austauschbare Abfolge:

Slov ant Gali: Der Planet der 1000 Inseln (17)


... „Du weißt also, wie das geht?“
„Klar. Wir lernen schon früh alle Abläufe vom Anbau der Pflanzen über alle Bearbeitungsmöglichkeiten bis zum Schneidern und Schmücken. Mir hat aber nur das Schneidern und Sticken gefallen.“
„Komm, wir rennen ein Stück!“
Als wir dann vor meinem Computer saßen, begann ich zu erklären: „Wir schreiben als erstes einen kleinen Brief. Was du brauchst und warum. Nein, am besten zwei. Einen, mit dem wir fertige Kleider in deiner Größe und einer größer suchen und Stoff zum Zuschneiden, einen anderen, wo wir nach Wali-Pflanzen fragen, die wir notfalls selbst bearbeiten könnten.“
„Kennst du denn jemanden, dem du einen solchen Brief schreiben kannst?“
„Natürlich nicht! Bis jetzt weiß ich nicht einmal, wo es so etwas geben könnte. Macht aber nichts. Ich brauche die Briefe ja nur für zwei Spins.“
Mahay Gesicht strotzte nur so vor Neugierde. Ich verstehe nicht, warum sie mich nicht mit der Frage unterbrach, aber sie war sich wohl absolut sicher, dass meine Erklärung gleich folgen würde.
„Also das ist schwer zu erklären für einen, der nicht mit Computern gearbeitet hat und im Netz schon gar nicht. Aber du weißt ja inzwischen schon, was ein Programm ist. Ein Spin ist sozusagen ein Programm, dass durch das Netz weltweit geschickt wird und sich dort frei bewegt. Es sucht überall nach den Wörtern Wali und Wali-Pflanze. Dort hängt es deinen Brief an.“
„... An das Wort?“
„Richtig: Wer von da an seine Beiträge um die Wali-Pflanze abruft, entdeckt dort meinen Marker. Den kann er natürlich wieder löschen, aber eben auch aufrufen. Das funktioniert bei allem. Wir haben ein umfassendes Handelsnetz. Also wenn du dein Kleid loswerden möchtest, musst du nur die richtigen Schlüsselwörter angeben und nicht lange, dann melden sich zig Leute, die es haben möchten – wofür auch immer. Dann packst du es mit der Zielanschrift ein und steckst es in einen Logistik-Kasten.“
„Muss der andere was dafür tun?“
„Hat er ja schon. Er muss sich melden, wenn er was haben will. Du wirst ja dein Kleid nur anbieten, wenn du es nicht mehr anziehen möchtest.“
„Uns haben sie erzählt, dann schmeißt ihr alles weg.“
„Wenig. Das wäre eine große Missachtung fremder Arbeit und von allem, was unser Planet uns an Reichtümern bietet. Aber du hast Recht. Solche Zeiten hat es früher gegeben. Eigentlich änderte sich das erst, als es schick wurde, in Sachen rumzulaufen, die nicht ganz neu waren. Weißt du, die Wanderanzüge. … Entschuldige. Das kannst du ja nicht wissen. Die Wanderanzüge kamen mit dem Kultivatorverfahren auf. Mit dieser Technologie war die normale Bekleidung extrem lange haltbar. Da kam irgendwer auf die Idee, dass jeder, der einen Anzug getragen hatte und ihn nicht mehr mochte, ihn weitergeben könnte. Dazu hinterließ er darin ein Zeichen, eine Unterschrift, etwas Reingesticktes, irgendwas Eigenes eben. Die Anzüge wanderten und es wurden immer neue Rekorde aufgestellt, wer in welchem Ding schon wo gewesen war. Also wenn einer eine richtig angesagte Party feiern wollte, dann musste er etwas haben, womit er die Teilnahme auf einem Kleidungsstück hinterließ. Wer etwas auf sich hielt, musste schon einige Kleidungsstücke auf Wanderschaft geschickt haben. Weißt du, irgendwann war fast jedes Kleidungsstück individuell, hatte etwas Besonderes. Wer sich nicht an der Wanderei beteiligen wollte, musste es nicht … Jeder Mari ist doch anders. Also ist seine Art, sich zu zeigen, eine ganz individuelle. Ja, selbst wer unbedingt aussehen möchte, wie ein anderer, zeigt damit seine Individualität. Früher oder später würden wieder Kleider modern, weil ein paar sich damit unbedingt von der Masse abgrenzen möchten – und wenn es dann Jungen sind, dann sind das eben besondere Jungen. Es bleiben genug Mari übrig, die ihrer Individualität wegen die in letzter Zeit produzierten Gleitanzüge behalten wollen. Jedes Kleidungsstück wird allein dadurch wertvoll, dass genau du als Trägerin dadurch betont wirst. Das ist doch viel interessanter als zum Beispiel ein Preis, also eine Zahl, mit der du dein Stück eintauschen müsstest.
Diese Wanderanzugmode hatte den allgemeinen Effekt, dass kaum noch weggeworfen wurde. Alles Mögliche wurde wieder im Netz angeboten wie in der Vorzeit des Planeten, als man eben diese Preise erzielte, die man für den nächsten Gegenstand eintauschen konnte. ...



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